Anhaltende und als störend empfundene Gerüche in Innenräumen können ganz verschiedene Quellen haben. Sie weisen häufig auf mitunter gesundheitsschädliche Ausdünstungen von Bauprodukten oder versteckte Bauschäden hin. Die Sanierung setzt die Ortung ihrer Quelle und die Analyse der geruchsverursachenden Stoffe voraus.
Beschwerden über Geruchsprobleme in Innenräumen sind mittlerweile einer der Hauptgründe für die Durchführung von Raumluftmessungen in Gebäuden. Dabei werden Gerüche individuell sehr unterschiedlich empfunden und bewertet. Geruchsbelästigungen gelten allgemein als Umweltstressfaktoren und sind häufig Ursache von Beschwerden und Konflikten, bis hin zu gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen Mieter und Vermieter oder Bauherren und Auftragnehmern.
Verbindliche konzentrationsbezogene Grenz- oder Richtwerte für Geruchsstoffe liegen bislang nicht vor. Das Auftreten von Gerüchen ist laut Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) eine Belästigung, aber keine Gefahr. Dass Geruchsbelästigungen Stress hervorrufen können, ist nach Auffassung der Innenraumhygienekommission des Umweltbundesamtes jedoch als anerkannt anzusehen. Negative Auswirkungen sind besonders dann zu erwarten, wenn Gerüche als sehr unangenehm oder gar gefährlich wahrgenommen werden.
Nach den Bauordnungen der Länder sind bauliche Anlagen so zu errichten und instand zu halten, dass "Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen nicht gefährdet werden" (§ 3 Musterbauordnung, MBO). Bauprodukte, mit denen Gebäude errichtet oder die in solche eingebaut werden, haben diese Anforderungen insbesondere in der Weise zu erfüllen, dass "durch chemische, physikalische oder biologische Einflüsse Gefahren oder unzumutbare Belästigungen nicht entstehen" (§ 16 MBO).
Um Geruchsprobleme in der Innenraumluft zu erfassen und zu bewerten, gibt es in Deutschland bisher keine normativen Grundlagen. Die Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute (AGÖF) hat allerdings den Leitfaden "Gerüche in Innenräumen Sensorische Bestimmung und Bewertung" erarbeitet, der eine harmonisierte Vorgehensweise beschreibt (www.agoef.de). Er behandelt die Durchführung von sensorischen Geruchsprüfungen durch zertifizierte Prüfer vor Ort und gibt Empfehlungen, wie man die Gesamtbeurteilung eines Geruchsproblems erstellen kann.
Damit Geruchsprobleme erst gar nicht entstehen, ist es gerade beim Bauen im Bestand wichtig, mögliche Risikofaktoren und Quellen zu kennen, insbesondere weil im Rahmen von Sanierungen häufig aus Gründen der Energieeinsparung und zum Vermeiden von Bauschäden die Luftdichtigkeit der Gebäude verbessert wird. Dieses schränkt sofern keine lüftungstechnischen Anlagen nachgerüstet werden den natürlichen Luftwechsel, also die Grundlüftung des Gebäudes, ein. Zuvor beschwerdefreie Innenräume können dadurch zu Problemfällen werden.
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