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Alle Abb.: Remmers Baustofftechnik GmbH, Löningen

Bauwerkserhaltung 2011-06-30T00:00:00Z Nach 500 Jahren Geschichte ein neues Kapitel

Das Mauerwerk war angegriffen, der Klakputz wies Fehlstellen und Abrisse vom Untergrund auf, kurz an Schloss Ilok in Kroatien musste etwas getan werden. Bei der Fassadensanierung wurde daraufgeachtet, dass die Römische Fassade gut zu Geltung kommt. Zudem wurde auf den Feuchte- und Frostschutz geachtet. Wie die Fachplanung ausgeführt wurde können Sie in diesem Beitrag erfahren.

Das Schloss und der gesamte mittelalterliche Kern der Stadt Ilok sind heute ein Teil des Projektes des Kulturministeriums der Republik Kroatiens "Wiederaufbau, Forschung und Restauration der Lokalitäten im Zug Vukovar Vučedol Ilok".

An erster Stelle auf der Agenda stand die Instandsetzung des Schlosses. Eine außerordentlich komplexe Aufgabe. Historische Detailtreue, archäologische Forschung und Befunde, geomechanische und statische Prüfungen, Konservierungs-, Restaurierungs- und Verarbeitungstechniken etc. mussten entwickelt und koordiniert werden. Im Bereich der Fassadeninstandsetzung des Schlosses wurde auf den Sachverstand und die Produktsysteme von Remmers gesetzt.

Die Renovierung des Schlosses hatte auch das Ziel, dem historischen Bauwerk durch Einrichtung eines Vier-Sterne- Hotels mit anspruchsvoller Gastronomie eine wirtschaftlich abgesicherte Zukunft zu ermöglichen.

Die Weinkellerei "Ilocki podrumi" investierte hierfür 3 Millionen Euro in das Projekt.

Auftrag an die Fachplanung

Der Investor wollte sicher stellen, dass das Sanierungskonzept auf Basis einer ganzheitlichen Fachplanung erstellt wird, die alle Erfordernisse der kunsthistorischen Befunduntersuchung, der Schadenskartierung bis hin zur Erstellung von Musterachsen beinhaltet. Aus der Objektsituation leiteten sich für Dr. Georg Hilbert folgende Fragestellungen als Basis für das Instandsetzungskonzept ab:

1. Feuchte- und Salzbelastung der unterschiedlichen Fassaden

2. Saugverhalten des Mauerwerksbildners (Ziegel)

3. Frostbeständigkeit der verbauten Ziegel

Zur Ermittlung der hierfür benötigten Kennwerte wurden Messachsen an der Fassade angelegt und Bohrmehlproben sowie Ziegel-Stückproben entnommen. Sie sollten die unterschiedlichen Bauteilsituationen und repräsentative Schädigungsgrade des Mauerwerks erfassen.

Zur Ermittlung des Feuchtehaushaltes, der Frostbeständigkeit und der Salzfracht im Fassadenmauerwerk wurden diese Proben in Laboren untersucht.

Nach Auswertung und Interpretation der ermittelten Kennwerte wurde ein Instandsetzungskonzept zur Mauerwerksanierung sowie Ausbesserung und Erneuerung der Putzflächen erarbeitet.

Baudenkmalpflege hat Priorität

Die Umsetzung des Sanierungskonzeptes erfolgte durch die Projektleiterin Irena Jurin d.i.a und Eduard Hudolin, Leiter der Denkmalschutzamtes. Hierbei wurde auch eine wissenschaftliche Forschungsarbeit von Vladimir Markovic berücksichtigt. Aufgrund seiner Ausführungen in dem Werk, "Römische Fassade des Schlosses Odescalchi in Ilok" wurde beschlossen, die im 19. Jahrhundert durchgeführten baulichen Veränderungen der Nordfassade wieder rückgängig zu machen, um die ursprüngliche "Römische Ziegelfassade" wieder steinsichtig herstellen zu können.

