Ein Gaubensanierungssystem ermöglicht die wärmebrückenfreie Dämmung von Dachfläche und Gauben. Eingesetzt wurde das System, bei dem die Optik der Bestandsgaube weitgehend erhalten bleibt, bei der Sanierung zweier Wohnblöcke in Nürnberg.
Um Baugrundstücke effektiv zu nutzen, bietet sich unter anderem ein Dachausbau an. Diese Chance war auch bei den beiden Mehrfamilienhäusern im Nürnberger Delsenbachweg genutzt worden: Ihr Dachgeschoss war bereits 1962 ausgebaut worden.
Energetisch entsprach weder die damals eingebaute Mineralfaserdämmung noch die übrige Gebäudehülle den Anforderungen an zeitgemäßen Wohnkomfort. Deshalb beschloss die Eigentümergemeinschaft der beiden Wohnblöcke im Jahr 2011, die Dämmung der gesamten Gebäudehülle ertüchtigen zu lassen.
Wechsel des Dämmsystems
Bei den Dämmmaßnahmen sollte das Dach den Anfang machen:
Statt einer Sparrenaufdoppung wie die Ausschreibung vorsah, schlug die Zimmerei Vitzthum eine Aufsparrendämmung für insgesamt 407 m² großen Dachflächen aus dem "Linitherm PAL 2U" vor. Zusammen mit dem GS Gaubensanierungssystem ist das System laut Hersteller eine wärmebrückenfreie Außendämmung der gesamten Dachfläche inklusive Gauben.
Gaubensanierung
Im Zuge einer Sanierung sind Gauben oft problematisch: Sie erfordern individuelle Detaillösungen.
Bei der in Nürnberg eingesetzten Dämmung werden derartige Probleme dadurch umgangen, dass die Gaubensanierungsplatte die Bestandsgaube als homogene Schicht umhüllt. So entsteht zusammen mit der Aufsparrendämmung eine wärmebrückenfreie Außendämmung aus einem Guss.

Die Arbeitsschritte: Im Zuge der Dachabdeckung entfernten die Zimmerer auch die äußeren Gaubenverkleidungen. Ein Ausräumen der bestehenden Dämmung aus den Gauben war dabei nicht erforderlich.
Anschließend dichteten die Mitarbeiter der Zimmerei die bestehenden Gaubenkonstruktionen mit der zum System gehörenden "L+D-Folie" ab, die gleichzeitig die Funktion einer Dampfsperre und einer luftdichten Ebene übernimmt. Da sie dabei die Folien von Gauben und Dach miteinander verklebten, entstand eine homogene Abdichtung, die Dachfläche und Gauben in sich einschloss.

Nach der Dämmung der Dachfläche montierten die Zimmerer die Dämm-Platten. Dabei handelt es sich um Sandwichelemente, die aus einer außenseitigen, 22 mm starken OSB-Platte und einer in ihrer Stärke variablen PUR/PIR-Dämmplatte bestehen. Angeboten werden die Dämmelemente in Gesamtstärken zwischen 82 und 162 mm, was einem Element-U-Wert zwischen 0, 35 und 0,17 W/m²K entspricht. Da die Querschnitte der Gaubensanierungsplatten dank der hohen Dämmwirkung von PUR/PIR relativ schlank ausfallen können, lässt sich die Optik der sanierten Gaube weitgehend erhalten.
Die Sandwichelemente werden auf dem Dach zugeschnitten und anschließend mit Schrauben in der Holzkonstruktion der Bestandsgaube verankert. Um Wärmebrücken zu vermeiden, werden schließlich die Fugen zwischen Gauben- und Dachdämmung ausgeschäumt.
Zu den Eigenschaften des Dämmstoffs gehört, dass er bauökologisch unbedenklich, unverrottbar, recycelbar, schimmel- und fäulnisresistent ist.
Aufdachdämmung
Einen Vorteil der Aufsparrendämmung sehen Architekt und Zimmerer darin, dass man die alte Mineralfaserdämmung großenteils im Dach belassen kann. Lediglich im Traufbereich und am First wurde die alte Dämmung in einer Breite von 50 cm aus den Sparrenfeldern entfernt.
Problemlose Anschlüsse
Im Delsenbachweg gab es eine Reihe von Dachgauben und Dachaufbauten (Treppenhäuser, Aufzüge, Kamine etc.), die bei der Sanierung sauber an die luftdichte Ebene in der Dachfläche anschließen mussten.
Für den Übergang zwischen Dach- und Fassadendämmung wurden die Sparren gekappt, die Folie über den Dachrand gezogen und mit der darunter liegenden Fassade verklebt. So ist der luftdichte Anschluss der Fassadendämmung vorbereitet.
Durch eine spezielle Klemm-Press-Verbindung bildet die PUR/PIR-Platten nach dem Zusammenstecken eine wärmebrückenfreie und winddichte Unterdeckung. Die im Delsenbachweg verwendeten Dämm-Platten sind mit einer diffusionsoffenen, überlappenden Deckbahn auf der Plattenoberseite ausgestattet, sodass sie nach dem Verlegen als zweite, naht- und perforationsgesicherte wasserführende Ebene fungieren.
Die Dämmstärke der Platten reicht standardmäßig von 100 bis 240 mm, wobei Platten-U-Werte zwischen 0,22 und 0,10 W/m²K erreicht werden.
Positiv ist auch das Brandverhalten zu bewerten: Die PUR/PIR-Dämmelemente erreichen die Brandklasse E nach DIN EN 13501-1 bzw. B2 nach DIN 4102-1Unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen von Ökotest, vom Fraunhofer Institut für Bauphysik und vom Forschungsinstitut für Wärmeschutz in München haben nachgewiesen, dass die niedrige Wärmeleitstufe des Dämmmaterials den sommerlichen Wärmeschutz verbessert.
In Nürnberg wurden 100 mm starke Dämmplatten der WLS 024 eingebaut, woraus ein Platten-U-Wert von 0,22 W/m²K und ein Dach-U-Wert von 0,18 W/m²K resultierte.
Autor: Dr. Joachim Mohr, Tübingen