Innenraumluft 2015-12-11T00:00:00Z Moderne Bauprodukte und gesunde Innenraumluft

Mit den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz und den entsprechend dichten Gebäudehüllen nimmt die Konzentration möglicher Schadstoffe in der Innenraumluft zu. Dabei kann auf Bauprodukte als Emissionsquelle aktiv Einfluss genommen werden kann. Das zeigte das VDI Wissensforum zum Thema Bauprodukte und gesunde Innenraumluft am 1. und 2. Dezember 2015 in Düsseldorf.

Um diese Problematik für die Verantwortlichen im Bauprozess transparent zu machen und Hinweise zum Umgang mit möglichen hohen Schadstoffkonzentrationen zu geben, referierten im Rahmen des Forums Experten aus Materialforschung und –prüfung, Wissenschaft, Messtechnik und Baurecht zum Thema Bauprodukte und gesunde Innenraumluft und beeindruckten die Teilnehmer mit Fachkompetenz auf höchstem Niveau.

Renommierte Fachleute berichteten über Emissionen aus Bauprodukten, die sich negativ auf die Innenraumluft und damit nicht zuletzt auf die Gesundheit der Gebäudenutzer auswirken können, und gaben ausführliche Hinweise zu deren Bewertung.

Prof. Dr. Oliver Jann der BAM Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung, Berlin, gab einen Überblick über Schadstoffemissionen aus Bauprodukten und entsprechende Mess- und Analyseverfahren. Zu Bewertung von Messergebnissen mit und Unterscheidungen in Grenzwerte, Richtwerte, Leitwerte und Referenzwerte referierte dann Dr. Helmut Sagunski, Hamburg, in seinem Vortrag dann am zweiten Tag des Forums.

Hervorgehoben wurden einzelne Schadstoffe, die in bestimmten Konzentrationen für die Gebäudenutzer Gesundheitsgefahren darstellen, wie zum Beispiel Formaldehyd im Vortrag von Herrn Dr. Zwiener und VOC (volatile organic compounds) in den Beiträgen von Dr. Guido Ostendorp, Landesamt für Soziale Dienste Schleswig-Holstein, und Dr. Norbert Weis, Bremer Umweltinstitut.

Dr. Lothar Grün von der eco-Luftqualität+Raumklima GmbH, Köln, widmete seinen Vortrag dem Thema Gerüche im Innenraum, deren Wahrnehmung, deren Ursachen, deren Klassifizierung und Bewertung, zum Beispiel mithilfe der vorläufigen Geruchsleitwerte der Ad hoc AG.

Gefahren abwehren oder vorsorgen?

Aus Herstellersicht referierte Dr. Helge Kramberger vom Dr. Robert-Murjahn-Institut zum Emissionsverhalten von Beschichtungen in Innenräumen, zu Messmethoden, Bewertungskriterien und europäischen Regelungen. Er informierte über technische Entwicklungen in der Farbenbranche und ging auf die große Anzahl von Labels und Prüfsiegel näher ein, die, so Dr. Kramberger, „Gesundheit und Ökologie als wichtigste Kriterien“ auswiesen, allerdings kaum technische Eigenschaften.

Die baurechtliche Seite der Thematik beleuchtete RA Matthias Wilke umfassend und auch selbst für Nicht-Juristen sehr eingängig und anschaulich.

Frau Dipl.-Biol. Nicole Dommaschk, Berlin, schilderte die Bewertung von Schadstoffemissionen aus Bauprodukten im baurechtlichen Bereich aus der Sicht des Deutschen Instituts für Bautechnik. In diesem Zusammenhang thematisierte sie das brisante EuGH-Urteil vom 16. Oktober 2014 (Rechtssache C-100/13, siehe www.dibt.de). Danach hat „der EuGH einen Verstoß der Bundesrepublik Deutschland gegen die Bauproduktenrichtlinie (Richtlinie 89/106/EWG) darin gesehen, dass die Bauregelliste zusätzliche Anforderungen für den wirksamen Marktzugang und die Verwendung in Deutschland stellen, obwohl die betroffenen Bauprodukte von europäisch harmonisierten Normen (hEN) erfasst wurden und mit der CE-Kennzeichung in Verkehr gebracht waren. In den zuständigen Gremien der Bauministerkonferenz wird derzeit noch beraten, welche Konsequenzen aus dem Urteil für das deutsche Bauproduktenrecht zu ziehen sind.“

Der abschließende Vortrag von Dr. Gerd Zwiener „Gesunde Innenraumluft durch schadstoffarme Bauprodukte“ zeigte anhand vieler Beispiele aus der Sachverständigenpraxis die Komplexität des Themas und die große Bedeutung der grundsätzlichen Fragestellung, die quasi in allen Beiträgen des Forums zum Ausdruck kam, besonders deutlich:

Geht es um bloße Gefahrenabwehr hinsichtlich der Gesundheit der Gebäudenutzer oder wird vielmehr das Vorsorgeprinzip einen immer größeren Stellenwert im Baugeschehen einnehmen?

Das Forum wurde veranstaltet von der VDI Wissensforum GmbH unter der Leitung von Martin Kessel, Karlsruhe, und Dr. Gerd Zwiener, Köln.

Autorin: Brigitte van Eymeren

zuletzt editiert am 09. April 2021
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