Schäden am Bau durch die Zeit

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Ansicht Schloss Ilock vor der Instandsetzung

Das Schloss Ilok besteht aus einem Ziegelmauerwerk mit Kalkputz. Eingelassen in die Fassaden sind gliedernde Elemente aus Naturstein. Der Kalkputz kommt sowohl als Glatt- wie auch Quaderputz vor. Neben offensichtlichen Fehlstellen wird der Putz vielerorts durch Abrisse vom Untergrund und dadurch bedingte Hohlstellen charakterisiert.

Die Gesimse als horizontale, aus der Fassade herausragende Bauglieder waren so stark geschädigt, dass sie entfernt werden mussten. Gut erhaltene Teile dienten als Abform- Vorlage für die Herstellung neuer Gesimse mit Grob- und Feinzugmörtel, mit denen die Fassade rekonstruiert werden konnte. Das galt auch für die weitgehend zerstörten Arkaden mit ihren Bogen- und Laubengängen.

Der Putz im Sockelbereich war durch aufsteigende kapillare Durchfeuchtung und defekte Dachentwässerung weitgehend zerstört.

Den Schaden wieder richten

1. Unbelastete Bereiche Konservierung Altputz

Vor der farblichen Neufassung der Putzoberfläche war eine Festigung bzw. Konsolidierung des Originalputzes zwingend erforderlich. Sie hatte zwei Aufgaben zu lösen:

a) Festigung der Gesamtstruktur des Originalputzes

2. Hinterfüllen vorhandener Hohllagen zwischen Putz und Mauerwerksbildner

Beide Aufgabenstellungen wurden mit einem Steinfestigungssystem auf Kieselsäureesterbasis realisiert. Der Aufbau des Festigersystems wurde vorab durch die Anlage und Überprüfung von Musterflächen definiert. Die strukturelle Festigung des Putzes erfolgte danach stufenweise, frisch in frisch, mit KSE 100, 300 und 300 E, also mit steigenden Bindemittelgehalten. Die Hinterfüllung erfolgte mit 500 STE, plus Füllstoffen.Nach Beendigung dieser Arbeiten wurde vor dem Schließen der Putzfehlstellen eine Wartezeit von sechs Wochen eingehalten zwecks Abbaus der temporären Hydrophobie.

Das Schließen der Putzfehlstellen wurde mit einem auf die Umgebung angepaßten Putzsystem durchgeführt, angepasst an den alten Kalkspatzen-Mörtel.

Die Farbfassung der Fassade wurde mit einer Siliconharzfarbe vorgenommen, nach Festigung mit Hydro Tiefengrund.

2. Putzerneuerung für stark salzbelatete Bereiche

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Ablösen des Quaderputzes aus Kalkspatzenmörtel vom Untergrund

Auf Grund des Belastungsgrades kam für diese Gebäudeabschnitte nur die Anwendung eines funktionsdifferenzierten Sanierputzsystems infrage. Das Konservieren der originalen Altputzreste in diesem Bereich war mit nachhaltigem Erfolg nicht möglich.

Nach Entfernen des Altputzes und Reinigung des Ziegelsteinmauerwerks mit der "Rotec- Wirbelstrahl-Technologie" erfolgte der Putzaufbau:

- Vorspritzmörtel

- Grundputz

- Kompressenputz

- Feinputz

3. Römische Fassade

Der Wunsch des Bauherrn und auch die denkmalpflegerische Zielvorstellung war es, die sog. römische Fassade ziegelsichtig instand zu setzen.

Dem entgegen standen die Untersuchungsergebnisse, die eine hohe Frostempfindlichkeit der niedrig gebrannten Ziegel als Mauerwerksbildner nachgewiesen hatten. Den Messwerten zufolge war ein Feuchteschutz der Ziegel dringend erforderlich.

