Wie jedes Jahr hatte der BUFAS ein vielfältiges Vortragsprogramm zusammengestellt. (Quelle: B+B Bauen im Bestand)

Bauwerkserhaltung

20. October 2022 | Teilen auf:

Mängel – Schäden - Prävention

Mehr als 400 Teilnehmer und über 60 Aussteller: Die Hanseatischen Sanierungstage haben bei vielen in der Altbausanierung tätigen Planer, Sachverständigen und Ausführenden einen festen Platz im Terminkalender. Der ausrichtende Bundesverband Feuchte & Altbausanierung e. V. (BUFAS) hatte die 32. Sanierungstage in der Musik- und Kongresshalle (MuK) in Lübeck in diesem Jahr unter das Thema „Mängel – Schäden – Prävention“ gestellt.

Das in neun Themengruppen, sogenannte Sektionen, gegliederte Vortragsprogramm war breit gefächert und reichte von Bauwerksabdichtungen über Holzbau/Holzschutz und Hochwasserschutz bis hin zu Sanierungen im Denkmalschutz und Asbest sowie der Instandsetzung von Verblendmauerwerk.

Den Anfang machte der Workshop für Studenten und Azubis mit dem Titel „Meister oder Master? Bildungswege für das Bauen im Bestand “. In Sektion 1 „Forschung und Praxis“ standen unter anderem die Schaden-News aus dem VHV-Bauschadenbericht, ein Vortrag zu Wohnungsneubau – Effizienz, Grenznutzen und die Folgen sowie Wohnen im Industriedenkmal im Fokus. „Hochwasserschutz“ lautete der Titel der Sektion 2, mit Sanierungsmöglichkeiten von Schäden nach Hochwasserereignissen oder Hochwasserangepasstes Bauen im Bestand.

Start am darauffolgenden Tag bildete die Sektion 3 „Bauen mit Holz“ mit einem Referat zu Bauweisen von Holzkragbrücken und dem Vortrag „Historische Holzkonstruktionen – Digitalisierte Planung vom Aufmaß bis zur Ausführung“. „Bauen im Bestand“ folgte in Sektion 4 und 5, vorgestellt wurde beispielsweise die Sanierung der denkmalgeschützten Zeppelintribüne in Nürnberg. Großes Interesse herrschte allgemein am Thema der Sektion 6 mit dem Nachwuchs-Innovationspreis Bauwerkserhaltung. Nach dem Referat des Preisträgers folgte die Sektion 7 mit Regelwerken und Recht.

Der letzte Tag mit den Sektionen 8 und 9 widmete sich komplett dem Thema Verblendmauerwerk mit den Beiträgen „Zustandsbeurteilung und Instandsetzung von Verblendmauerwerk“, Feuchtehaushalt von Verblendmauerwerk, Ausblühungen und Auslagerungen“ sowie „Abdichtungen bei zweischaligen Außenwänden – Typische Probleme und deren Lösungen“. Aufsätze der Referenten zu allen Themen bietet der Tagungsband des BUFAS. An dieser Stelle besprechen wir deshalb nur wenige ausgewählte Vorträge.

Hochwasserschutz wird immer wichtiger

In der Sektion „Hochwasserschutz“ stellte Dr.-Ing. Sebastian Golz in seinem Beitrag einen Ansatz zur Überprüfung der Resilienz von Gebäuden und ihren Baukonstruktionen gegenüber Hochwassereinwirkungen vor. Dieser Ansatz basiert auf einer „Funktionalität-Zeit-Beziehung“. Demnach charakterisiert die Resilienz eines Gebäudes die Fähigkeit seine Funktionalität auch gegenüber außergewöhnlichen Belastungen im Zeitverlauf aufrechtzuerhalten beziehungsweise kurzfristig wieder herzustellen. Der Vortrag beschrieb alle notwendigen Parameter, um die Funktionalität-Zeit-Beziehung zu charakterisieren.

