Ende September 2013 beendete die Zimmerei Wagner aus Braubach ihre umfangreichen Sanierungsarbeiten am Schloss Bürresheim bei Mayen in der Vulkaneifel. Das Ergebnis zeigt deutlich, warum der Zimmererberuf heute noch genauso unentbehrlich ist, wie er es im Mittelalter war.
Ehemals als mittelalterliche Wehranlage gegründet und Zug um Zug zur barocken Wohnburg ausgebaut, ist Schloss Bürresheim eine seltene Besonderheit unter den zahlreichen Schlössern in Deutschland. Seit seiner Gründung ist der Ort von kriegerischen Auseinandersetzungen verschont geblieben. Er wurde nie erobert oder gar verwüstet und so befindet sich die Anlage nahezu im Originalzustand. Bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg war sie bewohnt – und das trotz der Abgeschiedenheit inmitten einer unzersiedelten Landschaft zwischen kleinen Eifelbächen und saftig bewaldeten Berghängen. Vielleicht ist aber gerade diese Abgeschiedenheit der Grund, weshalb sich nie ein Eroberer dafür interessiert hat. Sei es drum. Beim Betreten des Dachstuhls wird rasch klar, dass es sich um ein
Konstrukt höchster Zimmereikunst mit einer Vielzahl an zimmermannsmäßigen Holz-Holz-Verbindungen handelt. Entstanden in einer Zeit, die mit ihren gewagten Konstruktionen als Blütezeit des Zimmererhandwerks gilt. Dabei ist der weitaus größte Teil des rund 400 Jahre alten zweifach liegenden Dachstuhls äußerst gut erhalten. Lediglich die Traufbereiche waren marode. Diese dann allerdings sehr umfangreich.
Nässe, Insekten und ein Schwamm sind die Schadensursachen
Sowohl etwa 100 Sparrenköpfe mitsamt Aufschieblingen als auch ebenso viele Bundbalkenköpfe und die umlaufende Mauerlatte

waren von Nässe und Insektenfraß gezeichnet. Auch die Bundstreben inklusive ihrer Kopfbänder waren arg zerstört. In einem Teilbereich hatte sich außerdem ein Echter Hausschwamm ausgebreitet. Die historische Dachschalung war von Tausenden Schiefernägeln durchlöchert und aufgrund fehlender Abdichtungsbahnen immer wieder durchnässt worden. Daher war dort ein vollständiger Austausch erforderlich. Nach einer umfangreichen Bestandsaufnahme, der genauen Kartierung der Schäden und einer öffentlichen Ausschreibung wurde die Firma Holzbau Wagner aus Braubach mit den Sanierungsarbeiten betraut. Eine zentrale Anforderung war der ausschließliche Einsatz von Eichen-Altholz für die Sanierung aller Eichenbauteile. Die in der bestehenden Konstruktion verwendeten Nadelhölzer sollten mit Nadelhölzern saniert werden. Dazu kamen Douglasien- und Lärchenhölzer zum Einsatz – alle als Kernhölzer.
Hauptsache, man ist jederzeit handlungsfähig
„Bei einem solchen Auftrag muss man sich frühzeitig um das Holz kümmern“, erklärt Reimund

Spriestersbach, der Geschäftsführer von Holzbau Wagner. Denn auf klassische Lagerware könne dabei nicht zurückgegriffen werden. Spriestersbach kauft für solche Zwecke unter anderem bei Klaus Stommel, einem Händler für antikes Baumaterial. „Nachdem wir den Auftrag erhalten hatten, habe ich 20 m³ Vorratsholz bestellt. Das sind etwa 50 Prozent mehr, als laut Ausschreibung notwendig waren.“ Erfahrungsgemäß sei es bei größeren Sanierungsmaßnahmen im denkmalpflegerischen Bereich sehr wichtig, jederzeit handlungsfähig zu sein. Oft stelle man während der Arbeiten fest, dass die Massen größer sind, als ausgeschrieben. Wenn der Bauablauf dann wegen fehlenden Materials ins Stocken gerate, sei niemandem geholfen. „Einen Teil unseres Holzes nehmen wir später bestimmt wieder mit“, so Spriestersbach.
Holzdübel als tragende Verbindungsmittel
Dass die Vorgehensweise offenbar zielführend ist, zeigen die vorbildlich ausgeführten Reparaturen an den verschiedenen Querschnitten innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens. Die schadhaften Hölzer wurden jeweils zunächst gesundgeschnitten und dann auf der Baustelle mit stehenden Langblättern versehen. Sie wurden in beiden Querschnittsrichtungen schräg geschnitten. Diese Ausführung ermöglicht es, die Bauteile für die Montage ohne Verbindungsmittel zu fügen. Wenn entsprechend genau gearbeitet wurde, können altes und neues Teil ohne Schrauben oder Dübel zusammengeschoben und verkeilt werden. Danach werden dann Vollgewindeschrauben, Stabdübel oder wie auf Schloss Bürresheim 20 mm dicke Holzdübel eingebaut. Die Holzdübel werden sehr trocken eingeschoben und dehnen sich dann durch Feuchteaufnahme in den Bohrlöchern etwas aus. So entstehen passgenaue Verbindungen ohne Schlupf bei denen die Holzdübel auf Abscheren beansprucht werden. Außerdem verleimten die Zimmerleute sämtliche Verbindungen. Dabei handelt es sich um konstruktive Verleimungen. Sie sollen dauerhaft dichte Fugen in den sanierten Hölzern sicherstellen. Nach der rein statischen Ertüchtigung der Hölzer wurden überstehende Ecken und Kanten abgehobelt. Im Ergebnis entstanden Verbindungen, denen man die Reparatur lediglich in der Farbe der unterschiedlichen Hölzer ansieht. In den sichtbaren Bereichen wird später wahrscheinlich ein Anstrich aufgebracht werden. Dann sind die Reparaturstellen nur noch vom sehr erfahrenen Betrachter zu erkennen.
Autor: Wolfgang Schäfer
Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus BAUEN MIT HOLZ, Ausgabe 10.2013

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