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Durch die Innendämmung aus Holdfaser konnte die Barockfassade des Gelben Hauses wurde erhalten bleiben. (Abb.: Chris Kister)

Innendämmung 2012-08-09T00:00:00Z Innendämmung in Schloss Rumpenheim

Bei Baudenkmälern ist eine Fassadendämmung in der Regel nicht möglich. Das Rentamt von Schloss Rumpenheim am Main erhielt daher eine Innendämmung mit Holzfaserdämmplatten. Als neue Trennwände wurden Holzständerwände eingezogen.

Auch wenn es auf den Fotos beinahe so aussehen mag: Das Gelbe Haus, wie es die Einheimischen der Einfachheit halber nennen, ist nicht das Schloss von Rumpenheim am Main selbst, sondern lediglich sein Rentamt. Dort war früher die Verwaltung des Schlosses und der dazugehörigen Güter untergebracht. Doch auch bei Nebengebäuden am Rande des Schlossparks haben frühere Generationen Wert auf Architektur und künstlerische Gestaltung gelegt, dass das hufeisenfömige zweigeschossige Gebäudeensemble heute als bewahrenswertes Denkmal gilt.

2009 erwarb ein privater Investor das von Leerstand, unsensiblen Umbauten und einem insgesamt schlechten Bauzustand geprägte Gelbe Haus. Gemeinsam mit der unteren Denkmalschutzbehörde und dem beauftragten Planer, Dipl.-Ing Michael Janocha, Dreieich, entwickelte der neue Eigentümer ein Umbau- und Modernisierungskonzept. Ohne dass der kulturelle Wert des historischen Ensembles verloren ging wurden für neun bis zu 130 Quadratmeter große Wohneinheiten mit heutigem Komfort und vor allem nach heutigen energetischen Standards Raum geschaffen. Dabei sollte so viel überlieferte Substanz wie möglich erhalten werden.

Die Barockfassade bleibt sichtbar

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Im ältesten Bauabschnitt mit Kreuzgewölbe und dicken Sandsteinmauern konnte auf eine zusätzliche Wärmedämmung verzichtet werden. (Abb.: Chris Kister)

Zu den prägenden und unbedingt erhaltenswerten Gestaltungselementen gehörte die Barockfassade mit ihren weit außen liegenden und von Sandsteinlaibungen gefassten Fenstern. Eine Fassadendämmung hätte sich hier aus Respekt vor dem Gebäude auch ohne den offiziellen Denkmalschutz von selbst verboten. Michael Janocha plante deshalb eine Innendämmung der Außenwände. Diese musste aber in ihrer Bauphysik und in ihrem handwerklichen Charakter zu den sehr verschiedenen Bauetappen des Gelben Hauses passen. Die ältesten Teile des Gelben Hauses stammen vermutlich von etwa 1620 und wurden mit bis zu 80 Zentimetern dickem Sandsteinmauerwerk und Kreuzgewölben ausgeführt. Spätere Bauabschnitte erhielten nur noch 30 bis 40 Zentimeter dickes Massivmauerwerk aus Backsteinen und in weiteren Bauabschnitten schließlich ein überputztes, wiederum mit Backsteinen gefülltes Fachwerk.

Ganz im Sinne der Bewahrung historischer Substanz wurde das Kreuzgewölbe erhalten und in diesen Bereichen angesichts der Wandstärken auch auf eine zusätzliche Dämmung verzichtet. In den jüngeren Bauabschnitten mit ihren schlankeren Außenwänden kam eine Innendämmung mit "Homatherm-Holzfaserdämmplatten" zum Einsatz. Wegen der feuchteausgleichenden und kapillarleitfähigen Wirkung des Werkstoffs konnte die Dämmung ohne Dampfsperre ausgeführt werden. Das war für Michael Janocha ein ausschlaggebendes Kriterium: "In historischen Gebäuden mit ihren vielen und häufig sehr unregelmäßigen Anschlusssituationen hat man keine Chance, eine Dampfsperre wirklich dicht zu bekommen." Jedes undichte Detail kann aber zu lokalen Feuchtigkeitsansammlungen führen und in deren Folge zu Schimmel oder im schlechtesten Fall auch zu konstruktiven Schäden am Fachwerk. Für dieses Objekt wählte der Planer deshalb Plattenwerkstoffe, wie OSB- und Gipsfaserplatten.

Zwei Dämmlösungen aus einem Material

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Mit Lehmglätte auf dem Fachwerk bzw. einem Kalkputz auf dem massiven Backsteinmauerwerk wurden zunächst die Ausbrüche und gröbsten Unebenheiten egalisiert. (Abb.: Michael Janocha)

Für die Innendämmung hat Homatherm speziell die gleichermaßen für den Massiv- und Holzbau geeignete Innendämmplatte "ID-Q11 standard" entwickelt. Die Platte wird mit einem feinkörnigen Klebemörtel, etwa auf Lehm- oder Rotkalkputzbasis, direkt auf den geglätteten Untergrund geklebt und gedübelt und kann durch ihre feste Oberfläche unmittelbar verputzt werden. Andererseits ist die Platte flexibel, sodass sie sich leicht gerundeten Bauformen anpassen kann. In Rumpenheim wurde dieser Vorteil mit gedübelten Platten bei der Dämmung von Details an Fenster- und Sturzbögen ausgenutzt.

