Den mengenmäßig größten Anteil der von der Gipsindustrie hergestellten Produkte verbraucht die Bau- und Baustoffindustrie – zum Beispiel Gipskartonplatten. (Quelle: Knauf)

Bauwerkserhaltung

01. September 2022 | Teilen auf:

„Heimischer Naturgipsabbau ist unverzichtbar!“

Aus dem auf der letzten Wirtschaftsministerkonferenz Ende Juni vorgelegten Bericht zur Bestandsaufnahme vorhandener natürlicher Gipsvorkommen sowie landesplanerisch bereits gesicherter Gips-Rohstoffflächen in Deutschland zieht der Bundesverband der Gipsindustrie eine eindeutige Schlussfolgerung: Es gebe keine Alternative zum Abbau von heimischem Naturgips.

Im Jahr 2038 sollen nach derzeitigen Planungen die letzten Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden. Das bedeutet, dass der für die Gips-Industrie so wichtige REA-Gips, der bei der Entschwefelung der Rauchgase der Kohlekraftwerke entsteht, zukünftig nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Die Wirtschaftsministerkonferenz hatte deshalb im Jahr 2020 den Bund/Länder-Ausschuss Bodenforschung (BLA-GEO) gebeten, eine deutschlandweite Bestandsaufnahme der vorhandenen natürlichen Gipsvorkommen und der landesplanerisch gesicherten Gips-Rohstoffflächen zu erstellen. Diese Bestandsaufnahme soll der Entscheidung über notwendige Maßnahmen zur Sicherstellung einer nachhaltigen Versorgung mit Gips dienen.

Der Bericht zu dieser Bestandsaufnahme wurde nun veröffentlicht. In Bezug auf notwendige Maßnahmen zur Sicherstellung einer nachhaltigen Versorgung mit Gips in Deutschland stellt der Bericht unter anderem fest: „Im Vorfeld einer industriellen Nutzung sind Bund und Länder gefragt, die Erkundung neuer Gips-Lagerstätten zu befürworten und aktiv zu unterstützen. Erst mit dem Nachweis von nutzbaren Lagerstätten kann abgewogen werden, ob einer nachhaltigen, umweltschonenden, regionalen Rohstoffgewinnung oder ausschließlich den Belangen des Naturschutzes der Vorrang zu geben ist.“

Für Thomas Bremer, den Vorsitzenden des Bundesverbands der Gipsindustrie, ist trotz dieser zurückhaltend formulierten Stellungnahme klar: „Der heimische Naturgipsabbau ist unverzichtbar! Er ist der Umweltverträglichste und er sorgt für eine Unabhängigkeit von anderen Ländern und Einflüssen. Wer diesen Abbau verhindern will, muss deutlich sagen, dass man Gips von anderswo mit einem erheblich schlechteren ökologischen Fußabdruck importieren muss.“

Auf der Basis der Bestandsaufnahme qualifizierte Entscheidungen treffen

Der Bundesverband der Gipsindustrie hatte die Bestandsaufnahme begrüßt, da es nunmehr möglich sei, qualifizierte Entscheidungen über notwendige Maßnahmen zur Sicherstellung einer nachhaltigen Versorgung mit Gips in Deutschland zu treffen. Damit werde auch eine verlässliche mittel- und langfristige Planbarkeit für die Unternehmen geschaffen.

Jetzt müssten aus der Bestandsaufnahme der Wirtschaftsministerkonferenz die notwendigen Schlüsse gezogen werden, so Bremer weiter. Ohne Gips gehe es nicht, er werde in vielen Lebensbereichen genutzt und auch zukünftig benötigt. Den mengenmäßig größten Anteil der von der Gipsindustrie hergestellten Produkte verbraucht die Bau- und Baustoffindustrie in Form von Baugipsen, Gipsplatten, Gipsfaserplatten, Gipswandbauplatten sowie Fließestrichen und anderen Estrichstoffen. Die Zementindustrie ist ein weiterer bedeutender Abnehmer.

Auf absehbare Zeit keine Alternativen zum Naturgips

Der vorgelegte Bericht macht nach Ansicht des Bundesverbandes zudem deutlich, dass es auf absehbare Zeit keine wirklichen Alternativen zum Naturgips in größeren Mengen geben wird. Beim Gips-Recycling gibt es beispielsweise noch ungeklärte Fragen hinsichtlich der geringen Anzahl an geeigneten Recyclinganlagen, der Separierung des Gipses aus den Bauabfällen und der Grenzwerte von Schadstoffen, insbesondere von Asbest. Immer wieder werden auch synthetische Gips als Ersatz zum Naturgips ins Spiel gebracht. In Deutschland wird derzeit allerdings kein Phosphorgips produziert. Die Akzeptanz für Produkte aus radioaktiven Phosphatgips als Ausgangsrohstoff in der Gipsindustrie und vor allem in der Bevölkerung ist zudem mehr als fraglich. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 01.09.2022