Damit die Sanierungen Fahrt, brauche es eine echte Weiterbildungsoffensive, ist sich der IG BAU-Bundesvorsitzende Robert Feiger sicher. (Quelle: IG BAU (Alexander Paul Englert))

Gebäude + Energie

25. May 2022 | Teilen auf:

IG BAU fordert Weiterbildungsoffensive

Weil der Gebäudesektor die CO2-Einsparziele nach Zahlen des Umweltbundesamtes weiterhin deutlich verfehlt, hat die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mehr Anstrengungen bei der klimagerechten Sanierung von Altbauten gefordert. Den Handwerksbetrieben müsse der Zugang zum notwendigen Know-how erleichtert werden.

„Die rasant steigenden Energiepreise treffen Millionen Haushalte stark“, so der IG BAU-Bundesvorsitzender Robert Feiger. „Es ist jetzt umso wichtiger, die große Zahl unsanierter Gebäude schneller energetisch zu modernisieren.“ Das sei eine entscheidende klimapolitische, aber auch sozialpolitische Frage. Denn Geringverdienende lebten besonders häufig in Häusern mit schlechter Energieeffizienz – und müssten einen erheblichen Anteil ihres Einkommens fürs Heizen ausgeben.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft fehlt es im Baugewerbe jedoch häufig am Know-how für die Sanierungen. Viele Firmen seien durch den anhaltenden Bauboom ausgelastet. Gerade kleinen Unternehmen falle es schwer, ihre Beschäftigten freizustellen, um das nötige Fachwissen im Umgang mit neuen Materialien, Technologien und Vorschriften zu lernen. „Vom Dachdecker, der das Solardach montiert bis hin zum Estrichleger, der mit Dämmstoffen hantiert – qualifizierte Bauleute sind unverzichtbar, um die Klimaziele im Gebäudebereich zu erreichen. Damit die Sanierungen Fahrt aufnehmen, brauchen wir eine echte Weiterbildungsoffensive“, fordert Feiger.

Der Gewerkschaftschef schlägt vor, diese Offensive über die Sozialkassen der Bauwirtschaft zu organisieren. Das System einer umlagefinanzierten Berufsausbildung habe sich im Bauhauptgewerbe, aber auch im Dachdecker- und Gerüstbauerhandwerk bewährt und könnte nun Vorbild beim Klima-Know-how sein. Gerade für Kleinbetriebe sei das Modell attraktiv, damit sie die Kosten für die Fortbildung ihrer Beschäftigten nicht überforderten. „Allerdings darf die Politik die Branche nicht allein lassen. Nötig sind zusätzliche Fördermittel, um Anreize zum Energiespar-Sanieren zu schaffen, damit die Mammutaufgabe Klimaneutralität im Gebäudesektor bewältigt werden kann“, so Feiger.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes stießen Gebäude in Deutschland im vergangenen Jahr 115 Millionen Tonnen Treibhausgase aus – 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit verfehlt der Sektor jedoch weiterhin die Einsparziele der Bundesregierung von jährlich 113 Millionen Tonnen CO2. Bis 2045 sollen Gebäude emissionsfrei werden. Experten gehen davon aus, dass zur Erreichung dieses Ziels jedes Jahr rund zwei Prozent der Bestandsgebäude energetisch saniert werden müssen – aktuell liegt die Quote bei nur einem Prozent. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 25.05.2022