Ein Plakat mit der Aufschrift "Was braucht die Stadt? Umnutzung" inmitten von weiteren Plakaten.
Kreativer Widerstand: Schilder aus dem Seminar „DEMOlition“, in dem es um die aktuelle Abrissdebatte in Berlin ging. (Quelle: FG Architecture for Health/Future)

Bauwerkserhaltung 2024-12-12T10:21:32.037Z Für eine nachhaltige Bauwende

Trotz Wohnungsnot und knapper Ressourcen werden in Berlin weiterhin Gebäude abgerissen. Architekturstudierende der TU Berlin haben daher ein nachhaltiges Sanierungskonzept für den Wohnbau entwickelt. Anstatt auf neue Wohnungen zu setzen, konzentrieren sie sich mit minimalen Eingriffen auf den Erhalt und die Umnutzung der Gebäude und berücksichtigen dabei besonders die Bedürfnisse der aktuellen Bewohnerinnen.

„Eine solche Lösung als Haltung zu formulieren, ist in der Architektur noch revolutionär. In Zeiten von Klimakrise und schwindenden Ressourcen geht es nicht mehr darum, mit Neubauten Hochglanzwettbewerbe zu gewinnen, sondern um die Prinzipien des Bauens im Bestand und um nachhaltige Baumaterialien“, sagt Adrian Nägel, Gastprofessor am Fachgebiet „Architects for Health/Future“ am Institut für Architektur (IfA) der TU Berlin. 

Leitbild „Zukunft Umbauen“ 

Das Institut positioniert sich deutschlandweit als Vorreiter dieser neuen, nachhaltigen Architekturlehre, die sich auf die Bauwende ausrichtet. Im Leitbild „Zukunft Umbauen“ ist verankert, dass sich das Institut kritisch, kreativ und innovativ der Gestaltung von Gebäuden, Städten und Regionen widmet, mit einem Fokus auf Ressourcengerechtigkeit und Gemeinwohlorientierung. Viele Studierende zieht dieser neue Ansatz an: Sie kommen gezielt an die TU Berlin, um auch von Fachgebieten wie dem Natural Building Lab/Konstruktives Entwerfen und klimagerechte Architektur, Städtebau und Nachhaltige Stadtentwicklung oder Architektur der Transformation zu lernen. „An der TU Berlin verstehen wir Architektur als einen politischen Akt, der den nachhaltigen Wandel und die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt“, sagt Elisabeth Broermann, die sich die Gastprofessur mit Nägel teilt. „Wir ermutigen die Studierenden, sich auch politisch zu engagieren und den Diskurs über nachhaltiges Bauen in die Gesellschaft zu tragen.“ 

Ringvorlesung „Gemeinsam für die Bauwende“ 

 Die von der TU Berlin gemeinsam mit der RWTH Aachen initiierte Ringvorlesung „Gemeinsam für die Bauwende“ im Sommersemester 2024 war ein wichtiger Impuls für die Verbreitung dieser nachhaltigeren Architekturlehre. Sie brachte 14 Hochschulen aus dem deutschsprachigen Raum zusammen. Bis zu 850 Interessierte folgten den digital übertragenen Vorträgen und Diskussionen über die zehn Forderungen der „Architects for Future“ für eine Bauwende. Das Format war so erfolgreich, dass die Dekane- und Abteilungsleiterkonferenz für Architektur, Raumplanung und Landschaftsarchitektur die deutschen Fakultäten aufrief, die Bauwende in ihren Lehrplänen zu priorisieren. 

In Zukunft soll die integrale Planung ein wichtiger Bestandteil des Studiums sein. Nur durch diesen interdisziplinären Ansatz könne die Bauwende erfolgreich vorangetrieben werden, so Broermann. Im Wintersemester beschäftigt sich ihr Fachgebiet mit Bestandsgebäuden in Brandenburg an der Havel, um zukunftsfähige, kreative Lösungen für sanierungsbedürftige Gebäude auf dem Land zu finden. „Um den Ressourcenverbrauch zu reduzieren, muss der Abriss zur absoluten Ausnahme werden“, betont Adrian Nägel. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 12. Dezember 2024
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