Studie EPS WDVS Abfallaufkommen
Unter anderem stellt das Papier die Menge an für Wärmedämmungen produziertem EPS dem Abfallaufkommen durch EPS gegenüber. (Abb.: Statistisches Bundesamt und Consultic)

Außendämmung 2015-02-03T00:00:00Z Keine Müllberge durch WDVS

Die Entsorgung von Wärmedämm-Verbundsystemen aus EPS wird in Zukunft nicht zu Problemen führen. Zu diesem Fazit kommt eine aktuelle Studie, die vom Fraunhofer Institut für Bauphysik in Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Wärmeschutz e. V München (FIW) durchgeführt wurde.

Was geschieht mit WDVS aus expandiertem Polystyrol nach der nach ihrer Nutzungsphase? Wird er einer weitergehenden Verwertung zugeführt? Diesen zwei Ausgangsfragen geht die Studie „Rückbau, Recycling und Verwertung von WDVS“ im ersten Teil nach. Auf Basis der Ergebnisse erarbeitet das Papier im zweiten Teil Prognosen und Empfehlungen für eine Systemweiterentwicklung von WDVS auf der Basis von EPS Rückbauverfahren und Verwertungsmöglichkeiten.

Um die in Zukunft anfallenden Mengen an Styropor aus ausgedienten Wärmedämmverbundsystemen prognostizieren zu können, stützt sich die Untersuchung auf unter anderem Mengenangaben des Fachverbandes WDVS, nach denen zwischen 1960 bis 2012 bundesweit insgesamt 900.000.000 Quadratmeter Wärmedämmverbundsysteme verbaut wurden. Etwa 720.000.000 Quadratmeter davon entfallen auf EPS-Systeme. Abhängig von der Dicke des Dämmstoffs ergibt sich daraus eine Gesamtmasse zwischen 646 und 1570 Kilotonnen (kt). Hinzu kommen weitere Komponenten wie Kleber, Armierungsgewebe und  Oberputz.

Der Anteil von EPS an den gesamten im Baubereich entsorgten Kunststoffen lag laut der Studie im Jahr 2011 bei weniger als einem Prozent.

Bestehende WDVS sollten aufgedoppelt werden

Bei den derzeit üblichen Methoden zum Rückbau von Gebäuden wird üblicherweise zwischen konventionellem und selektivem Rückbau unterschieden. Beim konventionellen Rückbau werden die Materialien maschinell getrennt. Der selektive Rückbau, ist zwar arbeitsintensiver, er ermöglicht aber die rechtzeitige Trennung der einzelnen Materialfraktionen. Das Papier zeigt anhand umfangreicher Praxistests am Fraunhofer IBP mit verschiedenen Rückbauverfahren  die Vor- und Nachteile beider Methoden. Eine allgemein vorzuziehende Handlungsempfehlung wird nicht gegeben, die umfassende Dokumentation der Untersuchungen kann im Einzelfall jedoch helfen, das geeignete Verfahren für den Rückbau auszuwählen.

Häufig werden WDV-Systeme zurückgebaut, weil sie aktuellen Erfordernissen nicht mehr entsprechen. Im Sinne der Abfallvermeidung empfiehlt die Studie in diesem Fall die „Aufdopplung“.  Der bestehende Wärmeschutz wird dabei nicht demontiert, sondern durch eine zusätzliche Dämmschicht ertüchtigt. Die Nutzungsdauer des WDVS könne so auf einen Zeitraum von 40 bis zu 120 Jahren ausgedehnt werden.

Flammschutzmittel erschwert Recycling

Momentan stehen laut der Studie drei Möglichkeiten zur Verwertung von EPS-Abfällen aus WDVS zur Verfügung: Die werkstoffliche (Recycling), die rohstoffliche und die energetische Verwertung. Dabei ist nur die letztere von praktischer Bedeutung. Recyclingverfahren werden in Zukunft nur noch eine eingeschränkte Rolle spielen, da das auf vielen Platten verwendete Flammschutzmittel HBCD zukünftig eine Gefahreneinstufung erhält. Ein rohstoffliches Verfahren, dass die Autoren als Beispiel anführen, ist bislang kommerziell noch nicht nutzbar.

Für die energetische Verwertung können die kommunalen Anlagen zur Müllverbrennung genutzt werden. So könne zumindest ein Teil der verwendeten Produktionsenergie zurückgewonnen werden.

Eine im Rahmen der Studie durchgeführte Demonstration im Müllheizkraftwerk Würzburg ergab, dass der Anteil von EPS- oder XPS-Abfällen aus technischen Gründen zwei Prozent des gesamten Brenngutgewichts nicht überschreiten sollte. Die bei der Demonstration gemessenen Schadstoffkonzentrationen lagen unter den gesetzlichen Grenzwerten.

Lebenszyklen sind länger als angenommen

Insgesamt belegen die im Rahmen der Studie durchgeführten Untersuchungen ein geringes Abfallaufkommen von EPS aus Wärmedämmverbundsystemen. Ein Grund ist, dass die die Lebenszyklen bestehender WDVS die ursprünglichen Annahmen teilweise weit überschreiten. Dennoch wird das Rückbauvolumen in den kommenden Jahren steigen. Voraussagen treffen kann die Studie allerdings nur aus einem eigens entwickelten Prognosemodell auf der Basis des verfügbaren Datenmaterials. Daraus ergeben sich steigende EPS-Rückbaumengen aus WDVS, die bis 2050 eine Größenordnung von 50 Kilotonnen pro Jahr erreichen könnten. Diese Menge wäre mit den bestehenden Kapazitäten zur Müllverbrennung leicht beherrschbar.

Um den Anteil an recycelten Systemen zu erhöhen, empfehlen die Autoren zum Beispiel eine herstellerübergreifenden Positivkennzeichnung von EPS zur Unterscheidung von HBCD-haltigem und HBCD-freien EPS sowie die Weiterentwicklung fortgeschrittener Techniken, Maschinen und Werkzeuge für den selektiven Rückbau von einfachem wie aufgedoppelten WDVS. Auch bestehe langfristig Forschungsbedarf bei der Weiterentwicklung rohstofflicher Verwertungsverfahren.

Die Studie wurde seit 2012 durchgeführt und entstand im Rahmen der Antragsforschung der Initiative Zukunft Bau. Beauftragt wurde die Studie unter anderem vom Fachverband WDVS und vom Industrieverband Hartschaum. Die Ergebnisse wurden auf der BAU 2015 in München präsentiert.

Eine Zusammenfassung der Studie kann beim Industrieverband Hartschaum e. V. kostenfrei heruntergeladen werden.

zuletzt editiert am 09. April 2021
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