„Volles Haus“ – bereits zur Begrüßung der Teilnehmer verkündete der BuFAS-Vorstandsvorsitzende, Prof. Axel C. Rahn, dass der Zuspruch in diesem Jahr in etwa das Vor-Corona-Niveau erreicht habe. Der ausrichtende Bundesverband Feuchte & Altbausanierung e. V. (BUFAS) hatte die 33. Sanierungstage in der Musik- und Kongresshalle (MuK) vom 16. bis 18. November in Lübeck unter das Thema „Erhalten durch Sanieren – denkMal drüber nach!“ gestellt.
Den Anfang machte der Nachwuchsworkshop für Schüler und Studenten mit dem Titel „Fit für die Baustelle?“. In den ersten beiden Veranstaltungssektionen „Denkmalpflege und Bautenschutz in der Praxis I+II“ standen ein Vortrag zum Thema „Denkmalgerechte Sanierung – wie geht das?“ und das Praxisbeispiel zur Sanierung des Tübinger Rathauses auf dem Programm.

Referentin Prof. Dr. Sylvia Stürmer aus Konstanz berichtete nicht nur von der Fertigstellung des Rathauses, seinen ökologischen Besonderheiten und der Akzeptanz durch seine Benutzer, sondern auch von der Weiterführung des Kreislaufgedankens in Richtung Urban Mining und der Auslotung weiterer Einsatzmöglichkeiten für RC-Körnungen. Dazu wurden unter anderem Untersuchungsergebnisse der Zusammenarbeit mit der Georg Reisch GmbH & Co KG aus Bad Saulgau mit Vor-Ort-Körnungen vorgesellt. Stürmer warb für mehr Akzeptanz von Recycling-Baustoffen und zeigte einige der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten auf – darunter auch bei Bestandsgebäuden.
Denkmalpflege und Bautenschutz in der Praxis
Die Frage „Was ist Schweinfurter Grün?“ wurde zu Beginn der Sektion 2 beantwortet, bevor es weiter um Instandsetzungen von Hochhausfassaden und denkmalgeschützten Bauten ging. Für die Instandsetzung von vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden aus Stahlbeton-Fertigteilen mit einer werkseitig angemörtelten drei bis vier Zentimeter dicken Bekleidung aus Torfbrandklinkern mit systematischen Schadensbildern gibt es keine allgemein anerkannten Regeln der Technik. Dr.-Ing. Thomas Schrepfer aus Berlin beschrieb in seinem Vortrag die Herangehensweise zur Ermittlung der Schadensursachen, das Vorgehen zur Erarbeitung eines Instandsetzungskonzepts, die Prüfung der Eignung der vorgesehenen Materialien und Arbeitsschritte an Musterflächen und die notwendige fachtechnische Qualitätsüberwachung der Arbeiten. Zur Kontrolle der Dauerhaftigkeit der instandgesetzten Fassaden wurde zusätzlich ein Inspektionskonzept erarbeitet, das ebenfalls kurz vorgestellt wurde.
Abdichtungstechnik – unbegrenzte Möglichkeiten?
Die Sektion 3 „Abdichtungstechnik“ startete am darauffolgenden Tag unter anderem mit einem Referat zum Stand des WTA-Merkblatts 4-6 „Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile“. Die Abdichtung von Bädern auf Holzdecken war das Thema von Thomas Platts aus Hamburg. Er beschrieb in seinem Vortrag einleitend die grundsätzlich nach Norm für die Abdichtung von Wohnungsbädern und vergleichbaren Nutzungen geltenden Anforderungen und stellte Lösungsansätze und Ausführungsempfehlungen für die Ausführung von Abdichtungen oberhalb von Decken aus Holz und Holzwerkstoffen vor. Neben Vorschlägen für Detaillösungen, wie Anschlüsse im Bereich von bodengleichen Duschen, wurde aufgrund des feuchteempfindlichen Untergrunds auch auf die in DIN 18534 beschriebenen Zuverlässigkeitskriterien besonderes Augenmerk gerichtet und beschrieben, wie man die Zuverlässigkeit von Abdichtungen in Nassräumen des Holzbaus erhöhen kann.