In den mittelalterlichen Feldbrandöfen war die Ofentemperaturverteilung sehr ungleichmäßig. Die Temperatur nahm mit zunehmender Entfernung von der Befeuerung ab, woraus sich eine große Variationsbreite des Ziegelgefüges ergab. Die Ziegel wiesen eine mehr oder minder hohe Porosität auf und wurden durch Wasseraufnahme im Laufe der Zeit rissig. Das hatte einen entscheidenden Einfluss auf die Verwitterungsbeständigkeit, da die Risse zu einer Feuchtigkeitshinterwanderung des gesamten Mauerwerks führten.

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Feuchteschutz der Ziegel durch hydrophobierende Imprägnierung

Den erforderlichen Feuchteschutz ausschließlich mit einer hydrophobierenden Imprägnierung zu realisieren war nicht möglich, da mit ihr nur Risse bis 0,2 mm inaktiviert werden können. Der Ausweg: der Feuchteschutz der Römischen Fassade wurde mit einer Schlämmlasur plus Zugabe von Ziegelmehl als zusätzlichem Füllstoff realisiert.

Technisch betrachtet ist dies eine hoch wasserabweisende und wasserdampfdurchlässige Beschichtung mit hoher Dichtigkeit gegen flüssiges Wasser wie Schlagregen und Spritzwasser, da auch Mikrorisse mit ihr geschlossen werden (Wartung erforderlich). Nur dadurch konnte die Gefahr der Hinterfeuchtung unterbunden werden. Die Schlämmlasur erfüllt mit ihrem mineralähnlichen Charakter aber auch die denkmalpflegerischen Zielvorstellungen. Die halblasierende Beschichtung ist rau und griffig, nur mit ihr konnte die Optik der Römischen Ziegelfassade erhalten bleiben.

Diese reversible Form des Feuchteschutzes (Hydrophobie) wurde in ihrer Wirkung durch eine abschließende Imprägnierung verstärkt.

Für die dem Originalbestand weitgehend entsprechende Reprofilierung der verwitterten bzw. zerstörten Ziegel wurde ein Restauriermörtel eingesetzt. Er ist die Ergänzungen im kleinvolumigen Maßstab. Die an der Römischen Fassade auftretenden Farbvarianten der Ziegel konnten ohne nennenswerte Abweichungen nachgestellt werden. Der anwendungsfertige, acrylatvergütete Werktrockenmörtel wurde auch für Fugarbeiten, sowie zum Einsetzen von Vierungen eingesetzt.

4. Bauwerksabdichtung

Die Bauwerksabdichtung im Sockelbereich wurde im "Kiesol-System" auf dem gereinigten Mauerwerk durchgeführt. Nach einer Grundverkieselung erfolgte die mineralische Abdichtung durch eine Verkieselungsfolge von Kiesol und Sulfatexschlämme.

Autor: Jens Engel, Produktmanager Fassadenschutz/Denkmalschutz Remmers

Bautafel

Die Baustoffe

Geschichte

Ilok ist die östlichste Stadt Kroatiens. Sie liegt oberhalb der Donau an der Grenze zur serbischen Provinz Vojvodina. Historisch bedeutsam ist in dieser Region der Schlosskomplex Odescalchi. Das beeindruckende Bauwerk entstand auf den Grundmauern des Palastes von König Nikola Iloki aus dem 15. Jahrhundert. Es liegt auf einer Anhöhe des schönsten Weinberggebietes der Stadt Ilok, auf Principovo. Als Entschädigung für die Hilfe während der Befreiung Iloks von den Türken, hatte Kaiser Leopold einst das mittelalterliche Schloss Nikolas mit dem gesamten Landgut Iloks an Papst Innozenz XI Odescalchi bzw. an seine Fürstenfamilie verschenkt. Im Laufe der Jahrhunderte diente das Schloss Odescalchi verschiedenen Zwecken. Es beherbergte das Museum der Stadt Ilok und eine Bildergalerie; der Verfall der Bausubstanz wurde aber immer bedrohlicher.

zuletzt editiert am 09. April 2021
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