Um Wärmeverluste zu reduzieren, müssen bei Neubau und Sanierung oberste Geschossdecken oder das Dach entsprechend der EnEV gedämmt werden. Das bedeutet ein großes Energiesparpotenzial für den Bauherrn und eine große Chance für den Dachdecker, selbst wenn schlechtes Wetter die Arbeit draußen stilllegt. Wie lassen sich die Vorschriften wirtschaftlich sinnvoll erfüllen?
Etwa 75 % des rund 30 Mio. starken Gebäudebestands sind energetisch nicht saniert und bilden so ein riesiges Potenzial für Einsparungen von Energie und CO2-Belastung der Umwelt. Deshalb schreibt die Energieeinsparverordnung eine Wärmedämmung nicht nur für Neubauten, sondern auch für bestehende Häuser vor, mit einem Mehrwert für alle: Energiekosteneinsparungen von bis zu 40 % und damit verbesserter Umweltschutz. Dabei entstehen weit mehr Wohnkomfort und eine bedeutende Wertsteigerung der Immobilie für den Hausbesitzer – und es entstehen dadurch große Chancen für den Dachdecker unter dem Dach.
Forderungen und Förderungen
Bei Neubau und Sanierung schreibt die EnEV 2009 die Dämmung der obersten Geschossdecken in Wohngebäuden vor, alternativ ist auch die Dämmung des Dachs zulässig. Für Bestandsbauten gilt dabei, dass ungedämmte, nicht begehbare, aber zugängliche sowie begehbare oberste Geschossdecken von beheizten Räumen so zu dämmen sind, dass ihr Wärmedurchgangskoeffizient U-Wert 0,24 W/(m²K) nicht überschreitet. Die Einhaltung der EnEV muss der Handwerker bei seinen Bauleistungen mit der Unternehmererklärung bestätigen. Um Eigentümer bei der Umsetzung notwendiger Sanierungsmaßnahmen finanziell zu entlasten, fördert die KfW seit dem 01. März 2011 auch Einzelmaßnahmen wie die Dämmung der obersten Geschossdecke. Dabei muss ein U-Wert von 0,14 W/m²K nachgewiesen werden. Das erfordert eine Modernisierung mit effizienter Wärmedämmung und eine gute Beratung durch den Verarbeiter.
Wärmedämmung lässt sich kurzfristig und kostengünstig realisieren, doch ist es wichtig, dabei langfristig zu denken und gleich für die Zukunft vorzusorgen. Hier kann der Dachdecker modernisierungswilligen Bauherren die Chancen einer Dämmung unter dem Aspekt einer möglichen späteren Nutzung des Dachbodens aufzeigen:
▪ Lohnt sich also ein Ausbau des Dachgeschosses oder ist die Dämmung der obersten Geschossdecke die bessere Empfehlung?
▪ Kann und soll das Dachgeschoss ausgebaut werden – jetzt oder auch später?
Wenn ja, dann ist die Aufsparrendämmung als geschlossene Dämmhaube über der gesamten Dachfläche die beste aller Möglichkeiten. Es gibt keine Wärmeverluste durch Wärmebrücken an Sparren oder Wänden. Die Raumtemperatur bleibt gleichmäßig erhalten. Unter dem Dach entsteht komfortabler Wohnraum ohne Platzverlust, angenehm kühl im Sommer, wohlig warm im Winter – ideal für heranwachsenden Nachwuchs, zur Vermietung oder als Büro- oder Hobbyraum. Wenn der Bebauungsplan den Dachausbau jedoch nicht zulässt oder eine zu geringe Raumhöhe die Nutzung als Wohnung verhindert beziehungsweise wenn die Dachdeckung völlig in Ordnung ist und Abstellraum vor allem in größeren Wohneinheiten dringend benötigt wird, ist die Dämmung der obersten Geschossdecke der sinnvollste Weg. Meistens sind die Unterkonstruktionen aus Beton oder beplankte Holzbalkendecken schlecht oder gar nicht gedämmt.
Der U -Wert bestimmt den Erfolg
Bei der Wahl des Dämmstoffs spielt in erster Linie der U-Wert eine Rolle, den es zu erreichen gilt: Strebt der Hausherr nur den geforderten U-Wert ≤ 0,24 oder gar die geförderten 0,14 W/(m²K) an? Die Auswahl an Wärmedämmmaterialien ist groß, reduziert sich jedoch bei der Betrachtung der wichtigsten Kriterien Dämmstoffdicke, Gewicht sowie Begeh- und Belastbarkeit schnell auf eine überschaubare Zahl. Die benötigte Dämmstoffdicke berechnet sich aus dem gewünschten U-Wert und der Dämmleistung, also der Wärmeleitstufe (WLS) eines Dämmstoffs. Je niedriger der Wert, umso besser und dünner ist der Dämmstoff. Der Vergleich zeigt die Unterschiede:
▪ PUR/PIR-Hartschaum-Platten
(WLS 023) 9 cm
▪ Mineralwolle
(WLS 035) 14 cm
▪ Polystyrol-Hartschaum-Platten
(WLS 040) 16 cm
Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus DDH DAS DACHDECKERHANDWERK, Ausgabe 07.2013
Autor: Ekkehard Fritz