„Bauen im Bestand - Monitoring“ folgte in Sektion 5. Hier wurde gezeigt, wann Monitoringsysteme Sinn machen oder wie die nachträgliche Verankerung von zweischaligem Mauerwerk mit Ortschaum funktioniert. Monitoringsysteme sind im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit im Rahmen der Bauwerkserhaltung und Instandhaltung sinnvoll und anzuraten, um einerseits Erfahrung im Hinblick auf die Dauerhaftigkeit von Sanierungsmaßnahmen zu sammeln und andererseits Wartung und Instandhaltung zielgerichtet zu planen, so Prof. Axel C. Rahn aus Berlin in seinem Vortrag. Er verdeutlichte, dass Monitoring wichtig sei, um bei verschiedensten Vorhaben Fortschritte in der Entwicklung und im Umgang mit Projekten zu machen. Er wolle mit seinem Vortrag versuchen, mit Monitoringsektionen ein kollektives Erfahrungssammeln und einen kollektiven Erfahrungsaustausch anzustoßen.
Großes Interesse herrschte allgemein am Thema der Sektion 6 mit der Vergabe des Nachwuchs-Innovationspreises Bauwerkserhaltung. Verbunden mit einer Laudatio von Dr.-Ing. Ruhnau wurde der Nachwuchs-Innovationspreis an Jelena Jankovic vergeben, die nachfolgend die Gelegenheit erhielt, ihre Masterarbeit vorzustellen.
Fußbodensanierungen – der Teufel steckt im Detail
Der letzte Tag mit den Sektionen 8 und 9 widmete sich komplett dem Thema Fußböden und Beläge mit Beiträgen wie beispielsweise „Welche Untergründe sind im Fußbodenaufbau bei Sanierungen zu erwarten?“ oder „Überraschungen bei der Erkundung von Fußbodenaufbauten im Bestand“.
Viele Gebäude werden während ihrer Nutzungsdauer saniert. Häufig werden Leitungen ausgetauscht oder neue Beläge auf Böden oder Wänden aufgebracht. Bei Wasserschäden in Gebäuden ist meist auch der Fußbodenaufbau vernässt. Bei der Bauteilöffnung ist, insbesondere bei Altbauten, mit ungewöhnlichen Leitungswegen, diversen Aufbauten und auch mit Schadstoffen zu rechnen. Schimmelpilze, Schwammbefall oder Fäkalkeime könne durch den schadensursächlichen Rohrbruch oder durch Überflutung eingespült werden. Gebäudeschadstoffe wie Asbest, künstliche Mineralfasern oder polyaromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind in vielen Fällen durch neue Oberbodenbeläge verdeckt. Dr. Christoph Portner und Claudia Porath aus Düsseldorf näherten sich dem Thema und erläuterten Erkenntnisse und Ergebnisse verschiedener Erkundungen anhand von Beispielen.
Auch das Begleitprogramm konnte sich sehen lassen
Neben den Fachvorträgen konnten Interessierte Sinn und Zweck der ISO 9001 erfahren. Zu diesem Workshop hatte Dr. Matthias Witte als Geschäftsführer der Zertifizierung Bau GmbH eingeladen. Zeitgleich waren die Studenten zu einem Workshop über den Studiengang „Bauen im Bestand“ eingeladen und erhielten wertvolle Tipps von Prof. Dr. rer. nat. Constanze Messal über den Übergang von Studium in den Beruf und den dafür erforderlichen Kenntnissen und Fähigkeiten.
Die nächsten Sanierungstage in Lübeck finden im kommenden Jahr vom 7. bis 9. November 2024 statt. Weitere Informationen >>>