Die Friedenschule in Schweinfurt wurde 100 Jahre nach ihrer Errichtung saniert. Die Deutsche Stiftung Umweltschutz (DBU) förderte die ausgeführten Maßnahmen wie Innendämmung, Wandheizung, Fenster und Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung.
Die im Jugendstil errichtete, denkmalgeschützte Friedenschule in Schweinfurt wurde bei ihrer Errichtung zu Beginn des 20. Jahrhunderts als modernes Schulgebäude fertig gestellt. Zur Eröffnung am 5. September 1908 lobte eine Sonderbeilage des Schweinfurter Tagblatts und der Unterfränkischen Zeitung: "Den neuzeitlichen Bedürfnissen entsprechend erhielt das Schulhaus an der Ludwigstraße 24 Klassenzimmer.... Das Kellergeschoß enthält die für eine Schule bedeutsamsten Einrichtungen, nämlich die Heizungs- und Lüftungsanlagen, Brausebad und Kochküche. Die Heizung ist eine sog. Niederdruckdampfheizung mit freistehenden Strebekesseln zu je 19 qm Heizfläche und einem kleineren zu 14 qm. Als Heizkörper in den einzelnen Räumen wurden regulierbare Radiatoren in den Fensternischen aufgestellt. Als mustergültig darf die zur Ausführung gebrachte Lüftungsanlage angesehen werden."
100 Jahre später wird saniert
100 Jahre später ist die Heizungs- und Dämmtechnologie auf einem völlig anderen Stand angelangt. Energiefragen spielen eine wesentliche Rolle. Daher wurde eine grundlegende Sanierung des Gebäudes geplant, unterstützt und gefördert vom DBU/Deutsche Stiftung Umweltschutz. Die zentrale Aufgabe ist die Weiterentwicklung und Erneuerung des Gebäudebestands durch Nachhaltigkeit, weg von fossilen Brennstoffen, hin zu einer massiven Verbesserung der Energie- und Ressourcenproduktivität und zu erneuerbaren Energien. In diesem Sinn konnte der DBU die Sanierung der Schule nicht nur beratend begleiten, sondern auch finanziell fördern.
Das Objekt
Friedenschule Schweinfurt, Ludwigstr. 5, Schweinfurt
Bauzeit:
Bevor saniert wird
Die Außenwände der Schule bestehen aus circa 50 cm Vollziegel, beidseitig verputzt. Der U-Wert der Außenwände beträgt 1,5 W/m² - K. Das Lüftungssystem arbeitet unkontrolliert, die Fenster im gesamten Gebäude sind undicht. Eine Dampfheizung beheizt das gesamte Gebäude mit 24º C, bei hohen Transmissions- und Lüftungswärmeverlusten.
Intelligentes Sanierungskonzept
Das beauftragte Architekturbüro Haase entwickelte ein Sanierungskonzept, das die Erhaltung der historischen Fassade gewährleistet und Systeme wie Innendämmung, Heizung, Fenster und Lüftung in einem denkmalgeschützten Gebäude genau aufeinander abstimmt. Ziel war die Schaffung idealer Lern- und Lehrbedingungen in den Klassenräumen, minimierte CO₂- und Feinstaubbelastungen, gute Raumakustik, gleich bleibend behagliches Raumklima, das sichere Verhindern von Schimmelpilz und eine signifikante Energieeinsparung.
Mit System wird innen gedämmt

