Die Modulbauweise eröffnet neue Möglichkeiten. Beim Bauen mit Stahl zum Beispiel lässt sich durch sie das Beste zweier Welten kombinieren: die Robustheit und Langlebigkeit des Baustoffs Stahl mit der Flexibilität und Effizienz modularer Bauelemente.
Dabei entstehe eine Bauweise, die eine nachhaltige, wirtschaftliche und innovative Lösung für die Herausforderungen der Bauindustrie bietet, die Ressourcen schont, den CO₂-Ausstoß minimiert und dabei auch architektonisch überzeugt, so das Bauforumstahl in einer Pressemitteilung. Sicher ist: Die Modulbauweise bringt deutliche Einsparungen mit sich. Durch die standardisierte Fertigung der Module im Werk werden Bauzeiten verkürzt, wodurch die Gesamtkosten gesenkt werden können. Die schnelle Montage vor Ort spart Ressourcen und reduziert die Arbeitskosten.
Zudem sorgt die Flexibilität der Module dafür, dass Gebäude bei Bedarf einfach umgestaltet, erweitert oder sogar an einen anderen Standort versetzt werden können – ohne hohe Umbaukosten und ohne Qualitätseinbußen. Das Bauforumstahl sieht aber auch im Baustoff Stahl und seinen besonderen Werkstoffeigenschaften Nachhaltigkeitsvorteile: Durch Stahl biete sich die Möglichkeit zu schlanken Bauweisen. Mit geringem Materialeinsatz ließen sich hohe statische Anforderungen lösen und weite Räume stützenfrei überbrücken.
Temporär bauen, langfristig planen
Zum Lebenszyklus eines Gebäudes gehört auch das Davor – Ressourcenverbrauch und Produktion – und das Danach – Abriss und Abfallbelastung. Ideal ist es, wenn zwischen dem Davor und Danach viele temporäre Nutzungen liegen, wie sie das modulare Bauen mit Stahl ermöglicht. Ein gutes Beispiel dafür ist nach Ansicht des Bauforumstahl der Interimsbau der Isarphilharmonie in München, der von Anfang an als temporäre Lösung geplant war. Dabei war auch die mögliche Weiternutzung der eingesetzten Stahlbaumodule Teil der Planung.
Der „Gasteig München“ gilt als eines der größten Kulturzentren Europas. Hier sind bedeutende Kultur- und Bildungsinstitutionen unter einem Dach konzentriert. Als nach rund 35 Jahren eine Generalsanierung anstand, wurde für diesen Zeitraum ein Areal der Stadtwerke München in Sendling als Interimsquartier entwickelt. Auch hier sollten möglichst viele kulturelle Nutzungen an einem Ort möglich sein, um die Marke „Gasteig“ weiterhin erlebbar zu machen. So entstand aus einem Bestandsgebäude von 1929 und mehreren Neubauten der „Gasteig HP8“.
Kurze Bauzeit, Budget eingehalten
Er besteht aus der denkmalgerecht sanierten ehemaligen Trafohalle, der „Halle E“ als Eingangsfoyer, aus einem modularen Neubau für einen Konzertsaal mit rund 1.900 Sitzplätzen, der „Isarphilharmonie“, und drei weiteren Modulbauten für öffentliche und kulturelle Institutionen sowie für ein Restaurant. Das alles wurde in nur eineinhalb Jahren Bauzeit und unter Einhaltung des Budgets von rund 70 Millionen Euro fertiggestellt. Dass beides möglich war, liegt unter anderem an der modularen Konstruktion und den eingesetzten Baustoffen, vor allem Stahl.

„Form folgt Funktion“ – dieses Prinzip gilt nicht nur für eine edle Violine in einem schlichten Geigenkasten, wie es gmp-Architekt Volkwin Marg beschreibt, sondern auch für die Isarphilharmonie. Im Zentrum stehe das Erlebnis des Hörens und Sehens, das höchste Qualitätsansprüche erfülle, so das Bauforumstahl. Die äußere Gestaltung genüge ebenfalls anspruchsvollen Kriterien, stelle jedoch Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in den Fokus: Der schlichte Kubus zeichne sich durch seine klare Formensprache und die modulare Bauweise mit Holz und Stahl aus. Nach seiner Nutzung soll der Bau nicht als Bauschutt enden, sondern als Ressource dienen. Er sei leicht rückbaubar, liefere beste Klangqualität und biete hohen Komfort.
Holz und Stahl statt Beton
Der Neubau für die Isarphilharmonie setzt sich aus zwei konstruktiv getrennten Systemen zusammen. Die äußere Hülle der dunkelgrauen Box besteht aus Stahlblech-Sandwichplatten, wie sie sonst für Industriehallen verwendet werden, in einem Stahltragwerk mit aufgesetzten Fachwerkbindern. Für die Rohbaukonstruktion wurde möglichst wenig Beton verwendet. So bestehen nur das Erdgeschoss des Gebäudes und die Stirnwände hinter den Saalenden aus Stahlbeton. Darüber trägt ein Stahlskelett die Holzwände und Holzdecken des Konzertsaals. Das Herzstück der Isarphilharmonie bildet der circa 2.000 Quadratmeter große, dunkel gehaltene Konzertsaal in Holzmassivbauweise mit einem Volumen von circa 23.000 Kubikmetern (das gesamte Gebäude hat ein Volumen von circa 55.000 Kubikmetern). Er ist von einer Stahlkonstruktion als Tragwerk umgeben. Die Konstruktion überbrückt mit zehn Fachwerkträgern, die jeweils 3,60 Meter umfassen, in einer Höhe von 20 Metern eine Spannweite von 35 Metern.
Jeder dieser Fachwerkträger bringt ein Gewicht von 16,5 Tonnen auf die Waage. Insgesamt verbaute der Metallbauer etwa 750 Tonnen Stahl. Brandschutztechnisch sensible Teilbereiche sind nach F30/F90 ausgeführt. Darin integriert ist der innere Raum des Konzertsaals aus einem akustisch entkoppelten Stecksystem aus Vollholz. So bilden im Rahmen der Stahlkonstruktion Module aus bis zu 32 Zentimetern starkem Brettsperrholz mit aufgesetzten Fichtenholzlatten den akustischen Raum. Nur punktuell ist die Massivholzkonstruktion des Saals an der sie umgebenden Tragkonstruktion rückverankert. Die Herstellung der Holzmodule parallel zur Montage der Stahlkonstruktion ermöglichte die Einhaltung der kurzen Bauzeit von nur 18 Monaten. Weitere Informationen >>>