Hans Joachim Schellnhuber fordert dazu auf, im Bauwesen auf nachwachsenden Rohstoffe zu setzen. (Quelle: Peter Himsel/DBU)

Bauwerkserhaltung

06. September 2022 | Teilen auf:

Holz als Hoffnungsträger

Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), ruft im Kampf gegen die Überhitzung der Welt zu einer „globalen Bauwende und einer Transformation der gebauten Umwelt“ auf. Ein neues Bauwesen müsse auf nachwachsende Rohstoffe wie Holz setzen.

„Die Rechnung ist simpel“, so Schellnhuber in Brüssel in seinem Beitrag als Keynote-Speaker einer Veranstaltung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). „Wenn ein Baum wächst, nimmt er das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) auf. Bauen wir daraus ein Haus, wird nicht nur klimaschädlicher Stahlbeton substituiert, sondern auch CO2 langfristig gespeichert.“ Bei der Veranstaltung der Reihe „DBUgoesBrussels“ war das Thema dieses Mal: „Holz für Haus und Hof: Wie der Weg zu mehr Klimaschutz beim Bau gelingt“. Schellnhuber forderte, „die gebaute Umwelt viel stärker ins Visier“ zu nehmen. „Weltweit hat der Gebäudesektor – vom Bauen über Konstruktion und Betrieb bis hin zum Abriss – einen Anteil von rund 40 Prozent an den globalen Treibhausgas-Emissionen. Und sogar 70 Prozent des Rohstoff- und Ressourcenverbrauchs werden durch den Bausektor verursacht.“ Holz könnte dabei zum Hoffnungsträger für mehr Klimaschutz werden. „Global könnte man rund zwei Milliarden Gebäude aus Biomasse erschaffen – mit Baustoffen wie Bambus oder Holz. Auf diese Weise würde man in den nächsten 100 bis 200 Jahren ein Klima wie in vorindustrieller Zeit herstellen können“, so der Klimaforscher weiter.

Eine „Schlüsselfrage für die Menschheit“

DBU-Generalsekretär Alexander Bonde nennt den künftigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Erde „eine Schlüsselfrage für die Menschheit in Zeiten der Klimakrise“. Das Bauwesen spiele in den Zukunftsszenarien eine zentrale Rolle. „Denn es gehört zu den ressourcen- und energieintensivsten Wirtschaftszweigen“, so Bonde. Aus Sicht der DBU habe Holz als nachwachsender Rohstoff eine besondere Bedeutung – vor allem mit Blick auf die Initiative „Neues Europäisches Bauhaus“ der EU-Kommission. Schellnhuber ergänzte, das von ihm und anderen Gleichgesinnten 2019 ins Leben gerufene „Bauhaus Erde“ freue sich, dass die EU-Kommission die damaligen Überlegungen aufgegriffen habe, um in der gebauten Umwelt für mehr Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit sowie Ästhetik zu sorgen.

Umfassende Kreislaufwirtschaft als Leitidee im Bauwesen

Die DBU widmet sich seit Stiftungsgründung vor 30 Jahren dem Thema Architektur und Bauwesen in einem eigenen Referat, hat zudem das Förderthema „Klima- und ressourcenschonendes Bauen“ etabliert. Referatsleiterin Sabine Djahanschah sieht großes Potenzial, aber auch Herausforderungen: „Holz ist ein Baustoff der Zukunft – nachhaltig für mehr Umwelt- und Klimaschutz. Deshalb fördert die DBU mit rund 492.000 Euro in der Hamburger Hafencity den Bau des höchsten Holzhochhauses Deutschlands. Aber wir müssen auch ran an den alten Gebäudebestand, die umfassende Kreislaufwirtschaft muss zur Leitidee im Bauwesen werden.“

zuletzt editiert am 06.09.2022