Mit angepassten Mörteln, geeigneter Technik und sorgfältiger Ausführung – vom Ausräumen der Fugen bis zur Nachbehandlung des Mörtels – können Fugen in Natursteinmauerwerk fachgerecht saniert werden. Dadurch wird maßgeblich zur Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit dieser Bauteile und Bauwerke beigetragen. Der Beitrag zeigt, worauf bei der Ausführung zu achten ist.
Natursteinmauerwerk ist ein Verbund von Natursteinen und Mörteln als Mauer- und Fugenmörtel. Obwohl der Fugenanteil im Verhältnis zum Mauerwerksvolumen gering ist, spielen die Fugen für die Belastbarkeit, Witterungsbeständigkeit und die ästhetische Wirkung des Sichtmauerwerks eine große Rolle. Fugen sind das Bindeglied zwischen den Mauersteinen und können offen sein, wie bei Trockenmauern, oder mit Fugenmörtel gefüllt. Bei Sichtmauerwerken an Gebäuden müssen sie in jedem Fall gefüllt sein.
Entsprechend dem Verlauf im Mauerwerk werden horizontale Lagerfugen und vertikale Stoßfugen unterschieden. Die Ausbildung und Breite kann je nach Steinformat und Steinbearbeitungsstufe von wenigen Millimetern bei Quadermauerwerken bis zu Handbreite in den Zwickeln von Bruch- oder Feldsteinmauerwerken schwanken.
Mineralische Fugenmörtel, mit denen Fugen an Natursteinmauerwerken saniert werden können, dienen der Lastabtragung, Stabilität und dem Witterungsschutz. Sie beeinflussen außerdem das optische Erscheinungsbild des Sichtmauerwerks in der Nah- und Fernwirkung.
Ein intaktes Fugennetz trägt durch wirksamen Feuchteschutz maßgeblich zur Dauerhaftigkeit des Natursteinmauerwerkes bei, unter anderem, weil hygrische Verformungen reduziert und Frostschäden bei geringem Porenfüllgrad von Mörteln und Natursteinen vermieden werden. Auch der Wärmeschutz wird durch die Fugen beeinflusst. Feuchteeinträge können die Wärmeleitfähigkeit erhöhen und damit die Dämmwirkung verringern. Bei Innendämmungen an Gebäuden mit Sichtmauerwerk beeinträchtigen sie deren Wirksamkeit.
Zu Beginn wird analysiert
Am Anfang jeder erfolgreichen Sanierungsmaßnahme stehen Bestandsaufnahme und Zustandserfassungen, die durch gezielte Voruntersuchungen ergänzt werden können. Die Ergebnisse liefern wesentliche Informationen über den Aufbau der Natursteinmauerwerke, den Feuchte- und Versalzungszustand, das Verwitterungsverhalten der jeweiligen Natursteinvarität und des vorhandenen Mörtels sowie Kenntnisse über frühere Reparaturen. Somit kann eine große Planungssicherheit erzielt werden.
Die Fugen werden ausgeräumt und gereinigt
Wesentlich für den Erfolg der Fugensanierung sind die vorbereitenden Arbeiten vor der eigentlichen Verfugung: das Ausräumen des geschädigten Mörtels und die anschließende Reinigung. Vor der Neuverfugung ist die Fuge nach Möglichkeit in circa doppelter Tiefe der Fugenbreite auszuräumen, um eine ausreichende Verbundfläche des neuen Mörtels zu den Steinflanken und dem Bestandsmörtel zu schaffen. Dabei dürfen die Fugenflanken nicht beschädigt werden. Die Techniken dafür richten sich unter anderem nach dem Fugenverlauf, dem Zustand des alten Fugenmörtels und der Festigkeit des Natursteins.
Bei eher weichen und stark verwitterten Gesteinen wird die Fuge schonend von Hand ausgestemmt. Pressluftgetriebene Werkzeuge und Fingerfräsen beziehungsweise Trennschneidgeräte kommen bei gleichmäßigem Fugenverlauf und festen Gesteinen zum Einsatz.
Die Fugen sind danach von Staub und losen Teilen zu säubern, da diese haftungsmindernd wirken können. Vor oder nach dem Ausräumen kann eine Festigung der angrenzenden Steine notwendig sein, zum Beispiel mit Kieselsäureester. Rückgewitterte Fugenflanken sind in ihrem Zustand zu konservieren oder können durch Antragen mit Steinrestauriermörtel wiederhergestellt werden.
Dieser Beitrag ist Teil eines Ar tikels aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 06.2011
Autorin: Sylvia Stürmer
