ZBB7-2015, Bautrocknung, Bild 1-2, Resch
Nach einem Rohrbruch im 5. Obergeschoss musste die Estrichdämmschicht getrocknet werden. Um den Oberbelag zu erhalten, wählte man den Aufbau vom 4. Obergeschoss durch die Holzbalkenkonstruktion. Auch die Fußbodenkonstruktion musste hier technisch getrocknet werden. (Abb. Michael Resch)

Bauwerksabdichtung 2016-08-01T00:00:00Z Mehr als nur Trockner aufstellen

Die Bautrocknung nach einem Wasserschaden sollte geplant werden. Dazu gehört vorab das Ermitteln der Schadensursache sowie der notwendigen Informationen über die betroffenen Konstruktionen und Baustoffe. Darauf aufbauend werden notwendige Vorarbeiten, das Trocknungsverfahren, die Leistungsaufnahme der Trocknungsgeräte und eventuell flankierende Maßnahmen wie der Einsatz von Filtern, Ventilatoren oder Heizgeräten festgelegt. Der Trocknungsverlauf ist durch Messungen zu überprüfen und zu dokumentieren. Entscheidend für eine planvolle Bautrocknung ist, dass die einzelnen Schritte aufeinander abgestimmt sind.

Ein Großschadenereignis, ein Elementarschaden oder einfach ein Rohrbruch können zu unterschiedlich starken Durchfeuchtungen an und in Bauteilen führen, in Einzelfällen auch ein ganzes Gebäude unbewohnbar machen. Auf natürlichem Wege kann die eingedrungene Feuchtigkeit in der Regel nicht mehr in einem angemessenen Zeitraum aus den betroffenen Bauteilen entweichen, so dass eine technische Trocknung erforderlich wird. Doch bevor die Geräte ausgewählt und aufgestellt werden, steht vor dem Start der technischen Trocknung die Schadensaufnahme. Denn ohne die Hintergründe der durchfeuchteten Bauteile und Konstruktionen zu kennen, ist eine gezielte und effektive Trocknung nicht erfolgreich durchzuführen. Die Schadensaufnahme sollte gewissenhaft, routiniert und zügig erfolgen. Unerlässlich ist dabei, so viele Informationen über das Gebäude und dessen Bausubstanz einzuholen wie nur irgendwie möglich. In der Praxis hat es sich bewährt, eine Checkliste anzufertigen, die beim Ortstermin durchgegangen werden kann. Sehr hilfreich ist auch, eine Skizze von den betroffenen Räumen anzufertigen und Fotos zu machen. Detailtreue in diesen Punkten wird sich später bei der Angebotserstellung auszahlen. Selbstredend sind Messgeräte bei der Eingrenzung des Schadens und dessen Ausbreitung nützliche Hilfsmittel. Voraussetzung ist allerdings, dass deren Handhabung, Einsatzgrenzen und die Interpretation der Messergebnisse dem Sanierungsunternehmen geläufig sind. Sollte die Ursache des Schadens noch nicht bekannt sein, sollte man einen Leckorter oder Bauwerksdiagnostiker hinzuziehen. Denn eine technische Trocknung ist nur sinnvoll, wenn die Ursache des Wasserschadens behoben ist.

Trocknungsgeräte anhand des Raumvolumens dimensionieren

Unter Zuhilfenahme der Skizzen oder Pläne kann im nächsten Schritt die Art der technischen Trocknung festgelegt werden. Bei durchfeuchteten Bauteilen wie Wänden, Decken oder Verbundestrichen ist oftmals eine Oberflächentrocknung ausreichend. In der Praxis hat sich bewährt, die Leistungsfähigkeit der Trocknungsgeräte in Bezug zum Raumvolumen festzulegen. Die Entfeuchtungsgeräte werden anhand ihrer Leistungsaufnahme in die Klassen klein, mittel, groß unterteilt.

