2013_07_16_Bauwerksdiagnostik_Holzschutz
Die „Bausünden“ am ehemaligen Schwesternheim aus der jüngeren Vergangenheit sind deutlich zu erkennen. (Abb.: Uli Thümmler)

Betrieb 2013-07-18T00:00:00Z Methoden und Messverfahren der Bestandserfassung

Die Bearbeitung eines bestehenden oder gar historischen Gebäudes stellt sehr viel höhere Anforderungen an die planerische Vorbereitung der Bauarbeiten als ein Neubau. Was dabei zu beachten ist, erläutert der folgende, zweiteilige Artikel am Beispiel des denkmalgeschützten ehemaligen Schwesternheims in Eiterfeld, von der Bestands- und Zustandserfassung über die Interpretation der Ergebnisse und die Ausführungsplanung bis hin zur Durchführung der Baumaßnahmen.

Es gibt kaum Menschen, die dem Charme eines mittelalterlichen Stadtkerns oder einer historisch gewachsenen dörflichen Struktur nicht erliegen. Dennoch ist die Erhaltung und Instandsetzung eines historischen Gebäudes häufig mit Befürchtungen verbunden, die dabei entstehenden Kosten seien unbezahlbar, unkalkulierbar und „ein Fass ohne Boden“. Richtig ist, dass die Bearbeitung eines bestehenden oder gar historischen Gebäudes sehr viel höhere Anforderungen an die planerische Vorbereitung der Bauarbeiten stellt als ein Neubau. Sie erfordert ein hohes Maß an Systematik, Stringenz und Genauigkeit, da sehr viel exaktere Vorgaben für die ausführenden Firmen benötigt werden. Dazu kommt die Notwendigkeit, sich mit historischen Bauweisen und Vorschriften zu beschäftigen und Normen und Richtlinien differenziert zu interpretieren. Rechenwege sind zumeist deutlich aufwendiger als beim Neubau. Nicht von ungefähr sieht die HOAI einen „Umbauzuschlag“ für das Bauen im Bestand vor. Wird ein solches systematisches Vorgehen aber eingehalten, ist die Erhaltung und Instandsetzung eines Altbaus durchaus kalkulier- und in der Regel auch bezahlbar.

Im Folgenden wird anhand eines Praxisbeispiels die Vorgehensweise erläutert, beginnend vom ersten Ortstermin bis zur Fertigstellung der Bauarbeiten. Diese lässt sich nicht ohne individuelle Prüfung auf andere Objekte übertragen, sondern ist für jedes Objekt individuell anzupassen, denn oft liegen andere Schwerpunkte vor. Typisch am vorgestellten Beispiel ist, dass sich solche Vorhaben oftmals über Jahre hinziehen. Die ersten Ortstermine fanden hier im Sommer 2008 statt, die Instandsetzungsarbeiten wurden im Herbst 2012 abgeschlossen.

Ehemaliges Schwesternheim in neues Pfarrzentrum integrieren

Das denkmalgeschützte ehemalige Schwesternheim im hessischen Eiterfeld war und ist im Besitz der örtlichen katholischen Kirchengemeinde, die den Bereich um die Kirche aufwerten und zu einem Pfarrzentrum mit Tagungs-, Besprechungs- und Veranstaltungsräumen sowie der Gemeindebibliothek ausbauen wollte. Die Integration des Altbaus (Schwesternheim) in die Gesamtanlage war von Anfang an beabsichtigt. Das Bistum Fulda, das als kirchliche Baubehörde sehr intensiv mit der Erhaltung von historischen Bauwerken befasst ist, forderte eine systematische Erfassung des Gebäudebestands und des baulichen Zustands. Ein wichtiges Ziel der Bestands- und Zustandserfassung bestand auch darin, Möglichkeiten zur Integration des Anbaus in das Gesamtkonzept zu überprüfen.

zuletzt editiert am 09. April 2021