Ein Innenraum während der Renovierung mit sichtbaren Holzbalken und Baumaterialien.
Mit Gipsbaustoffen können Umbauten und Aufstockungen in sehr kurzer Zeit realisiert und so bedarfsgerechter Wohnraum wirtschaftlich geschaffen werden. (Quelle: Etex Building Performance GmbH)

Bauwerkserhaltung 2026-04-16T06:28:00Z Mit Gips effizient aus- und umbauen

Der Bundesverband der Gipsindustrie hat in einer Pressemitteilung das erhebliche Potenzial von Gipsbaustoffen im Bestand herausgestrichen. Moderne Gipsbaustoffe ermöglichten effiziente Aus- und Umbaulösungen und sorgten so für die zügige Schaffung zusätzlicher Wohnflächen, ohne dass weiteres Bauland in Anspruch genommen und so zusätzliche Flächen versiegelt werden müssen.

Der Deutsche Bundestag hat mit dem „Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung“ – allgemein als Bau-Turbo bekannt – ein zentrales Signal für schnelleren und einfacheren Wohnungsbau gesetzt. Das im Oktober 2025 in Kraft getretene Gesetz ermöglicht neben anderem, über Ausnahmen von bestehenden Bauvorschriften Nachverdichtungen, Aufstockungen und Umnutzungen schneller zu genehmigen.

Ausbau mit Gipsbaustoffen: Schnell und hochwertig

Vor diesem Hintergrund hat der Bundesverband der Gipsindustrie auf die Vorteile von Gipsbaustoffen beim Bauen im Bestand hingewiesen. „Sie ermöglichen es, durch Umbauten und Aufstockungen in sehr kurzer Zeit zeitgemäßen und bedarfsgerechten Wohnraum wirtschaftlich zu realisieren“, erklärt Dipl.-Ing. Holger Ortleb, Geschäftsführer des Bundesverbands der Gipsindustrie. „Insbesondere im Bestand bieten moderne Trockenbausysteme ein hohes Leistungsvermögen. Zusätzlicher Wohnraumbedarf kann damit zügig und effizient geschaffen werden.“

Ein unfertiger Innenraum mit Baugerüsten und Materialien, der sich in der Renovierungsphase befindet.
Gipsbaustoffe regulieren die Luftfeuchtigkeit und sorgen für ein ausgeglichenes, behagliches Raumklima, indem sie Feuchtigkeit aufnehmen, speichern und bei Bedarf wieder abgeben. (Quelle: Knauf)

Gipsbaustoffe spielen im heutigen Bauen eine zentrale Rolle. „Gipsplatten, Gipsfaserplatten und Gips-Wandbauplatten wurden über die vergangenen Jahrzehnte hinweg kontinuierlich technisch weiterentwickelt und systematisch optimiert“, betont Holger Ortleb. Moderne Trockenbausysteme auf Gipsbasis erlauben so eine zügige, wirtschaftliche und zugleich flexible Realisierung von Wand-, Decken- und Bodenkonstruktionen. Vom Dachgeschossausbau über Nachverdichtung im Bestand in zunehmend beliebter Holzbauweise bis hin zur Modernisierung und Sanierung von Feuchträumen mit imprägnierten Platten beziehungsweise zementgebundenen Systemen sind die Einsatzmöglichkeiten vielfältig. Darüber hinaus sind speziell entwickelte Plattentypen verfügbar, die auch für definierte Anwendungen im Außenbereich geeignet sind.

Die wesentlichen Vorteile von Gipsbaustoffen

  • Schnelle Verarbeitung: Im Trockenbau wird nahezu keine zusätzliche Feuchtigkeit eingebracht. Trocknungszeiten entfallen, nachfolgende Gewerke können praktisch unmittelbar weiterarbeiten
  • Hohe Flächeneffizienz: Schlanke, leichte und zugleich stabile Konstruktionen schaffen zusätzliche vermietbare Fläche, ohne statische Probleme zu verursachen
  • Brandschutz: Gips ist nicht brennbar. Das kristallin gebundene Wasser im Material wirkt im Brandfall feuerhemmend
  • Schallschutz: Leistungsfähige Systemaufbauten bieten hohen akustischen Komfort
  • Raumklima: Gipsbaustoffe regulieren die Luftfeuchtigkeit und sorgen für ein ausgeglichenes, behagliches Raumklima, indem sie Feuchtigkeit aufnehmen, speichern und bei Bedarf wieder abgeben
  • Ökologie: Als mineralischer Baustoff, der nach Einbau wieder aufbereitet und durch Recycling in seinen ursprünglichen Zustand zurückgebildet werden kann, sind Gipsplatten ideal, wenn es um ressourcenschonendes umweltfreundliches Bauen geht.

