Wiederum mehr als 300 Teilnehmer und eine bereits weit im Vorfeld ausgebuchte Fachausstellung: Die Hanseatischen Sanierungstage haben bei vielen in der Altbausanierung tätigen Planern, Sachverständigen und Ausführenden einen festen Platz im Terminkalender.
Der ausrichtende Bundesverband Feuchte & Altbausanierung e. V. (Bufas) hatte die 24. Auflage unter das Thema „Messen – Planen – Ausführen“ gestellt. Es spiegelt zugleich die Zielgruppen der Veranstaltung als auch den Anspruch wider, den Austausch zwischen den verschiedenen Sanierungsbeteiligten zu fördern.
Themen waren zum Beispiel Thermografie, Blower-Door-Messung, ein Vorgehen zum Finden des objektbezogen optimalen Untersuchungsaufwands, Erkennen von Schadstoffen, Witterungsschutz von Fassaden, energetische Modernisierung von Holzkastenfenstern, Sockelausbildung, Natursteinrestaurierungen, mechanische und chemische Horizontalsperren, Wärmedämmputz, Bekämpfungsmittel im Holzschutz, die Teile 2 und 3 der DIN 4108, Holzschäden an tragenden Bauteilen von Biogasanlagen und als Diskussionsthema die Gebrauchsklasse 0 in der Holzschutznorm. In der Januar-Ausgabe wird B+B BAUEN IM BESTAND ausführlicher über einige

dieser Themen berichten. Hier möchte ich zwei Themen herausgreifen.
Gebäude- und Bauteilsockel sanieren
Dr. Helmut Kollmann stellte ein neues WTA-Merkblatt vor, das den Titel „Instandsetzung von Gebäude- und Bauteilsockeln“ tragen soll. Gerade dieser Übergang zwischen dem erdberührten Bereich mit der Bauwerksabdichtung und der Fassade ist besonderen mechanischen, chemischen und biologischen Belastungen ausgesetzt, die zum Beispiel zu Verschmutzungen, Hohlstellen, Farbabblätterungen, Rissen und Zerstörungen durch Feuchtigkeit und Salze führen können.
Das neue WTA-Merkblatt 4-9 wird darstellen, wie durch Beobachtungen vor Ort und eine Zustandsanalyse ein Instandsetzungskonzept erstellt und die

darauf aufbauende Ausführung durchgeführt werden kann. Kollmann ging in diesem Zusammenhang darauf ein, was zu tun ist, wenn ein WDVS auf einem kapillar saugenden Altputz aufgebracht wird. Hier muss verhindert werden, dass Wasser hinter der Dämmplatte im Altputz aufsteigt. Eine mögliche Lösung ist es, den Altputz an der Unterkante der Dämmplatte bis zur Bauwerksabdichtung 10 bis 20 Millimeter breit aufzutrennen und diese Fuge dann mit einer flexiblen mineralischen Dichtmasse zu verschließen. Diese „Plombe“ verhindert das Aufsteigen von Feuchtigkeit im Putz.
Holz in Biogasanalgen durch biochemische Angriffe zerstört
Ein neues, bislang noch nicht untersuchtes Schadensphänomen stellte Detlef Krause, Sachverständiger für Holz- und Feuchteschäden, vor. Anlass war die Zerstörung eines Holzdaches im Fermenter einer Biogasanlage nach einer Standzeit von lediglich sechs Jahren. Hierbei scheint es sich nicht

um einen Einzelfall zu handeln.
Auffällig ist das Bruchbild der Balken mit glattkantigen Brüchen und einem abnormalen Rissverlauf. Der pH-Wert in der Bruchzone lag bei 3. Im Lichtmikroskop waren Schädigungen der Holzstruktur zu erkennen. Da das Klima im Fermenter dauerhaft bei 35–40 °C und 100 relative Luftfeuchtigkeit liegt, können Säure und gelöste Salze auch über Diffusionsströme in das Holz gelangen.
Die interne Entschwefelung in der Biogasanlage führt dazu, dass sich auf den Holzbalken nicht nur Schwefel ablagert, sondern teilweise auch Schwefelsäure bildet. Krause vertrat daher die These, dass dieser biochemische Angriff zu einer Zersetzung des Holzes führt mit Abnahme der Festigkeit bis hin zum Versagen.

An der Hochschule in Wismar wurde am Institut von Prof. Claudia von Laar das Holz aus einem zweiten Fermenter untersucht, der ebenfalls abgebrochen werden musste. Die Untersuchungen bestätigen hohe Holzfeuchten von im Mittel 119–131 Prozent, im Extrem sogar bis 210 Prozent, hohe Salzkonzentrationen im Holz und die Verschiebung des pH-Wertes in den sauren Bereich.
Weiterführende Untersuchungen sollen den genauen Schadensmechanismus klären. Die jetzigen Ergebnisse lassen sich nicht generell auf andere Schadensfälle in Fermentern übertragen. Denn die Prozesse hängen insbesondere von den Gärsubstraten, die Zusammensetzung der abbauenden Bakterienpopulationen und den verschiedenen Prozessbedingungen ab.
Michael Henke