Dr.-Ing. Bernhard Odenwald von der Bundesanstalt für Wasserbau in Karlsruhe widmete sich dem Thema „Hochwasser- und Starkregeneinfluss auf erdberührte Gebäudeteile“. Dazu stellte er die sich in Überarbeitung befindliche DIN 4095 zur Drainung baulicher Anlagen vor, die demnächst eine möglichst genaue Beschreibung der Wassereinwirkungen auf erdberührte Bauteile in Abhängigkeit der maßgebenden, hydraulischen, geohydraulischen und geometrischen Bedingungen beinhalten soll. Dazu wurden Untersuchungen, insbesondere auf Grundlage numerischer Strömungsberechnungen durchgeführt. Die Berechnungsergebnisse zeigen, dass bei Starkregen, im Allgemeinen nicht mit einem Wasserdruck auf die erdberührten Bauteile infolge Stauwasserbildung zu rechnen ist, falls der maßgebende Grundwasserstand mit ausreichender Sicherheit dauerhaft unterhalb der Bodenplatte besteht. Auch bei einem Hochwasserereignis, das zu einer Überflutung des Geländes bis zum betrachteten Gebäude führt, wurden Wasserdrücke auf die erdberührten Gebäudeteile ermittelt, die wesentlich geringer sind als die hydrostatische Wasserdruckverteilung, bezogen auf den maximalen Hochwasserstand.

Kritik an Sanierputzsystemen

Mehr als 400 Teilnehmer und über 60 Aussteller waren bei den 32. Hanseatischen Sanierungstage dabei. (Quelle: B+B Bauen im Bestand)

In Sektion „Bauen im Bestand“ wurde der Vortrag von Dr. Horst Schuh besonders kontrovers aufgenommen – er referierte zum Thema „Sanierputz – Wunsch und Wirklichkeit“. Sanierputze werden seit über 40 Jahren zum Verputzen von Mauerwerk im feuchte- und salzbelasteten Sockelbereich eingesetzt. Immer wieder treten Fälle auf, bei denen sich bereits nach kurzer Standzeit wieder Anstrich- und Putzschäden bilden. Er führte aus, dass die von ihm geschilderten Schadensfälle in Zusammenhang mit der Anwendung von Sanierputzsystemen zeigen würden, dass zwischen dem Anspruch (WTA-Merkblatt) beziehungsweise Versprechen der Sanierputzindustrie (technische Merkblätter) und der Wirklichkeit eine große Kluft bestehe. Der propagierte Wirkmechanismus – Salzeinlagerung bei gleichzeitiger Beherrschung der Feuchtebelastung – stelle sich häufig nicht ein. Vielmehr träten bereits oft nach wenigen Jahren auch ohne Salzbelastung des Bestands Schäden durch abplatzende Anstriche auf, die den Blick auf die grauschwarze Matrix des Putzes freigäben. Ursache der Abplatzungen seien häufig Salzausblühungen, deren Ausgangsstoffe in der Mehrzahl der Fälle durch den Putz selbst eingetragen würden.

Die beschriebenen Schäden träten immer an historischen Gebäuden überwiegend beziehungsweise ausschließlich an Denkmälern auf, die aus verschiedensten Gründen nicht horizontal oder vertikal wirksam abgedichtet werden könnten. Aus seiner langjährigen Erfahrung mit solchen historischen Instandsetzungen forderte er deshalb eine alternative Vorgehensweise. Anstatt die Mauerwerksfeuchte mit gleichzeitig hohem Schadensrisiko „einzusperren“, erscheine ihm sein Ansatz zielführender: Hoher kapillarer Wassertransport an die Putzoberfläche bei gleichzeitiger Stabilität des Putzgefüges. An der Oberfläche ausblühende Salze, aus dem Putz beziehungsweise aus dem Mauerwerk stammend, könnten abgesaugt und eventuelle Malschichtabplatzungen durch entsprechende Einfärbung der Putze kaschiert werden. Einige so bearbeitete Objekte seien kritisch begleitend worden; die bislang erzielten Ergebnisse stimmten vorsichtig optimistisch für diese Vorgehensweise.

