Aufgrund der vielen positiven Eigenschaften des Ausgangsmaterials entwickelte die Firma typha technik Naturbaustoffe in enger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP eine magnesitgebundene Dämmplatte aus Rohrkolben, die dessen Qualitäten in einem Bauprodukt vereint. Das war für die Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ und die Deutsche Bank Grund genug, den neuen Baustoff mit dem Preis „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“ zu würdigen.
Als Wasserpflanze ist Rohrkolben (lat. Typha) gegen Feuchtigkeit bestens gewappnet. Gerbstoffe schützen ihn vor Schimmel, und der Aufbau der Blätter macht ihn leicht und stabil. Diese Eigenschaften konnten auch auf die ausgezeichnete Dämmplatte übertragen werden. Sie ist belastbar, schimmelresistent, energiearm in der Herstellung, rein biologisch, nachhaltig und verfügt über eine Wärmeleitfähigkeit von 0,055 W/(m ∙ K). Sie bietet darüber hinaus nach Angaben des Herstellers einen guten Brand- und Schallschutz. Außerdem ist sie relativ diffusionsoffen, aber ausreichend dicht, um bei den meisten Anwendungen auf eine Dampfbremse verzichten zu können. Vor allem ist das Material in Richtung der Plattenebene mit hohen Drücken belastbar.
Typha ist schnellwüchsig und lässt sich leicht verarbeiten. Die Blätter werden zunächst längs in stabförmige Partikel aufgetrennt und auf die richtige Länge von rund sieben Zentimeter gekürzt. Anschließend werden sie in einer Trommel mit einem umweltfreundlichen mineralischen Kleber eingesprüht und in eine Presse gebracht.
Wegen der hohen Biegesteifigkeit bei gleichzeitig geringem Gewicht kann das Material für Dachkonstruktionen oder als Leichtbausandwichelement für Fußböden und Zwischendecken verwendet werden. Auch Türblätter, Fenster- und Türstürze lassen sich damit gestalten. Selbst eine Putzarmierung mit Samenschirmchen haben die Forscher des Fraunhofer IBP realisiert, indem sie Samenschirmchen der Rohrkolbenpflanze mit Lehmputz vermischten, um so Rissbildungen zu vermeiden.
