Geschäftsprozesse Blochmann
Bauunternehmer Rolf Scharmann testet das modellbasierte Arbeiten in seinem Betrieb. (Abb.: Johann Augel Bauunternehmung GmbH)

Betrieb 2015-03-25T00:00:00Z Geschäftsprozesse noch einfacher gestalten

Beim modellbasierten Arbeiten werden Bauvorhaben ganzheitlich und effektiv geplant, realisiert und betrieben. Bisher setzen vornehmlich große Bauunternehmen diese Arbeitsmethode ein. Ein aktuelles Projekt befasst sich mit der Frage, wie sich BIM auch für kleine und mittelgroße Baubetriebe nutzen lässt.

Bauprojekte gestalten sich zunehmend komplexer und müssen mit hoher Qualität schnell und kostengünstig realisiert werden. Ohne praxisorientierte IT-Unterstützung ist dies heute kaum mehr machbar. Bauwerksdaten müssen ohne Informationsverlust zwischen verschiedenen Systemen übertragen werden, so dass unterschiedliche Informationsstände gebündelt und Fehler vermieden werden. Neben den reinen Bauleistungen werden heute zunehmend auch Betrieb und Instandhaltung in der gesamten Wertschöpfungskette mit angeboten. Dies macht durchgehende und breit genutzte IT-gestützte Kommunikation sowie standardisierte Geschäftsabläufe erforderlich.

Optimierung der Abläufe dank BIM

Beim modellbasierten Arbeiten, dem sogenannten Building Information Modeling (BIM), wird das Planen, Bauen und Bewirtschaften durch IT-Anwendungen optimiert. Dabei entsteht ein digitales Bauwerksmodell, welches bauteilorientiert geometrische und beschreibende Informationen integriert. In dem virtuellen Bauwerksmodell können relevante Gebäudedaten wie Quantitäten und Qualitäten der Bauteile oder Kosten hinterlegt und für die am Bau Beteiligten zugänglich gemacht werden. BIM ist keine Software, sondern eine Methode, um ganzheitlich und effektiv planen, bauen und betreiben zu können. Größere Bauunternehmen und große Bauherren setzen schon seit einiger Zeit auf modellbasiertes Arbeiten. In der auf Initiative des Bundesministers Dr. Peter Ramsauer gebildeten Reformkommission für Großprojekte wurde eine eigene Arbeitsgruppe zum Thema BIM eingerichtet. Wie kann aber die große Anzahl der zumeist klein- und mittelständisch orientierten Unternehmen der Bauwirtschaft durch die Anwendung von BIM profitieren? Dieser Frage gehen die Projektpartner und das RKW Kompetenzzentrum in einem gemeinsamen, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Projekt nach.

Prozesse beim Bauen im Bestand vereinfachen

Für typische Geschäftsprozesse in den erfolgversprechenden Geschäftsfeldern Bauen im Bestand und Facility Management werden einfach bedienbare Softwaretools erarbeitet und handwerkergerecht implementiert. Direkt eingebunden in die Arbeiten sind Praxispartner aus der mittelständischen Bauwirtschaft und dem Bauhandwerk. Damit wird sichergestellt, dass die entwickelten Softwaretools nicht am Bedarf vorbei, sondern genau auf die Bedürfnisse der Unternehmen zugeschnitten werden.

In der Praxis getestet

Rolf Scharmann, Geschäftsführer der mittelständischen Johann Augel Bauunternehmung GmbH in Weibern bei Koblenz, und Dr. Jörg Dittrich, Inhaber eines Dachdeckerbetriebes in Dresden, sind an der Entwicklung einer Musterlösung für ein grafisch unterstütztes Verfahren zur effektiven Angebotskalkulation beteiligt. „Um einen Auftrag zu bekommen, muss ich in der Regel eine Vielzahl von Angeboten bearbeiten“, erklärt Bauunternehmer Rolf Scharmann. Gerade beim Bauen im Bestand sind oftmals nur unvollständige Unterlagen und Leistungsverzeichnisse vorhanden, auf deren Basis die Kostenermittlungen durchgeführt werden müssen. Durch modellbasiertes Arbeiten könnten auf der Grundlage eines Bestandsplans mit einem grafischen Verfahren sehr schnell die Mengen erfasst und mit qualitativen Eigenschaften und Kosten verknüpft werden. „Damit werden Kostenermittlungen schnell und hinreichend sicher möglich“, erläutert der Bauunternehmer.

Die Vorteile liegen auf der Hand

Diese Methode spart Zeit und Kosten und hilft Fehler zu vermeiden. Durch geeignete Voreinstellungen in der Software könnte die Effektivität weiter gesteigert werden. So könnten z. B. verschiedene Gebäudeklassen als Standard durch Voreinstellungen der für diese Region und Baujahr typischen Materialien konfiguriert und so die Phase der Modellerstellung beschleunigt werden.

Ein besonderes Problem ist die Erfassung und Steuerung der unterschiedlichen Gebäudezustände: Bestand, Abbruch und Neubau in einer Modellierungsebene. Anhand von konkreten Beispielen aus seiner Baupraxis arbeitet Rolf Scharmann zusammen mit den Softwarespezialisten von Dr. Schiller & Partner und f:data an der Lösung des Problems.

Autor: Günther Blochmann

Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus Baugewerbe, Ausgabe 9-2013

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zuletzt editiert am 09. April 2021
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