Ein Großteil der eingesparten Heizenergie ist auf die effiziente Innendämmung zurück zu führen. Aufgrund des Denkmalschutzes entschied man sich für die mineralische und kapillaraktive Dämmplatte "TecTem Insulation Board Indoor". Die auf dem natürlichen Werkstoff Perlite basierende Platte ist kapillaraktiv und hat einen thermischen Kennwert von λ = 0,045 W/mK, ihr pH-Wert liegt bei 10. Mit der Dämmplatte ist sorgt für ein gesundes und angenehmes Raumklima gesorgt. Wärmebrücken und die damit verbundene Kondensat-Gefahr werden durch die Dämmplatte vermieden.
Die formstabile Dämmplatte hat ein geringes Gewicht, ist faserfrei, schimmelresistent und nicht brennbar (Baustoffklasse A1 nach DIN EN 13501-1). Da auf eine Dampfsperre komplett verzichtet werden kann, lässt sich das Dämmsystem schnell und einfach montieren.
Die Baustoffe Innendämmung
Der Schulbetrieb wird nicht beeinflusst
Um den Schulbetrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, erfolgten die Maßnahmen in mehreren Bauabschnitten. Von Mitte August 2009 bis Ende September 2009 wurden alle Außenwände des 3. Bauabschnitts im Hauptgebäude mit insgesamt 630 qm "TecTem Insulation Board Indoor" gedämmt.
Um die mineralische Dämmplatte zu montieren, wurden die Untergründe entsprechend vorbereitet: Der vorhandene Kalkputz des 100 Jahre alten Gemäuers hätte sich für eine direkte Montage geeignet, die Unebenheiten waren jedoch so ausgeprägt, dass mit Ausgleichsputz der Mörtelgruppe P II für einen ebenen Untergrund gesorgt wurde.
Die Dämmplatte wird montiert

An den Außenwänden der Klassenräume wurde die Dämmung direkt auf den Ausgleichsputz verklebt, im Verband dicht gestoßen in waagerechten Reihen, mit einem Mindestplattenversatz von ≥ 20 cm. Passstücke konnten einfach mit einem feinzahnigen Fuchsschwanz auf beliebige Maße zugeschnitten werden.
Aufgrund der genannten Unebenheiten wich man bei den Fensterlaibungen direkt auf den Knauf Dämmputz "Rhodipor" aus, anstatt mit Ausgleichsputz und den im System erhältlichen Laibungsplatten zu arbeiten. Offene Fugen > 2 mm der Dämmplatten wurden mit dem Füllmörtel verfüllt. Der weitere Aufbau der Innendämmung erfolgte durch die Grundierung, das anschließende Auftragen des Flächenspachtels und das Einbringen des zum System gehörenden Gewebes in das obere Drittel des Spachtels. Oberflächenabschluss ist heute ein weiß gestrichener Putz, mit dem auch alle anderen Wände der Klassenzimmer ausgestattet sind.

Die ehemaligen Heizkörpernischen unter den Fenstern wurden bündig mit der sonstigen Ziegelmauer ausgemauert. Die Laibung wurde mit 6 cm Dämmputz versehen, der jetzt in die Dämmung der Wand mit übergeht.
Die Außenwände der WC-Räume wurden ebenfalls gedämmt. Eine Verfliesung wäre hier möglich gewesen, war aber dadurch, dass die Toiletten und Handwaschbecken (und damit der Spritzwasserbereich) weit genug entfernt von der Außenwand installiert wurden, nicht notwendig.
Decken werden eingebunden
Die in die Außenwände einbindenden Decken sind Rippendecken, die zur Außenwand hin circa 40 cm breit geöffnet wurden. Um Wärmebrücken zu vermeiden, wurden Betonnasen abgeschlagen. Der Wandaufbau zur Außenwand erfolgte im Rippenbereich mit 2 Lagen = 10 cm Dämmputz, da hier die Dämmplatten nicht eingesetzt wurde.
Die Decken wurden anschließend abgehangen und mit Gipskartonplatten sowie einer Akustikbeschichtung ausgeführt.

