Auf dem 8. Internationalen Buildair-Symposium am 7. und 8. Juni 2013 in Hannover galt es, ein Jubiläum zu feiern: Vor 20 Jahren trafen sich erstmals 32 Fachleute im energie + umwelt zentrum (e∙u∙[z]) in Springe, um sich über die Luftdichtheit von Gebäudehüllen und deren Messung mit der BlowerDoor-Technik auszutauschen. Ihnen allen gemein war, dass sie Anwender der Ende der 1980er-Jahre aus den USA importierten Messtechnik waren.
18 Mal hat diese Veranstaltung seitdem stattgefunden, zunächst unter dem Namen BlowerDoor-Symposium und mit zunehmender Internationalisierung seit 2009 als Buildair-Symposium. Die Geschichte der Veranstaltung, die von Beginn an durch eine große Praxisnähe geprägt war, zeichnet die Geschichte der Luftdichtheit im deutschen Bauwesen nach. Nicht nur sind aus den ursprünglich 20 Messteams im Jahr 1993 mittlerweile etwa 1.000 geworden, sondern die Forderung nach der Luftdichtheit der Gebäudehülle hat auch mit der Energieeinsparverordnung Eingang in das Bauordnungsrecht gefunden, und kaum jemand bestreitet noch, dass die Planung und fachgerechte Ausführung einer luftdichten Ebene sowohl im Neubau als auch beim Bauen im Bestand neben der Wärmedämmung entscheidend zur Energieeffizienz eines Gebäudes beiträgt. Dass die Luftdichtheit gerade an Detailpunkten weder in der Planung noch in der Ausführung nicht immer einfach herzustellen ist und zu Folgeproblemen im Hinblick auf Feuchtigkeit und Lüftung führt, bedeutet nicht, dass es sich bei luftdichten Bauweise um einen Irrtum der Baugeschichte handelt, sondern nur, dass es noch Entwicklungspotenzial für praxisgerechte Lösungen gibt.
Auf 18 Veranstaltungen 330 Vorträge über Luftdichtheit gehalten
Insgesamt wurden im Laufe der Jahre 330 Vorträge von 165 Referenten gehalten. Die Themen reichten von der Messpraxis, Normen und Recht sowie konstruktive Details der Gebäudehülle über Lüftung, Kleben und Dichten sowie das Messen großer Gebäude bis hin zu Thermografie, Zertifizierung und die Gebäudepräparation für die Messung, wobei diese Aufzählung die Themen in abnehmender Häufigkeit ihres Vorkommens wiedergibt.
Und noch etwas ist charakteristisch für das Buildair-Symposium: die familiäre Atmosphäre, die sich in dem offenen und herzlichen Erfahrungsaustausch spiegelt und in den haltbaren Verbindungen, die auf der Veranstaltung geknüpft werden und wegen der menschlichen Komponente über das hinausgehen, was technokratischer heute gemeinhin als „Networking“ firmiert. Das schließt in diesem Fall die Aussteller mit ein.

Verfahren vorgestellt, um Druckdifferenzen im Gebäude zu reduzieren
Darüber hinaus ist das Buildair-Symposium „ein Marktplatz für Innovationen“, wie Wilfried Walther, 1. Vorsitzender des e∙u∙[z] und von Anfang an mit dabei, in seiner Rückschau betonte. Auf der diesjährigen Veranstaltung stellte zum Beispiel Lothar Moll von pro clima ein Verfahren vor, bei dem die Lüftungsanlage durch gezielte Dysbalancen zwischen Zu- und Abluft Druckdifferenzen im Gebäude neutralisiert beziehungsweise reduziert, um so zu verhindern, dass feuchte Luft durch kleinere Leckagen in den Dachraum gelangt, dort kondensiert und Feuchtigkeitsschäden verursacht. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet und in Zusammenarbeit mit Lüftungsanlagenherstellern wird bereits daran gearbeitet, die Steuerung der Anlagen entsprechend umzuprogrammieren. Erste Praxisanwendungen sollen folgen. „Eine Fuge ist nur dann ein Problem, wenn Luft wirklich durch sie durchströmt“, erläuterte Moll die Idee hinter seinem Verfahren.
B+B BAUEN IM BESTAND wird in der kommenden Ausgabe, die am 2. Juli erscheint, ausführlicher über das 8. Internationale Buildair-Symposium berichten, Dabei wird es um Erkenntnisse über und Lösungsmöglichkeiten für das Herstellen der Luftdichtheit im Gebäudebestand gehen.
Michael Henke