Überdimensionierung der Geräte kann zu Kapillarabriss führen

ZBB7-2015, Bautrocknung, Abb. 3
Bei der Trocknung von Dämmschichten unter Estrichen wird seit nunmehr zehn Jahren fast nur noch im Unterdruck- oder Saugverfahren getrocknet. Hier wurden die Bohrungen mit einem Durchmesser von 50 Millimetern durch den Fliesenbelag gesetzt und die Saugschläuche miteinander verbunden. Um keine eventuell vorhandenen Keime freizusetzen, wird die feuchte Luft durch einen Filter geführt. (Abb.: Michael Resch)

Senkt man in einem Raum die relative Luftfeuchtigkeit, geben die durchfeuchteten Bauteile ihre Feuchtigkeit ab, da ein Ausgleichsprozess einsetzt. Die nassen Bauteile trocknen daher aus. Sinnvoll ist es, an massiven Bauteilen einen Ventilator aufzustellen, der die feuchte Luftschicht auf der Bauteiloberfläche abführt. Damit kann die technische Trocknung positiv beeinflusst werden. Eine Überdimensionierung der Entfeuchtungsgeräte kann sich negativ auswirken. Durch den zu schnellen Entzug der Feuchtigkeit aus den Poren und Kapillaren in den Baustoffen kann es zu einem Kapillarabriss kommen. Die Trocknung wird dadurch unterbrochen. Dann heißt es, die Trocknungsgeräte auszuschalten, damit sich die Kapillaren wieder mit Wasser füllen können. Unter Umständen muss das Bauteil sogar wieder befeuchtet werden, um den Kapillartransport erneut in Gang zu setzen.

Estrichdämmschicht im Unterdruck-Verfahren trocknen

Ist Wasser in Hohlräume oder die Fußbodenkonstruktion gelangt, reicht das alleinige Aufstellen von Entfeuchtern und Ventilatoren nicht aus. Jetzt ist es erforderlich, mit Seitenkanalverdichtern oder Turbinen das Wasser aus der Konstruktion zu saugen. Zu Beginn der technischen Trocknung hat man im sogenannten Überdruck-Verfahren das Wasser aus der Fußbodenkonstruktion ausgeblasen. Das ist nicht mehr Stand der Technik. Seit nunmehr zehn Jahren wird nur noch im Unterdruck- oder Saugverfahren getrocknet. Das Wasser in der nassen Konstruktion wird dabei abgesaugt. Der Vorteil liegt unter anderem darin, dass keine Schadstoffe in die Raumluft gelangen. Voraussetzung hierfür ist, dass Feinfilter und gegebenenfalls Hepa-Filter eingesetzt werden. Eine moderne Anlage zur Trocknung der Estrich-Dämmschicht besteht heutzutage aus einem Wasservorabscheider, einem Verdichter (Seitenkanalverdichter oder Turbine), Feinfilter, gegebenenfalls Hepa-Filter und einer Schallbox. Alle genannten Geräte sind durch Schläuche miteinander verbunden. Je nachdem, um welche zu trocknenden Konstruktionen es sich handelt und welcher Oberbelag verlegt wurde, stehen dem Sanierer unterschiedliche Verfahren zur Verfügung, um das Wasser aus der Konstruktion zu saugen. Im WTA-Merkblatt 6.15 „Technische Trocknung durchfeuchteter Bauteile, Teil 1: Grundlagen“ werden die verschiedenen Verfahren zur Trocknung von durchfeuchteten Bauteilen beschrieben [1]. Bei der Wahl sollte auch geprüft werden, ob und mit welchen Verfahren sich der Belag erhalten lässt. Denn im Vordergrund einer Wasserschadenbeseitigung sollte immer das möglichst zerstörungsfreie Arbeiten stehen. Denn Oberflächen sollten nur, so weit es notwendig ist, beschädigt oder zerstört werden. Demgegenüber ist aber zu berücksichtigen, dass eine technische Trocknung nur erfolgreich ablaufen kann, wenn dampfdiffusionsoffene Oberflächen geschaffen werden. Das bedeutet im Einzelfall, Oberbeläge, Tapeten und Putz zu entfernen. Dieses Ansinnen trifft bei Eigentümern und Versicherungen nicht immer auf offene Ohren. Aber durch eine „versiegelte“ Oberfläche kann Feuchtigkeit nicht austreten, so dass der Trocknungserfolg dann nicht gegeben ist. 

Literatur
[1] WTA Merkblatt 6-15 Technische Trocknung durchfeuchteter Bauteile Teil 1: Grundlagen, Ausgabe 08.2013/D

Autor: Michael Resch

Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 07-2015

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zuletzt editiert am 09. April 2021