One-Stop-Shops beraten bei der Finan­zierung und Planung, bereiten die Umsetzung der Sanierungs­maßnahmen vor und begleiten sie.
One-Stop-Shops beraten bei der Finan­zierung und Planung, bereiten die Umsetzung der Sanierungs­maßnahmen vor und begleiten sie. (Quelle: pixelio.de / Tim Reckermann)

Gebäude + Energie 2024-03-28T09:32:12.233Z Mehr Orientierung dank One-Stop-Shops

Die überarbeitete Gebäuderichtlinie der EU fordert die Mitgliedstaaten unter anderem auf, zentrale Anlaufstellen für energetische Gebäudesanierungen zu schaffen. Die Forschenden des Wuppertal Instituts haben sich gemeinsam mit 12 Partnerorganisationen im Rahmen des Projekts ProRetro mit der Frage beschäftigt, wie Sanierungen mithilfe von sogenannten „One-Stop-Shops“ einfacher und zeitsparender durchgeführt werden können.

Der im Dezember 2023 gefundene Kompromiss zur Neufassung der EU-Gebäuderichtlinie (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD) enthält hinsichtlich der Energieeffizienz verschiedene Maßnahmen, um die europaweit notwendige Renovierungswelle voranzubringen. Eine dieser Maßnahmen sind sogenannte „One-Stop-Shops“. Sie dienen als zentrale Anlaufstellen für energetische Gebäudesanierung und übernehmen eine Vielzahl an Aufgaben, die sich bei einer energetischen Sanierung ergeben. So werden Immobilien-Eigentümerinnen und -Eigentümer durch den gesamten Sanierungsprozess begleitet, wodurch sich der oftmals komplexe Prozess mit seinen vielen Einzelschritten und Wechselwirkungen zwischen diesen vereinfachen lässt. Beispielsweise werden sie bei Energieberatung, Finanzierung und Fördermitteln, Beauftragung verschiedener Gewerke und bei der Koordination der Arbeitsschritte unterstützt. Aber auch Handwerksbetriebe oder Planende können von One-Stop-Shops profitieren: Sie sparen Zeit für Beratung und Akquise, wenn ihre Kundschaft gut informiert ist und sich bereits für bestimmte Maßnahmen oder Technologien entschieden hat. 

One-Stop-Shop-Konzept: Herausforderungen und Praxistest in Deutschland 

 „In anderen europäischen Ländern gibt es bereits ambitionierte One-Stop-Shop-Angebote, die erfolgreich am Markt agieren“, erklärt Felix Suerkemper, Senior Researcher im Forschungsbereich Energiepolitik am Wuppertal Institut. Er hat innerhalb des Projekts unter anderem die Koordination und wissenschaftliche Begleitung übernommen. Bei einer Übertragung dieser Geschäftsmodelle auf deutsche Gegebenheiten gebe es jedoch einige Herausforderungen, so der Wissenschaftler. „Auf der Angebotsseite ist der Markt mit zahlreichen Handwerksunternehmen unterschiedlicher Gewerke, Architektinnen und Energieberatenden sehr kleinteilig. Für viele dieser Akteurinnen ist ihre Unabhängigkeit zudem ein hohes Gut. Dank ProRetro konnten wir in den vergangenen Jahren erproben, wie und welche One-Stop-Shop-Angebote auch unter derartigen Rahmenbedingungen möglich sind.“ 

Die Forschenden des Wuppertal Instituts unterstützten die Arbeit der Umsetzungspartner beispielsweise durch eine Online-Befragung potenzieller Kundinnen und Kunden und kümmerten sich um die Durchführung von Fokusgruppen mit interessierten Gebäudeeigentümerinnen. Mit dieser Hilfe konnten alle deutschen Durchführungsorganisationen eigene Angebote in den fünf Regionen entwickeln und erproben. Ziel von ProRetro war es, dass sie auf Basis ihrer bisherigen Erfahrungen und bestehenden Netzwerke neue Angebote schaffen. 

In den folgenden fünf Städten und Regionen Deutschlands wurden One-Stop-Shops umgesetzt und erprobt: 

  • In Berlin konzentrierte sich das Angebot des One-Stop-Shops insbesondere auf Wohnungseigentümergemeinschaften. Zu den angebotenen Dienstleistungen zählte daher die Teilnahme an Eigentümerversammlungen, um die Entscheidungsfindung hinsichtlich energetischer Sanierungsmaßnahmen und deren Umsetzung zu unterstützen.
  • Auch das One-Stop-Shop-Angebot der Energieagentur Kreis Böblingen wandte sich an Wohnungseigentümergemeinschaften im Landkreis. Sie wurden beim Sanierungsprozess begleitet und unterstützt; zudem wurde eine Datenbank von Handwerksunternehmen im Landkreis aufgebaut, in der sich schneller geeignete Unternehmen für die Umsetzung der gewünschten Maßnahmen finden lassen.
  • In Bottrop wurde eine erweiterte Beratung angeboten, die zu verschiedenen Zeitpunkten im Sanierungsprozess in Anspruch genommen werden kann.
  • In der Region Hannover entstand der One-Stop-Shop in Kooperation mit dem Netzwerk Modernisierungspartner, in dem sich zahlreiche Anbietende aus dem Feld der energetischen Gebäudesanierung zusammengeschlossen haben und dadurch umfassende energetische Sanierungen umsetzen können.
  • Die Raumfabrik aus Wuppertal vereint Handwerksunternehmen verschiedener Gewerke. Dank ProRetro können nun energetische Aspekte in allen ihren Sanierungsvorhaben stärker berücksichtigt werden – auch die Energieberatung ist inzwischen Bestandteil vieler Ersttermine.

Wuppertal Institut empfiehlt Einrichtung von One-Stop-Shops 

Die Projekterfahrungen wurden im Rahmen eines Workshops in verschiedenen Arbeitsgruppen diskutiert. Die erarbeiteten Ergebnisse haben die Forschenden des Wuppertal Instituts in einer ausführlichen Dokumentation zusammengefasst, die auf der Website des Projekts ProRetro zu finden ist. Sie bilden auch die Grundlage für Politikempfehlungen, die zum Abschluss des Projekts veröffentlicht wurden. 

„Das Projekt hat bestätigt: One-Stop-Shops sind entscheidend dafür, die vielfältigen praktischen Hemmnisse zu überwinden, denen Gebäude-Eigentümerinnen und andere Akteursgruppen bei der energetischen Renovierung gegenüberstehen. Daher empfehlen wir der Bundesregierung dringend, die Einrichtung derartiger One-Stop-Shops in Deutschland zu fördern”, sagt Dr. Stefan Thomas, Leiter der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut. 

Zu den Empfehlungen an die Politik aus ProRetro zählt unter anderem die Entwicklung eines bundesweit einheitlichen digitalen Tools zu unterstützen, das die Arbeit von One-Stop-Shops erleichtert. Ein solches digitale Tool könnte beispielsweise die Sammlung von Daten zum Gebäudebestand unterstützen, als Online-Marktplatz für Sanierungsvorhaben dienen oder erfolgreich umgesetzte Sanierungen in einer Art Best-Practice-Bibliothek präsentieren. Darüber hinaus rät ProRetro, One-Stop-Shops als Instrument zu nutzen, um Förderangebote effektiver zu machen. So könnten die Shops die Antragstellung übernehmen, zugleich aber über ihre Aktivitäten auch die Bekanntheit und Nutzung bestehender Förderangebote verbessern. Weitere Informationen >>>

www.pixelio.de

zuletzt editiert am 28. März 2024
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