Historische Kirchenräume mit ihren Kreuzgewölben erzeugen extrem lange Nachhallzeiten. Bei Umnutzungen stellt dies oft das entscheidende Problem dar. Die Kernfrage lautet: Wie kann die Schallabsorption verbessert werden, ohne die Optik zu beeinträchtigen? Im ehemaligen Kölner Kartäuserkloster fand man hier eine überzeugende Antwort.
Die Kölner Kartause kann auf fast 700 Jahre Geschichte zurückblicken. Bereits 1334 wurde hier eine Niederlassung des Kartäuserordens errichtet, zu dessen Grundsätzen die kontemplative Versenkung und das Schweigen gehören. Lag das Kloster, in dessen Zentrum die Stille stand, im Mittelalter noch am Stadtrand, so liegt das Areal heute inmitten der eher quirligen Kölner Südstadt und beherbergt zentrale Einrichtungen der Evangelischen Kirche Köln. Der Gegensatz zwischen lauter urbaner Außenwelt und dem Wunsch nach Stille prägt die Kartause bis heute. Während die Stadt um das Gelände der Kartause wuchs und sich verdichtete, bildet das ehemalige Klosterareal mit seinem alten Baumbestand auch heute noch eine Art Oase der Ruhe im Getöse der Großstadt.
Der Gegensatz von Laut und Leise bestand aber auch im Inneren, und zwar bei der Nutzung des so genannten Kapitelsaals. Dieser Raum, der schon von den Mönchen im Mittelalter als Versammlungsstätte genutzt wurde, sollte heute als Seminarraum und als Treffpunkt der Gemeinde dienen. Nach Jahrhunderten des Verfalls und der Zerstörung war der Kapitelsaal erst in den 1980er Jahren wieder rekonstruiert worden. Stolz ist man darauf, dass der Saal mit seinen großen Fenstern, herrlichen Säulen und Kreuzgewölben heute wieder eine Vorstellung von der historischen Raumwirkung gibt. – Doch die z. T. extrem langen Nachhallzeiten widersprachen dem jetzigen Nutzungswunsch.
Das alte Dilemma: Denkmalschutz und Architektur Top – Akustik Flop! Gesucht wurde also ein Architekt mit Ideen für raumakustische Maßnahmen, die den Charakter des historischen Raums möglichst unangetastet lassen. Architekt Markus Lenzen (Büro artefactum, Köln) entschied sich schließlich in Zusammenarbeit mit dem Büro mbakustik aus Osnabrück für ein in Deutschland noch recht neues Absorbermaterial: sonacoustic TR (Hersteller: Asona). Mit einem Schallabsorptionsgrad bis _w: 80 und der Fähigkeit, sich an die dreidimensionale Krümmung der Kreuzrippen anzupassen, versprach das Material zum einen glatte Oberflächen, zum anderen aber auch die Wahrung des Raumcharakters.
