Gründerzeitcharakter bleibt
Das sanierte Bahnhofsgebäude in Geilenkirchen bietet allen Reisenden einen Empfang in der Gründerzeit. (Alle Abb.: BASF Wall Systems GmbH & Co. KG)

Fassadensanierung 2012-10-31T00:00:00Z Mit dem Zug in die Vergangenheit

Mit der Übernahme des Bahnhofsgebäudes sah sich die Stadt dringend notwendigen Sanierungsarbeiten gegenüber. Konzeptionell hieß das: Durch angemessene Nutzung sollte der Gesamtstandort "Bahnhof" aufgewertet und in seiner ursprünglichen Funktion erhalten bleiben.

Das musste jedoch vor dem Hintergrund der Wiederherstellung des gründerzeitlichen Gebäudecharakters bei gleichzeitiger Anpassung an moderne Standards ohne verfremdende Elemente geschehen. Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit und Gesamtkosten in Höhe von 1,25 Millionen Euro stehen heute im Bahnhofsgebäude von Geilenkirchen 800 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung.

Sachlich und zweckmäßig ab den 1950er-Jahren

Das langgestreckte historische Bahnhofsgebäude in Geilenkirchen ist das Ergebnis mehrerer Bauabschnitte und nacheinander vorgenommener Anbauten, begonnen mit dem höchsten zweigeschossigen Gebäudeteil. "Mit den 1950er-Jahren begann Sachlichkeit vorzuherrschen, zierende Putzelemente an der einst klassizistischen Fassade wurden vielfach heruntergeschlagen oder sehr stark zurück gebaut. Eckige Kunststofffenster hatten die historischen Rundbogenfenster ersetzt. Die Decke in der Empfangshalle wurde abgehängt, die Säulen in eine rechteckige Form gebracht und gefliest alle Veränderungen dienten der Zweckmäßigkeit, entsprachen aber auch dem Zeitgeist", erklärt Architekt Dipl.-Ing. Axel Praglowski von PRAGLOWSKI ARCHITEKTEN in Kooperation mit pbs architekten Gerlach, Krings Böhning Planungsgesellschaft mbH, Aachen.

Authentizität bewahren

Um dem Bahnhofsgebäude seine Erscheinung aus vergangener Zeit wiedergeben zu können, rekonstruierte das Architektenteam Fassade und Innenräume anhand alter Fotos und unter Betrachtung anderer an der Strecke befindlicher Bahnhofsgebäude, die Ende des 19. Jahrhunderts nahezu baugleich entstanden. Das war jedoch keine rein konstruktive Aufgabe, galt es doch im gleichen Atemzug eine energetische Sanierung der Gebäudehülle vorzunehmen. Die BASF Wall Systems sagte zu, mittels eines Wärmedämm-Verbundsystems den gründerzeitlichen Charakter der Fassade am Bahnhof Geilenkirchen wieder herzustellen unter gleichzeitiger Erfüllung der geforderten Auflagen. Dabei war klar, dass sich die Ausführung einer solchen Fassade erheblich von einer standardmäßigen WDVS-Fassade unterscheiden würde. Der Schritt von der Theorie zur Praxis gestaltete sich anspruchsvoll.

Operation "am offenen Herzen"

Gründerzeitcharakter bleibt
In der Empfangshalle wurde die historische Holzbalkendecke wieder freigelegt.

Alle Umbau- und Instandsetzungsarbeiten am Bahnhofsgebäude in Geilenkirchen erfolgten. Massive Baumängel, statische Probleme und Feuchtigkeitsschäden führten zu Bauzeitverzögerungen. Unumgänglich waren eine Kompletterneuerung des Dachstuhls nach historischem Vorbild mit deutlich breiterem Dachüberstand, der Dacheindeckung und -entwässerung sowie die Installation moderner Haustechnik. Auch entstanden barrierefreie Zugänge. Die Empfangshalle erhielt ihre ursprüngliche Holzbalkendecke zurück.

Schalldämmplatte bringt gründerzeitliche Fassade zurück

Anspruchsvoll gestaltete sich die Nachempfindung der gründerzeitlichen Fassade. Dazu zählten die Wiederherstellung der Rundbogenfenster sowie zahlreiche Profilierungen, ausgebildet als horizontale Gesimse und Nuten, Fenstergewände und Bekrönungen. Lange Diskussionen gingen der Entscheidung voraus, sich für den Einsatz eines WDV-Systems zur Wiederherstellung der historischen Fassade zu entscheiden. Fast für die gesamten Baumaßnahmen kamen Schalldämmplatten zum Einsatz, damit die durch den Zugverkehr erzeugten Schallschwingungen hervorragend kompensiert werden.

Rekonstruktion der Rundbogenfenster

Gründerzeitcharakter bleibt
Detailaufnahmen: Die gründerzeitlichen Elemente, Rundbögen, Fensterspiegel, Gesimse und Nuten wurden wieder hergestellt.

Viel Aufmerksamkeit kam der Rekonstruktion der Rundbogenfenster zu. Vorsichtig wurde der Putz um die eckigen Fenster abgeschlagen. Fragment für Fragment kam zum Vorschein. Die Bögen waren noch vorhanden, jedoch zugemauert oder verputzt und mit alten Bahnschienen als Trägermaterial versehen. Auch die ursprünglichen Proportionen der Fenster konnten wieder herausgearbeitet werden. Dazu war es notwendig, die Leibungstiefe zu ändern. Auch die Spiegelflächen unter den Fenstern wurden von Hand aus den Dämmplatten geschnitten und auf der Fassade verklebt.

Millimetergenau aufgemessen und nach zuvor angefertigten Formen entstanden die historischen Bogenprofile für die Rundbogenfenster und die Fensterbekrönungen an den eckigen Fenstern. Die neu eingesetzten Fenster mit traditioneller Teilung und Sprossierung tragen heute ganz erheblich zur Ausstrahlung des Bahnhofsgebäudes bei.

Bossenstruktur in Originalproportionen eingebaut

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Die Bossenstruktur an der Fassade des Bahnhofsgebäudes in Geilenkirchen konnte detailgetreu rekonstruiert werden.

Zur Rekonstruktion der Fassade gehörte die Wiederherstellung der Bossenstruktur am zweigeschossigen Gebäudeteil. Eine kleine erhalten gebliebene Fläche ermöglichte es, die ursprüngliche Bossenstruktur genau zu vermessen und nachzuempfinden. Die Schalldämmplatten wurden daraufhin auf der Fassade verklebt und die Bossenstruktur in Originalproportionen "eingebaut". Dazu wurden mit einem Heißschneidegerät die Nuten hineingeschnitten und zur Stabilisierung ein speziell vorgeprägtes Bossengewebe eingebettet. Der untere Bereich bis auf zwei Meter Höhe erhielt zusätzlich ein Panzergewebe, um den höheren mechanischen Belastungen, denen ein Bahnhofsgebäude ausgesetzt ist, besser standhalten zu können. Als weiteres klassizistisches Element ziert die Fassade ein Gurtgesims, das aus technischen Gründen ebenfalls aus Leichtmörtel vorgefertigt wurde, während das Traufgesims in Handarbeit durch Aufdoppelung mit einer zwei Zentimeter Platte entstand.

Für die farblichen Nuancen und als zusätzliche Schutzfunktion entschied man sich nach der Erstellung eines Farbkonzeptes und der Auswertung verschiedener Musterflächen im letzten Arbeitsgang für einen Anstrich in Weiß und Grautönen mit Siliconharzfarbe.

Eingesetzte Sanierungsmittel:

www.wall-systems.com

zuletzt editiert am 09. April 2021
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