Am 20. November 2024 findet das Herbstforum Altbau zum mittlerweile 26. Mal statt. Neue Perspektiven für die energetische Gebäudesanierung stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung in der Sparkassenakademie in Stuttgart.
Der Veranstalter – das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm für die energetische Gebäudesanierung „Zukunft Altbau“ – erwarten rund 1.000 Fachleute aus der Energieberatung, Planung, Handwerk, Architektur sowie Politik und Verwaltung. Auch Kammern und Verbände sind vor Ort. Ergänzt wird die Veranstaltung durch eine Ausstellung, in der sich Fachunternehmen, Verbände und Institutionen vorstellen und direkt mit Multiplikatoren ins Gespräch kommen können. Interessierte haben die Möglichkeit, vor Ort oder virtuell dabei zu sein.
Kerstin Schlögl-Flierl, Mitglied des Deutschen Ethikrats, wird die Keynote zu Beginn der Tagung halten und über Climate Justice sprechen. Die Professorin für Moraltheologie an der Universität Augsburg zeigt auf, dass der Umgang mit dem Klimawandel wichtige Fragen zu Gerechtigkeit und Verantwortung aufwirft.
Mit dem Sanierungssprint schneller ans Ziel
Der bekannte Leipziger Bauingenieur Ronald Meyer erregt seit 2023 mit seinem „Sanierungssprint“ große Aufmerksamkeit. Die Idee: Ein Altbau-Einfamilienhaus wird in nur 22 Tagen zum klimaneutralen Zuhause. Zentrales Element für eine auf diese Weise zeitsparende Modernisierung ist eine qualitativ verlässliche Zusammenarbeit der Handwerksgewerke. Beim Herbstforum wird Meyer sein Konzept zur energetischen Kernsanierung kleinerer Wohngebäude vorstellen und Hinweise geben, wie der Sanierungssprint auch in Baden-Württemberg gelingen könnte. Im Anschluss stellt Michael Prytula ein neuartiges Wohnkonzept vor: Cluster-Wohnungen verbinden die Vorteile einer Kleinstwohnung mit der Funktionsweise einer Wohngemeinschaft.
Zirkuläres Bauen: Wiederverwertung von Baumaterialien
Oliver Seidel, Architekt aus Basel, befasst sich mit Theorie und Praxis des zirkulären Bauens. Nach vielen Jahren Bauerfahrung mit Niedrigenergiehäusern und Holzbauten hat er sich dem Bestandserhalt und temporären Nutzungen verschrieben. Das Ziel seines nachhaltigen Architekturbüros: Mit dem Baubestand Geld sparen und zusätzlich Verwertbares in einer „Bauteilbörse“ vermarkten. Cornelia Haas, Vorsitzende der Architektenkammer-Gruppe Breisgau-Hochschwarzwald/Emmendingen, beschreibt in ihrem Vortrag, wie man denkmalgeschützte Gebäude auf der Basis sinnvoller Nutzungskonzepte zukunftsweisend sanieren kann.
Best Practice: Erfolgreich sanierte Mehrfamilienhäuser
Der Karlsruher Gebäudeenergieberater und Sanierungsmanager Bernd Gewiese zeigt in seinem Beitrag exemplarisch auf, wie ein Dreifamilienhaus erfolgreich zum Effizienzhaus 85 saniert wurde. Dabei bezieht der erfahrene Energieberater auch Trends ein und wagt einen Blick in die Zukunft des Modernisierens.
Mehrfamilienhäuser gelten als Sorgenkinder der Wärmewende. Wie auch dieser Gebäudetyp erfolgreich saniert werden kann und worauf dabei geachtet werden muss, schildert der Stuttgarter Verwalter und Planer Heinrich R. Welker. Er berichtet, wie er in der Landeshauptstadt eine komplexe Haussanierung zum Plusenergiehaus mit sieben Wohnungen auf insgesamt 265 Quadratmetern äußerst effizient und wirtschaftlich gelöst hat.
Problemfall Wohneigentümergemeinschaft
Ideen und ein Austausch dreier Fachleute über ihre Herangehensweisen und Möglichkeiten, komplexe Bestandssanierungen auch mit Wohneigentümergemeinschaften (WEG) umzusetzen, bilden den Schlusspunkt der Fachtagung. Heterogenität und unterschiedliche Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner machen solche Sanierungen oft schwierig. Die WEG-Verwalterin Petra Hübner, der Energieberater Joshua Lampe und der Architekt Kersten Schagemann geben Tipps, wie man die Menschen in WEG bei Bauvorhaben unterstützen kann – von der Erstansprache bis zur Umsetzung.
Das Herbstforum Altbau ist als Fortbildung von der Deutschen Energie-Agentur (dena), der Architektenkammer und der Ingenieurkammer des Landes zertifiziert. Weitere Informationen und Anmeldung >>>
