Insgesamt wurden elf Luftreiniger von sieben Herstellern getestet. Quelle: Bernhard Eckert
Insgesamt wurden elf Luftreiniger von sieben Herstellern getestet. Quelle: Bernhard Eckert

Innenraumluft

10. May 2021 | Teilen auf:

Mit Luftreinigern gesünder atmen

Im Auftrag des Bundesverbandes Schimmelpilzsanierung (BSS e.V.) hat das Institut für Sensor- und Aktortechnik der Hochschule Coburg Anfang 2021 verschiedene Luftreiniger getestet, die für die meisten Einsatzorte in Innenräumen infrage kommen.

Dabei ging es vor allem darum zu prüfen, ob die Herstellerangaben in der Praxis bestätigt werden können. Auf der Online-Pressekonferenz am 4. Mai 2021 stellten Prof. Dr. Klaus Stefan Drese und Felix Brand vom Institut für Sensor- und Aktortechnik der Hochschule Coburg das Testdesign und die Ergebnisse vor. Dr. Wolfgang Lorenz und Stefan Betz vom Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS) erläuterten ergänzend dazu, welche Schlussfolgerungen sich daraus für die Praxis ziehen lassen, zum Beispiel zur Auslegung und zum Aufstellen der Geräte.

Gesundheitsrisiko verringern

Für die Prüfungen ist eine eigene Messkammer entwickelt worden, in die die Geräte für die Tests eingebaut werden konnten. Quelle: Bernhard Eckert

Beim Einsatz von Luftreinigern geht es darum, gesundheitliche Risiken durch Keime und andere Partikel in der Luft zu reduzieren, etwa durch mikrobielle Belastungen wie Schimmelpilze, aber auch Geruchsbelastungen durch chemische Stoffe. Die Praxis der Innenraumhygiene zeigte, dass der Betrieb von mit speziellen Filtern ausgestatteten Luftreinigern in den allermeisten Fällen zum Erfolg führte, zum Beispiel als Sofortmaßnahme bei einem Schimmelbefall mit gesundheitlichen Symptomen der Raumnutzer, zur Reduzierung der Belastung mit organischen Geruchsstoffen oder auch zur Reduzierung von Quecksilberbelastungen Luftreinigungsgeräten.

Seit Herbst 2020 wird auch diskutiert, ob Luftreinigungsgeräte das Infektionsrisiko durch Corona-Viren verringern können. So bezog die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) Anfang Dezember 2020 mit der folgenden Einschätzung Stellung:

„[...] Luftreiniger können einen sinnvollen Beitrag leisten, um die Partikel- und Virenkonzentration in einem Raum zu reduzieren. Bei der Beschaffung von Luftreinigern muss darauf geachtet werden, dass diese für den angedachten Raum ausreichend dimensioniert sind, um die Partikel- und Virenlast auch wirklich signifikant zu verringern. Der Luftdurchsatz des Geräts ist hier wichtiger als die Effizienz des Filters. Aus energetischen und Kostenerwägungen kann die Verwendung hocheffizienter Filter sogar kontraproduktiv sein […]“.

Vom Hersteller verbindliche Angaben einfordern

Diese Aussagen bieten eine erste Orientierung. Wichtig sind aber noch andere Parameter, die ein Innenraumhygieniker vom Hersteller verbindlich einholen sollte, um seine Kunden zuverlässig beraten zu können. Hierzu zählen Angaben zur Lautstärke, zu den verwendeten Filtern, zum Volumenstrom der gefilterten Luft, aber auch zum Wirkungsgrad. Werden diese Angaben nicht oder nicht verbindlich schriftlich übermittelt, sollte man vom Kauf und Einsatz des Geräts Abstand nehmen.

Viren müssen effektiv aus der Raumluft gefiltert werden

Unter anderem wurde der Volumenstrom in der Prüfkammer gemessen. Quelle: Bernhard Eckert

Luftreiniger reduzieren die Keimbelastung nur dann ausreichend, wenn sie Viren effektiv und mit hohem Wirkungsgrad aus der Raumluft filtern. Wie die Messungen des Gerätetests an elf Raumlüftern ergaben, sind Filter der Klasse E12 hierfür ausreichend. Optimal sind Geräte, die über HEPA-H13-Filter verfügen. Bessere Filter, wie H14 oder U15 sind nicht erforderlich, verursachen jedoch höhere Kosten.

