Ein Arbeiter schneidet mit einem Trennschleifer einen Steinblock auf einer Baustelle.
Beim Bearbeiten von Naturstein kann geogener Asbest freigesetzt werden. (Quelle: neelam279-pixabay)

Schadstoffe 2026-02-04T12:49:00Z Geogener Asbest: Regulierung gefordert

Die im Dezember 2025 novellierte Gefahrstoffverordnung hat den Umgang mit Asbest bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten noch einmal verschärft. Nicht reguliert wird bisher aber die Bearbeitung und Verwendung von Materialien, die von Natur aus sogenannten geogenen Asbest enthalten. Das kritisiert das Prüflabor CRB Analyse Service.

Dieser geogener Asbest kann ungewollt in Produkten landet. „Hier sprechen wir beispielsweise über Talkumpulver, Gesteinssplit in Straßenbelägen, über besandete Dachpappen oder Wandputz. Auch in Arbeits- oder Fußbodenplatten aus Schiefer und Marmor lassen sich Asbestpartikel finden“, berichtet Dr. Stefan Pierdzig, Laborleiter des Asbest-Prüflabors CRB Analyse Service (CRB). Er vermisst Richtlinien zur Unterscheidung von technischem und geogenem Asbest. „Alle Kriterien der Analytik stammen noch aus Zeiten, in denen Kenntnis und Bewusstsein der Problematik fehlten. Es wird höchste Zeit, daran etwas zu ändern und Regeln zu definieren“, so der promovierte Geologe. Als Teil des VDI-Richtlinienausschusses und Fachkongress-Sprecher treibt er die Diskussion voran, die mit dem Abfall-, Chemikalien-, Bau- und Gefahrgutrecht viele Rechtsbereiche tangiert. 

Geringeres Freisetzungs- und Gefährdungspotenzial, aber ... 

Die Forschung nach Unterschieden in der medizinischen Toxizität der verschiedenen Asbestvarianten bietet bisher wenig Belastbares. Fest steht, dass sich der Asbestgehalt sowie das Gefährdungs- und Freisetzungspotenzial von Fasern unterscheiden: Baustoffe mit technisch zugesetztem Asbest rangieren in der Regel weit über Materialien mit geogenem Asbest. Während in technischem Asbest dünne und sehr lange Fasern stecken, treten primär faserförmige Anteile in geogenem Asbest als kurze und dicke Fasern auf. Häufig werden sie erst bei Bearbeitungsprozessen wie Brechen, Schneiden, Bohren oder Sieben freigesetzt. 

Diese Erkenntnisse betreffen alle Gewerke, vor allem das Steinmetzhandwerk, den Straßen- und Tiefbau sowie den GaLa-Bau. Ohne Schutzmaßnahmen gelangen feine Asbestbestandteile mit der Atemluft in die Lunge, reizen die Organe und führen zu langfristiger Narbenbildung. Wie beim technischen Asbest steige das Risiko für Krankheiten wie Asthma, Kurzatmigkeit, Lungenkrebs und andere Krebserkrankungen, so CRB. Auch bei Arbeiten mit Materialien, die geogenen Asbest enthalten, sind nach Ansicht des Prüflabors deshalb Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel die Nutzung von Atemschutz oder Staubsaugern mit Schwebstaub-Feinfilter der H-Klasse notwendig.  Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 04. Februar 2026