Veränderte Versorgungslage ab den 2030er Jahren

Ein modernes Wohnzimmer mit Essbereich, großen Fenstern und stilvoller Einrichtung.
Vom Dachgeschossausbau über Nachverdichtung im Bestand bis hin zur Modernisierung und Sanierung von Feuchträumen mit imprägnierten Platten sind die Einsatzmöglichkeiten von Gipsbaustoffen vielfältig. (Quelle: VG Orth MultiGips)

Seit einigen Jahren weist die Gipsindustrie daraufhin, dass mit dem Ende der Kohleverstromung bis 2038 eine gewaltige Lücke bei der Versorgung mit Gipsbaustoffen geschlossen werden muss: Aktuell stammen rund 50 Prozent des Gipses, der in der in der Baustoffindustrie verarbeitet wird, aus Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA), die bei der Reinigung von Rauchgasen in Kohlekraftwerken eingesetzt werden. Und diese Rohstoffquelle entfällt bald ganz.

Wie zukünftig der Gipsbedarf der Industrie gedeckt werden kann, ist derzeit offen. „Nachdem sich das Recycling von Gipsprodukten noch im Aufbau befindet und mengenmäßig begrenzt ist, wird der Gipsabbau mittelbar die wesentliche Gips-Rohstoffquelle darstellen“, schätzt Prof. Dr.-Ing. Jochen Pfau in einer bereits 2024 veröffentlichten Studie der TH Rosenheim und der VHT Darmstadt. Damit sind Konflikte mit den Naturschutzverbänden vorprogrammiert, die eine Ausweitung des Naturgipsabbaus ablehnen und fordern, im Baubereich auf Alternativen auszuweichen.

Alternative Baustoffe: Begrenzte Ressourcen

Aber lassen sich gipsgebundene Bauplatten tatsächlich ohne Weiteres durch alternative Plattenwerkstoffe ersetzen? Die baubiologischen und bauphysikalischen Eigenschaften alternativer Systeme wie Holzwerkstoffplatten oder Lehmbauplatten sind – von einigen produktspezifischen Einschränkungen abgesehen – mit denen aus Gips vergleichbar. Doch Professor Pfau kommt in der Studie mit dem Titel „Studie zur Leistungsfähigkeit gipsgebundener Bauplatten im Ausbau, Potential zur Substitution dieser Platten durch alternative Produkte (Holzwerkstoffplatten, Lehmbauplatten)“ zu dem Schluss, „dass die leichten Trennwandsysteme mit den betrachteten, alternativen Bekleidungsplatten hinsichtlich der verfügbaren Ressourcen- und Produktionskapazitäten keine sinnvolle Alternative zu Trennwandsystemen mit Bekleidung aus Gipsbauplatten sind.“

Eine breite Anwendung von Lehmbausystemen scheitere beispielsweise an den verfügbaren Mengen, so Pfau. Aktuell beträgt die Produktionsmenge gerade einmal ein Promille der Gipsplattenproduktion. Die Produktionskapazitäten für Lehmbauplatten so massiv auszubauen, dass der REA-Gips ersetzt werden kann, sei unrealistisch. Gleichwohl hätten Lehmbauplatten ihre Berechtigung und werden zukünftig in gewissen Marktsegmenten eine steigende Rolle spielen. „Sie sind jedoch“, so Pfau, „weder bautechnisch noch ökologisch als Alternative zu Trockenbausystemen mit Gipsplatten anzusehen.“

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die Studie in Bezug auf Holzwerkstoffplatten: Der erforderliche Mehrbedarf an Holzwerkstoffplatten aus nachhaltiger, lokaler Waldbewirtschaftung sei in absehbarer Zeit weder seitens der Produktionskapazitäten noch der Rohstoffverfügbarkeit zu decken, so die Studie. „Wenn ich nur ein Fünftel der jährlichen Gipsplattenmenge ersetzen will, dann benötige ich bei nachhaltiger Waldbewirtschaftung dafür circa 1000 Quadratkilometer Wald. Quasi die Hälfte der Fläche des Saarlandes“, betont Pfau. „Solange die verfügbaren Holzressourcen begrenzt sind, sollten Holzwerkstoffplatten möglichst sparsam eingesetzt werden, nach Möglichkeit in Anwendungsbereichen, wo ihre speziellen Eigenschaften nachgefragt sind, zum Beispiel für mittragende und aussteifende Aufgaben im Holzrahmenbau“, fordert er. Die komplette wissenschaftliche Studie kann unter diesem Link heruntergeladen werden.

zuletzt editiert am 16. April 2026