Etliche Hersteller bieten Geräte mit „Zusatzfunktionen“, wie UV-Bestrahlung und eine Ionisierung der Luft an. Dies ist überflüssig, wenn nahezu 100 Prozent der Viren aus der Luft gefiltert werden.

Gerätezahl ist von Raumgröße und -nutzung abhängig

Unter anderem wurde der Volumenstrom in der Prüfkammer gemessen. Quelle: Bernhard Eckert

Die Anzahl der benötigten Geräte ist von der Raumgröße und der Raumnutzung abhängig. Die Angaben von Hersteller bieten hier nur eine grobe Orientierung, denn ausschlaggebend ist das Raumvolumen. Brauchen Sie ein oder mehrere Geräte mit geringer Lautstärke, zum Beispiel weil diese in einem Büro oder einem Wartezimmer betrieben werden sollen, sollte man zunächst das Raumvolumen berechnen und einen Luftwechsel von mindestens drei Mal die Stunde mit dem Gerät anstreben. Bei einem 2,5 Meter hohen Raum von 20 Quadratmetern müsste das Gerät 150 m³/Stunde Luft filtern. Als nächsten Schritt ist zu prüfen, mit welcher Leistungsstufe hierfür das Gerät betrieben werden müsste und mit welcher Lautstärke es bei Betrieb in dieser Stufe läuft. Ist es hierbei zu laut, ist der Betrieb von zwei Geräten mit geringerer Stufe zu empfehlen.

Häufig wird die Geräuschentwicklung bei der Auswahl des Geräts nicht beachtet. Geräte, die den für einen bestimmten Raum erforderlichen Luftdurchsatz nur mit hoher Geräuschentwicklung erbringen, sind aber für Räume nicht geeignet, in denen normale Büroarbeit, Unterricht oder medizinische Versorgung stattfindet. Die Geräuschentwicklung sollte bei der Betriebsstufe, die den erforderlichen Volumenstrom leistet, auf einem niedrigen, nicht störenden Niveau liegen. Bei Büros oder vergleichbar genutzten Räumen ist ein Schalleistungspegel von bis zu 40 dB(A) optimal, akzeptabel wären noch 45 dB(A).

Mehrere kleine Geräte erfassen den Raum besser

Für normal große Räume sind kleinere, preiswertere und leisere Geräte meist besser geeignet. Aber auch in großen Räumen ist das Aufstellen mehrerer kleinerer Geräte sinnvoller als nur eines großen, schweren und meist lauteren Geräts. Reduzieren die Luftreiniger lokal an mehreren Stellen gleichzeitig die Konzentration an Viren und nicht „zentral“ an einer Stelle, sind weniger Keime in der Raumluft „unterwegs“. Die Geräte sollten daher im Raum so aufgestellt werden, dass sie wie eine Luftbarriere zwischen den Personen wirken. Bei einem Büro mit vier Schreibtischen und vier Personen dürfte daher ein im Achskreuz der Tische positioniertes Gerät gut wirken. Sind jedoch sechs oder acht Arbeitsplätze im Raum vorhanden, wären zwei Geräte ratsam.

Herstellerangaben entsprachen überwiegend den gemessenen Werten

Insgesamt testeten die Mitarbeiter des Instituts für Sensor- und Aktortechnik der Hochschule Coburg elf Luftreiniger von sieben Herstellern. Sie untersuchten in einer Prüfkammer die Leistungsaufnahme der Geräte, ihren Volumenstrom, den Wirkungsgrad und den Schallleistungspegel. In der Mehrzahl der Fälle bestätigten sich dabei die Angaben der Hersteller.

Eine Kurzfassung der Untersuchungsergebnisse kann man auf der Website des BSS herunterladen.