So dick die Dämmung auch sein mag: Der Erfolg einer Energetischen Sanierung hängt maßgeblich davon ab, ob die Gebäudehülle am Ende auch luftdicht ist. Hierfür reicht es nicht aus, nur die Flächen möglichst effektiv abzudichten. Auf die Details kommt es an.
Bei neuen Wohngebäuden stellt das Herstellen einer luftdichten Gebäudehülle selten ein Problem dar. Bewährte Konstruktionen und Standarddetails helfen bei der Planung und Ausführung. Mängel entstehen in der Regel lediglich durch Nachlässigkeiten. Nachholbedarf für sichere Standardlösungen gibt es nur bei größeren Nichtwohngebäuden mit komplexeren Bauweisen. In der Modernisierung des Bestands sieht die Situation anders aus: Zwar haben Pioniere aus Forschung und Handwerk schon früh mit luftdichtenden Maßnahmen im Bestand experimentiert, Standarddetails waren aber schwieriger zu formulieren. Weil jedes Haus anders ist, galt es für vielerlei Ausgangslagen Lösungen zu entwickeln. Ein weiterer Schritt in diese Richtung wird ein dreiteiliges WTA-Merkblatt zum Thema „Luftdichtheit im Bestand“ sein, das in Kürze erscheint. Es soll mehr Sicherheit in der Planung geben, damit Luftdichtheit bei der Ausführung im Bestand nicht zur Glückssache wird. Zwei Kernaussagen stehen im Mittelpunkt:
- Luftdichtheit im Bestand braucht eine Planung („Luftdichtheitskonzept“).
- Es gibt unterschiedlich komplexe Lösungen, wobei einige sicherer und andere riskanter sind.
Im Folgenden soll auf einige bei der Altbaumodernisierung typische Details eingegangen werden.

Wenn das Dach von außen gedichtet werden muss
Soll ein Dach total saniert werden und ist von innen und von außen zugänglich, wird man es entkernen und eine klassisch aufgebaute Zwischensparren-Volldämmung realisieren. Das ist unkompliziert, kostengünstig, sicher und bewährt. In der Praxis besteht aber häufig die Anforderung, das Dach nur von außen zu sanieren, etwa weil das Dachgeschoss weiter bewohnt ist. Bei der Abdichtung des Daches lautet die übliche Forderung, dass die Folienebene, die dampfbremsend und luftdichtend wirkt, auf der Warmseite des Daches zu liegen hat. Dieser Forderung kann aber bei einer Sanierung von außen nicht entsprochen werden. Alternativ haben sich zwei Methoden etabliert:
- Die „Sub-Top-Verlegung“: Die Folie (eine spezielle Membran mit flexiblem SDWert) wird unten in den Gefachen über die Paneelverkleidung gelegt, dann aber über die Sparren geführt. Soweit wir bisher wissen, funktioniert diese Methode, sofern eine feuchtevariable Bahn einge- setzt wird. Allerdings geht der Einbau in der Praxis nicht immer so glatt vonstatten, wie er in Prospekten teilweise dargestellt wird, denn es gibt kleinteilige Gefache, Wechsel, enge Spalten an Randsparren, Nägel und Schrauben von der raumseitigen Paneelverkleidung, die das durchgängige Verlegen der Bahn erschweren können. Bei sorgfältiger Ausführung ist der handwerkliche Aufwand mitunter hoch.
- Bei der zweiten Methode wird die luftdichtende beziehungsweise dampfsperrende Folienebene glatt über die bisherigen Sparren hinweg verlegt. In der Regel dämmt man dann zunächst die Gefache darunter, um den verbleibenden Raum nicht zu verschenken. Damit liegt die Bahn nun auf der Kaltseite! Von oben muss also erneut gedämmt werden. Je dicker diese Dämmung ausfällt, desto mehr rückt die Bahn wieder in den warmen Bereich. Einige Hersteller geben ihre Produkte für die Anwendung in der Mitte der Gesamt- Dämmschicht frei. Diese Freigabe gilt jedoch nur für bestimmte Kombinationen aus Membranen und Dämmstoffart. Soweit wir bis heute wissen, funktioniert auch das. Die Verlegung ist deutlich einfacher – und damit sicherer – als bei der vertieft liegenden Einbauposition. Die Verklebung muss dabei auf einer gut vorbereiteten Wandkrone erfolgen. Ist sie staubfrei und glatt gespachtelt, lässt sich die Bahn auf ihr faltenfrei und problemlos aufkleben. Bei beiden Lösungen müssen die Fugen zwischen Sparren und Außenwand separat gedichtet werden. Man kann entweder elastisch verfugen (was streng genommen wartungsbedürftig ist) oder die Fugen mit Manschetten einfassen und überdämmen. Ist im Anschluss eine Fassadendämmung geplant, sollte man die Sparrenköpfe außen bündig abschneiden und den Dachüberstand mit sogenannten Aufschieblingen herstellen. Spitzböden sind ein spezielles Thema. Werden sie von außen saniert, ist es in der Regel sinnvoll, sie dem Warmraum zuzuschlagen. Die Luftdichtungsbahn wie auch die Dämmschicht werden bis zum First nach oben geführt. Damit umgeht man das umständliche Eindichten der Kehlbalken oder gar -zangen.
Bei Holzbalkendecken den Randbereich einplanen
Stahlbetondecken sind als Raumabschluss luftdicht, wenn sie massiv ausgeführt wurden. Trägerdecken mit eingehängten Elementen aus Bimsbeton, Hohlkammerbeton oder Ziegel, können dagegen nicht als luft- dicht gelten. Im Zweifel gilt es, die Bauart der Decke zu überprüfen. Holzbalkendecken sind nie luftdicht. Wo die Decke die Außenwand berührt, ist das Mauerwerk oft unverputzt. Häufig nimmt der Streifen, auf dem der Innenputz fehlt, 20 Zentimeter Höhe entlang des gesamten Gebäudeumfangs ein. Diese Fläche ergibt schnell 8 bis 16 Quadratmeter luftführendes Mauerwerk. Selbst wenn es gelingt, mit einem Überbeton oder Estrich die Deckenfläche zu dichten, bleibt der Randbereich immer problematisch.
Autor: Martin Giebeler
Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 1-2015.

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