Auf den großen Wandflächen kam eine andere Lösung zum Einsatz. Hier trat das für Bauten früherer Jahrhunderte typische Problem der ungeraden Wände auf. Die Wände waren in sich nicht eben und wiesen Abweichungen aus Flucht und Lot auf, wie sie für anspruchsvollen Wohnraum heute kaum noch akzeptiert werden. Zunächst wurden mit Lehmglätte auf dem Fachwerk beziehungsweise einem Kalkputz auf dem massiven Backsteinmauerwerk die Ausbrüche und gröbsten Unebenheiten egalisiert. Dann entstanden vor den Wänden für die neuen Oberflächen gerade ausgerichtete Lattengerüste.

Das Ständerwerk konnte anschließend mit der Wärmedämmung "Homatherm holzFlex standard" verfüllt werden. Durch die Rückstellfähigkeit und Flexibilität können sich die sowohl an die Ständer als auch an den unregelmäßigen Untergrund anpassen. Um den Wärmeschutz und eine ebene Oberfläche sicherzustellen, waren wechselnde Dämmstoffdicken erforderlich. Den raumseitigen Abschluss bilden Gipsfaserplatten. Die Innendämmung entstand also mit zwei verschiedenen Produkten, die durch die Holzfasern dennoch homogen im Material sind und mit einer Wärmleitfähigkeit λD von 0,038 W/mK auch eine gleichwertig wärmetechnische Qualität aufweisen.

Historische und neue Innenwände

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Eine der neuen Holzständerwände während des Aufbaus. Die Holzfaserdämmung zwischen den Ständern stellt zusammen mit der Beplankung aus OSB- und Gipsfaserplatten den Schallschutz sicher. (Abb.: Homatherm)

Zur weitgehenden Erhaltung historischer Bausubstanz im Rentamt von Rumpenheim gehörte neben dem Erhalt der Fassade und der Kreuzgewölbe auch das Freilegen alter Fußböden, die Wiederaufarbeitung historischer Türen und die Sanierung vorhandener Innenwände. Hier wurde rund 200 Jahre alter Lehm von den Wänden geklopft und nach der Aufbereitung wieder als Putz verwendet.

Im Sinne zeitgemäßer Grundrisse und einer modernen Wohnnutzung waren zusätzliche neue Innenwände erforderlich. Sie entstanden als leichte Holzständerwände aus 8 Zentimeter starken Konstruktionsholz sowie einer Beplankung mit 15 Millimetern OSB-Platte und 10 Millimetern Gipsfaserplatte auf jeder Seite. Wie schon bei der Innendämmung der Außenwände wurde hier die flexiblen Dämmmatten durch Einklemmen montiert. Bis 900 Millimeter Klemmweite sind keine zusätzlichen Befestigungen erforderlich, Randfugen werden durch das Stauchen der Matten verhindert. Es entstehen dampfdiffusionsoffene Wände, die ein ausgewogenes Raumklima unterstützen. Sie bietet zudem als Trennwände einen Schallschutz: Bei einer Volldämmung in 8 Zentimeter dicke beträgt das Schalldämm-Maß Rw 48 dB.

Von Maisonette bis Wohnen im Gewölbe

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Blick in den historischen Dachstuhl mit den 100 mm hohen Sparren und der hier als Mittelpfette ausgebildeten ebenfalls 100 mm hohen Versteifung. (Abb.: Michael Janocha)

Das Satteldach im Mittelteil des ehemaligen Rentamts und die Mansarddächer auf den Gebäudeflügeln waren bereits historisch in Teilen zu Wohnräumen ausgebaut worden, wenn es sich klimatisch auch um eher kalte Dachkammern im Winter und extrem heiße im Sommer gehandelt haben dürfte. Heute wird im Dachgeschoss eine behaglich-warme, aber nicht überhitzte Wohnatmosphäre erwartet, weshalb Michael Janocha auch hier eine Wärmedämmung vorsah, die aber die Proportionen des überlieferten Anblicks nicht verändern durfte. Der historische Aufbau mit einer unter den Sparren verlaufenden Versteifung des Dachstuhls bot Platz für zweimal 100 Millimeter Dämmung zwischen den Sparren beziehungsweise der Versteifung. Ergänzt wurden 40 Millimeter Untersparrendämmung, sodass heute eine insgesamt 240 Millimeter dicke Dämmung sowohl für den sommerlichen als auch den winterlichen Wärmeschutz sorgt.

Die fertigen Wohnungen im Gelben Haus erhalten durch den weitgehenden Erhalt historischer Substanz bei gleichzeitig modernen Standards des Raumzuschnitts, der Wärmedämmung und natürlich aller Installationen einen individuellen Charme. Höhepunkte sind eine Maisonette, die sich über drei Stockwerke zieht, eine Wohnung mit Kreuzgewölbe im Wohnzimmer und direktem Zugang zum Schlosspark sowie ein Appartement mit Rundbögen und uralten Holztüren.

Das Bauvorhaben zeigt: Diffusionsoffene und feuchteausgleichende Holzbauweisen sind auch für den Massivbau geeignet, gerade wenn es sich um bauphysikalisch sensible historische Gebäude handelt.

BAUTAFEL

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Das Programm finden Sie hier

http://www.homatherm.com/

zuletzt editiert am 09. April 2021
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