Hunde verfügen über ein ausgesprochen feines Geruchsvermögen. Das versetzt sie unter anderem in die Lage, verdeckte Schimmelschäden aufzuspüren. Je nach Feuchtigkeits- und Nährstoffgehalt der Baumaterialien sowie dem Schadensalter sorgen wechselnde Artenzusammensetzungen und -konzentrationen für unterschiedliche Gerüche. Bei der Spürhundausbildung müssen daher unterschiedliche Geruchskomponenten trainiert werden. Wichtig ist aber auch, dass der Hundeführer die Anzeigen des Hundes zu interpretieren versteht. Denn nicht immer ist der Ort der größten Geruchsintensität auch der Schadensort. Der Bundesverband Schimmelpilzsanierung e. V. (BSS) bietet eine Prüfung an, bei der ein Team aus Spürhund und Spürhundführer seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann.
Bei Feuchteproblemen kommt es nicht selten vor, dass sich im Verborgenen Schimmel entwickelt, zum Beispiel durch geringfügige und deshalb unerkannte Leckagen an wasserführenden Leitungen oder Undichtigkeiten der Gebäudehülle. Schimmel entsteht in solchen Fällen oft hinter Vorsatzschalen oder innerhalb von Fußbodenkonstruktionen, ohne dass dies durch Verfärbungen oder oberflächliche Feuchtigkeitsmessungen zu erkennen ist oder sich Gerüche entwickeln, die den Gebäudenutzern auffallen und als „Alarmsignal“ gedeutet werden können. Verdeckte Schimmelschäden können zu gesundheitlichen Problemen und zur Beauftragung von Sachverständigen führen. Es kann aber auch aus anderem Anlass erforderlich sein, den „hygienischen Istzustand“ zu untersuchen, zum Beispiel weil eine Immobilie angemietet oder gekauft werden soll. Bei der Suche nach „verdeckten“ Schimmelschäden steckt der Sachverständige in dem Dilemma, nicht zu viele, und wenn, dann begründete Proben zu nehmen. Zugleich erwartet der Auftraggeber aussagekräftige Untersuchungsergebnisse. Besonders schwierig wird es, wenn neuwertige oder besonders hochwertige Bauteile wie Marmor, hochwertige Holzverkleidungen, Parkett und so weiter beprobt werden müssen oder die Probenahme in sensiblen Bauteilen wie Fußböden mit Heizungs- und anderen Leitungen durchgeführt werden muss.
Spürhunde haben besondere Fähigkeiten
In solchen Situationen wird gern die „feine Nase“ von Schimmelspürhunden zu Hilfe genommen. Die besonderen Fähigkeiten von Hunden werden seit langer Zeit genutzt, zum Beispiel bei der Jagd oder dem Hüten von Herdentieren. Seit mehr als 15 Jahren werden in Deutschland Spürhunde auch eingesetzt, um Schimmelschäden aufzufinden. Der Geruchs- und Hörsinn von Hunden, gepaart mit ihrem Sozialverhalten, machen sie für diese Dienstaufgaben sehr wertvoll. Die Geruchswahrnehmung und -unterscheidungsfähigkeit von Hunden ist hoch entwickelt. Sie können besonders viele unterschiedliche Geruchskomponenten in geringen Konzentrationen erfassen. Zudem haben sie in ihrer oft lang gezogenen, feuchten Nase eine große Riechschleimhaut mit bis zu 220 Millionen Geruchszellen. Wie wichtig der Geruchssinn für den Hund ist, wird auch dadurch deutlich, dass circa ein Zehntel seines Gehirns für die Verarbeitung der Geruchsinformationen zuständig ist. So können Hunde die Geruchsinformationen aus ihrer rechten und linken Nasenhälfte unabhängig voneinander auswerten und differenzierte Informationen aus aufgenommenen Gerüchen ableiten. Sie können zum Beispiel unterscheiden, ob erfasste Geruchsstoffe eines Artgenossen von einem Rüden oder einer Hündin stammen und wie alt die Geruchsspur ist. Neben den anatomischen Voraussetzungen ist auch das Riechverhalten von Hunden für die Geruchsaufnahme optimiert. So können sie in schneller Folge kurze Luftzüge aufnehmen und auf diese Weise die Geruchsstoffe in der Luft viel besser wahrnehmen und differenzieren als ein Mensch.
Geruchsmuster kann stark variieren
Da bereits Raumnutzer in typischen Schadensfällen den charakteristischen Schimmelgeruch erkennen können, ist es leicht nachvollziehbar, dass in weniger eindeutigen Fällen Spürhunde fündig werden, da deren Geruchswahrnehmung die des Menschen um mindestens das 100.000-fache übertrifft. Die Schwierigkeit liegt nicht im Riechvermögen, sondern vielmehr in der Ausbildung und dem Training von Spürhunden. Im Gegensatz zu Suchaufgaben, wie zum Beispiel dem Auffinden von Sprengstoffen oder Drogen, ist die Suche nach Mikroorganismen viel schwieriger zu trainieren. Das liegt daran, dass das zu suchende Geruchsmuster – die spezielle Mischung aus unterschiedlichen Geruchskomponenten – viel stärker variieren kann. Unterschiedliche Feuchtigkeits- und Nährstoffgehalte von Baumaterialien sowie das Schadensalter führen zu wechselnden Artenzusammensetzungen und -konzentrationen, so dass auch unterschiedliche Geruchsmuster zu erwarten sind. Außerdem ändert sich die Abgabe von Geruchskomponenten in abgetrockneten Schäden zunehmend gegenüber denen in aktiven, feuchten Schäden, weil zum einen eine Vielzahl von Komponenten nicht mehr gebildet wird und zum anderen mit der Zeit die leichter flüchtigen Komponenten im Verhältnis zu den schwerer flüchtigen Komponenten abnehmen.
Hund muss sich für das „Suchspiel“ motivieren lassen
Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Spürhundausbildung ist, dass sich der Hund für das „Suchspiel“ motivieren lässt. Er sucht keineswegs bewusst Schimmel, sondern die in seiner Ausbildung erlernten Geruchsmuster, um von seinem Hundeführer Lob und Anerkennung oder auch eine Belohnung, zum Beispiel in Form eines „Leckerli“, zu bekommen.
Autoren: Dr. Christoph Trautmann, Dr. Charlotte Herrnstadt und Katja Krauß
Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 06-2015

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