In zwei Räumen zeigten die Außenwände leichte Rundungen, die mit der liegend zu verarbeitenden Dämmplatte gedämmt werden konnte. Um die weiten Radien aufzunehmen, wurden die nicht bröckelnden Dämmplatten leicht angefräst und dann passend verklebt.
Feuchte reguliert sich selbst
Durch die Innendämmung wurde die Regulierung der Luftfeuchtigkeit in der Schule erreicht: Tagsüber, wenn sich viele Kinder im Gebäude aufhalten und die Luftfeuchtigkeit entsprechend ansteigt, nimmt die Dämmplatte die Feuchtigkeit auf und kann sie nachts, bei wesentlich geringerer Luftfeuchtigkeit in den Räumen wieder abgeben. Hierdurch bleibt das Raumklima für alle Beteiligten ein gleichbleibend gutes Wohlfühlklima.
U-Wert drastisch gesenkt
Von außen nach innen betrachtet besteht der Wandaufbau heute aus Kalkzementputz, Vollziegel, Kalkzementputz als Ausgleichsputz, Klebespachtel, Dämmung, Flächenspachtel und Oberputz. Die raumklimatischen Verhältnisse innen- und außenseitige Temperatur, Luftfeuchte waren zuvor in unterschiedlichen Konstellationen berechnet worden. Der U-Wert konnte durch die Innendämmung und weitere Sanierungsmaßnahmen von 1,5 auf 0,34 W/m2 - K gesenkt werden und entspricht damit der EnEV 2009.
Leichte, feine Wandflächenheizung

Die Niedertemperatur-Wandflächenheizung von res (regenerative Energietechnik und systeme), spart Energie durch die Strahlungswärme und stellt, in Verbindung mit der Innenwanddämmung, eine kondensatfreie Konstruktion dar. Sie besteht aus 3-4 mm starken Kupferrohren. Aufgrund ihres geringen Gewichtes musste sie nicht mit dem Mauerwerk verbunden werden. Es reichte aus, sie mit Kupferklemmen in der Dämmplatte zu befestigen. Anschließend wurden sie mit einer Putzschicht, in die ein Gewebe eingelegt wurde, eingeputzt zum ersten Mal aufgeheizt. Nach der Abkühlung (circa 2. Wochen) war der Putz trocken und die zweite Putzschicht konnte aufgebracht werden. Mit diesem Verfahren werden spätere Rissbildungen vermieden. Für die über den Sockel laufenden Vor- und Rücklaufrohre der Heizung wurden die Dämmplatten ausgefräst.
Kamine zum lüften
Erst durch ausreichende Frischluft werden optimale Bedingungen (CO₂-Gehalt unter 1.500 ppm) in einer Schule geschaffen. Für das neue Lüftungssystem, zur Verbesserung der Luftqualität und sommerliche Nachtkühlung konnten in der Friedenschule stillgelegte Kamine reaktiviert werden. Die Steuerung der Lüftung läuft über ein Zentralgerät im Dachraum mit dem Einsatz effizienter Wärmerückgewinnung (> 90 Prozent). Da die Fenster nun während des Unterrichts geschlossen bleiben können, wurden die Schallbelastungen auf ein Minimum reduziert.
Intelligente Fensterelemente
Heute reduziert im Fenster integrierte Verschattung und Tageslichtnutzung den Stromverbrauch der Schule. Der sommerliche Wärmeschutz wird durch intelligente Sonnenschutztechnik mit Tageslichtlenkung und Nachtkühlungsfunktion über die Lüftungsanlage optimiert.
Hier lehrt und lernt man gerne
Heute ist die Friedenschule ein Beispiel dafür, wie der Energiebedarf bei denkmalgeschützten Bestandsschulgebäuden durch eine Innendämmung weitestgehend gesenkt werden kann, auch im Zusammenwirken mit weiteren Lösungen wie Wandflächenheizung, Fensterelementen und Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung. Geschaffen wurden ideale Lehr- und Lernbedingungen mit minimierten CO₂- und Feinstaubbelastungen, mit gleichbleibend behaglichem Innenraumklima und ohne Schimmelbelastungen.
Die Einsparungen
Die Maßnahmen an der Gebäudehülle, maßgeblich die Dämmung, reduzieren die Transmissionswärmeverluste um circa 150.000 kWh/a. Die Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung reduziert die Lüftungswärmeverluste um circa 50.000 kWh/a. Die CO₂-Emmissionen werden um circa 63.000 kg/a verringert.
Bautafel
Autorin: Dipl.-Ing. Architektin Andrea Grond, Knauf Perlite Dortmund
Weitere Informationen zu dem Dämmsystem erhalten Sie unter www.knauf-perlite.de