2013_06_20_Hylotoxkristalle_bearbeitet
Hylotoxkristalle auf einer Holzoberfläche (Abb.: Manfried Eisbein)

Holzschutz 2013-06-20T00:00:00Z Holz dekontaminieren

Die Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e. V. (WTA) hat zwei neue Merkblätter zur „Dekontamination von Holzschutzmittel belastetem Holz“ erarbeitet.

Sie sind als Entwürfe (Gelbdruck) erschienen und bauen aufeinander auf. Teil 1 umfasst die „Ermittlung und Gefährdungsbeurteilung E-1-8“, Teil 2 die „Verfahren zur Abreicherung E-1-9“. Sie stehen jetzt der Fachwelt zur Diskussion zur Verfügung, um ihre endgültige Form erarbeiten zu können.

Teil 1 gibt einen Überblick über die verwendeten Holzschutzmittel, Probeentnahme und Nachweise bis hin zur Einschätzung der Gefährdung und Anleitungen der Sanierungsplanung. In Teil 2 werden die Verfahren zur Abreicherung vorgestellt und die Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt. Es werden Luft- und bautechnische Maßnahmen, Oberflächenreinigungsverfahren, abrasive Reinigungsverfahren, Absperrung und Maskierung, Extraktionsverfahren sowie thermische Verfahren und Ablöseverfahren vorgestellt. Neben der Untersuchung und Planung ist die Dokumentation, Erfolgskontrolle und das spätere Monitoring ein wichtiger Baustein für den Erfolg der Maßnahmen.

Der Hintergrund: Neue Erfahrungen im ausgehenden letzten Jahrhundert führten zu einem Umdenkungsprozess im Holzschutz. Holz unterliegt als natürlicher Werkstoff dem biologischen Verfall. Die Nutzungsdauer kann durch den Einsatz von Holzschutzmitteln verlängert werden. Aber deren Einsatz muss sehr verantwortungsvoll geschehen.

In den 1960er- bis 1990er-Jahren wurde Holz mit chemischen Holzschutzmitteln überfrachtet. Im großen Stil wurden an Dachstühlen, aber auch an besonderem Kulturgütern und Kunstwerken Holzschutzmittel eingesetzt. Dies hatte Auswirkungen auf Denkmäler, museale und kirchliche Kunstgüter aus Holz sowie Wohnungen, sowohl in den alten, als auch neuen Bundesländern.

Die weißen Ausblühungen sind vielfach nicht zu übersehen und verlangen nach Sanierung. Ausgasende Wirkstoffe wie Pentachlorphenol (PCP) und Lindan, die auch im Innenbereich verwendet wurden, lassen sich nicht so leicht erkennen. Der »Muffelgeruch« in Innenräumen, oft eine Folge des PCP-Einsatzes, gibt erste Hinweise auf dessen Verwendung. Für die exakte Identifizierung sind allerdings belastbare Analyseergebnisse erforderlich.

Kenntnisse und Verfahren, um solcherart behandelten Hölzer fachgerecht zu dekontaminieren, wollen die neuen WTA-Merkblätter vermitteln und zukünftig ein wichtiges Arbeitsinstrument im Bereich Denkmalpflege und Restaurierung werden. Sie können über den Fraunhofer IRB Verlag oder direkt beim WTA bezogen werden.

Dr. Josef Theo Hein, Leiter WTA Referat 1 Holz und Holzschutz; Dipl. Rest. Manfried Eisbein, Leiter der WTA Arbeitsgruppe Dekontaminierung

www.wta.de

zuletzt editiert am 09. April 2021
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