Gesunder Lebensraum Schule 1
Für den Ausbau dieses Modellklassenzimmer wurde emissionsarme Bauprodukte eingesetzt. (Abb. B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Innenraumluft 2015-03-30T00:00:00Z Gesunde Schulluft ist nicht teurer

Werden bei Neubau und Modernisierung von Schulräumen gezielt emissionsarme Bauprodukte und Möbel ausgewählt, ist die Schadstoffkonzentration in der Innenraumluft deutlich geringer, als wenn auf diesen Aspekt nicht geachtet wird. Das ist das Ergebnis des Projekts „Gesunder Lebensraum Schule“, das das Sentinel Haus Institut zusammen mit dem TÜV Rheinland durchführt.

Erste Ergebnisse wurden am 23. März 2015 auf einer Pressekonferenz beim TÜV Rheinland in Köln vorgestellt. Für die Untersuchung wurden zwei identische Modellklassenzimmer im Labor errichtet. Eines wurde mit Produkten ausgebaut und möbliert, die nachweislich nur wenig Emissionen abgeben, für das andere wurden die Produkte nach dem Zufallsprinzip im Baustoffhandel beziehungsweise bei Anbietern von Schulmöbeln erworben. Verarbeitet wurden alle Werkstoffe nach Herstellerangaben von Handwerkern, die im schadstoffarmen Bauen geschult sind. Außerdem wurde eine automatische Lüftung umgesetzt, die in beiden Räumen sicherstellte, dass alle 45 Minuten fünf Minuten gelüftet wurde.

Die Schadstoffbelastung der Innenraumluft mit Aliphaten, Aldehyden und Ketonen, Terpenen, organischen Säuren und TVOC lag in dem Raum mit zufällig ausgewählten Bauprodukten sieben Tage nach dem Einbau mehr als doppelt (TVOC) bis mehr als achtmal (Terpene) so hoch wie in dem mit emissionsarmen Produkten ausgebauten Raum. Sie überschreiten teilweise die Empfehlungen des Bundesumweltamtes.

Gesunder Lebensraum Schule 2 Walter Dormagen
Erläuterte Versuchsaufbau und Ergebnisse des Modellversuchs: Dr. Walter Dormagen. (Abb. B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Dramatisch schnellten die TVOC-Werte in dem nicht schadstoffoptimierten Raum nach der Möblierung nach oben. Bei diesen Werten sollte dieser Raum nur maximal eine Stunde betreten werden, erläuterte Dr. Walter Dormagen, Geschäftsfeldleiter Gefahrstoffe, Mikrobiologie und Hygiene bei TÜV Rheinland Industrie Service. Er stellte die Ergebnisse zusammen mit dem Geschäftsführer des Sentinel Haus Institut, Peter Bachmann, vor.

Ähnliche Ergebnisse wurden nach einem Renovierungszyklus mit gleichen Auswahlkriterien gemessen. Auch die Wahl der Reinigungsmittel beeinflusst die Qualität der Innenraumluft. Auch das wurde bei dem Versuch nachgewiesen.

Der Ausbau und die Möblierung des Modellklassenraums mit emissionsgeprüften Produkten waren nicht teurer als der Ausbau des anderen Klassenraums. Werden Emissionskriterien berücksichtigt, ist mit maximal 1,5 Prozent höheren Bau- und Anschaffungskosten zu rechnen, berichtete Hans Christian Markert von der Fraktion der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag. Im Gegenzug ist aber sichergestellt, dass Schulen nicht wegen zu hoher Schadstoffkonzentrationen geschlossen werden müssten. Bachmann erzählte, dass ihn zwei bis drei Meldungen pro Woche erreichten, dass Bildungseinrichtungen aus genau diesem Grund vorübergehend geschlossen werden müssten.

Das Thema gesundheitliches Risiko durch Schadstoffemissionen ließe sich in der Ausschreibung verankern, erläuterte Bachmann. Ein Problem sei noch, dass viele Hersteller ihre Produkte nicht auf Schadstoffemissionen testen lassen. Das Sentinel Haus Institut berate einen großen Baustoffhändler, der rund 60.000 Produkte im Sortiment führe, berichtet Bachmann. Von diesen seien nur 4.000 entsprechend geprüft. EPDs seien bei diesem Problem nicht aussagekräftig, Planer und Verarbeiter müssten vielmehr gezielt nach entsprechenden Emissionszertifikaten fragen.

Fachkonferenz „Gesunder Lebensraum Schule“ findet am 28. April statt

Am 28. April findet die Fachkonferenz „Gesunder Lebensraum Schule“ in Köln statt, auf der das Thema weiter vertieft wird.

Weitere Informationen zur Fachkonferenz unter www.tuv.com/gesundes-bauen . Weitere Informationen zum Modellprojekt unter www.tuv.com/gesundes-bauen-projekt .

Michael Henke

zuletzt editiert am 09. April 2021
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