Ein Konzept, wie die fast komplett durchfeuchtete denkmalgeschützte Zeppelintribüne in Nürnberg wieder getrocknet werden kann, stellte Dipl.-Ing. Eva Anlauft vom Hochbauamt der Stadt Nürnberg vor. Die Steintribüne aus der Zeit der nationalsozialistischen Reichsparteitage weist gravierende bauliche Schäden auf, die auf Witterungseinflüsse zurückzuführen sind. Entwickelt wurde ein bauklimatisches Konzept, welches mit sehr einfachen Maßnahmen, ein langsames, sicheres und rücksichtsvolles Entfeuchten von Gebäude und Bausubstanz ermöglicht. Anlauft zeigte die Monitoring-Ergebnisse der im Mustersanierungsabschnitt 2015/16 erfolgreich umgesetzten Maßnahmen.

Klinker, Verblender und Riemchen

Die letzte Vortragssektion war dem Verblendmauerwerk gewidmet. Darin setzte sich unter anderem Prof. Dr.-Ing. Holger Stehr, von der hochschule 21 in Buxtehude, mit der Zustandsbeurteilung und Instandsetzung von Verblendmauerwerk auseinander. Er merkte an, dass unter der Voraussetzung einer fachgerechten Planung und Ausführung Verblendmauerwerk ein- oder zweischaliger Außenwandkonstruktionen sehr dauerhaft sein können und häufig sogar eine planmäßige Lebenserwartung von 50 Jahren ohne Instandsetzungsmaßnahmen erreichen. In Abhängigkeit der verwendeten Steine, des eingesetzten Mörtels, tatsächlicher Expositionen und vor allem der Ausführungsqualität könne es allerdings zu einem vorzeitigen Instandsetzungsbedarf kommen, teilweise sogar nur wenige Jahre nach Fertigstellung. Da die Zustandsbeurteilung von Verblendmauerwerk und dessen Instandsetzung sehr vielschichtig sind, gab er lediglich einen Überblick zu den erforderlichen Untersuchungen und konzeptionellen Überlegungen, ohne dabei auf sämtliche Aspekte zur Instandsetzung der Vorsatzschale einzugehen.

Zum Abschluss der Veranstaltung zeigte Dipl.-Ing. Henrik-Horst Wetzel in seinem Vortrag typische Probleme und Lösungen von Abdichtungen bei zweischaligen Außenwänden. Er merkte an, dass die Abdichtungen bei zweischaligen Außenwänden nicht nur der Ableitung anfallenden Sickerwassers dienen würden, sondern im Bereich von Wandsockeln auch als Schutz vor dem im Baugrund und auf Balkonen und Terrassen anfallenden Wasser. An Wandsockeln träfen diese Abdichtungen zudem auf die Rahmen von Türen und bodentiefen Fenstern, an die dicht angeschlossen werden müsse. Anhand ausgesuchter typischer Probleme zeigte er auf, was passieren könne, wenn ungeeignete Abdichtungsstoffe eingesetzt werden und/oder die baulichen Voraussetzungen nicht stimmen, was dazu in den einschlägigen Regelwerken stehe beziehungsweise fehle und wie man Abdichtungen bei zweischaligen Außenwänden besser planen und ausführen könne.

Fazit: Auf dem aktuellen Stand bleiben

Die Hanseatischen Sanierungstage brachten auch in diesem Jahr wieder Planer, Sachverständige und Ausführende zusammen. Die Vorträge boten zahlreiche Diskussionsanstöße, brachten dabei aktuelle, noch in der Bearbeitung befindliche Regelwerke ein und umfassten wesentliche Bereiche der Bauwerkserhaltung, Altbausanierung und Denkmalpflege. Sie boten eine gute Möglichkeit, sich über den aktuellen Stand der Technik zu informieren. Weitere Informationen >>>

Andrea Papkalla-Geisweid

zuletzt editiert am 20.10.2022