Bautrocknung Fraunhofer Institut
Bei den Untersuchungen des Fraunhofer IBP in Stuttgart zur Bautrocknung nach Leitungswasserschäden wurden verschiedene Trocknungstechniken angewandt, zum Beispiel Folienzelt, IR-Strahlungsheizplatten und Unterestrichtrocknungssystem zur Trocknung der Wände und des Bodens. (Abb.: Fraunhofer IBP)

Bauwerkserhaltung 2017-09-18T00:00:00Z Fraunhofer hat Bautrocknung untersucht

Das Fraunhofer IBP in Stuttgart hat im Auftrag des Verbandes öffentlicher Versicherer (VöV) unter Federführung der Sparkassenversicherung eine Reihe von Versuchen zur Bautrocknung nach Leitungswasserschäden durchgeführt. Nach zwei Jahren liegen jetzt die Ergebnisse vor.

In vier Versuchsabschnitten wurden in insgesamt acht Versuchsräumen für unterschiedliche Wandaufbauten, Fußbodenaufbauten und zwei Holzbalkendecken Trocknungsverläufe bei natürlicher und mit mechanischen Trocknungstechniken über einen Zeitraum von circa zwei Jahren messtechnisch untersucht. Danach wurden die Trocknungsverläufe per Rechnersimulation mit dem Programm „WUFI“ nachvollzogen. Die wichtigsten Ergebnisse sind:

Bei den Trocknungsversuchen mit Trocknungstechnik an mit Mineralfaser gedämmten Fußböden war die Wärmeleitfähigkeit wie auch der Schallschutz nach der Trocknung weiterhin gegeben. Ein Rückbau auf Basis der Untersuchungsergebnisse wäre somit nicht erforderlich. Im realen Fall kann dies jedoch aufgrund von Verunreinigungen, Pilzen, Bakterien und so weiter erforderlich sein.

Die Unterestrichtrocknungen führten zu einer trockenen Dämmschicht bei den Aufbauten mit Dämmschichttypen aus EPS/Mineralwolle, EPS/EPS und Perlite/Mineralwolle. Aufgrund der Versuchsergebnisse wäre hier kein Ausbau erforderlich.

Bei den Bodentrocknungen wurden der Estrich und die Rohbetondecke zum Teil nur unzureichend trocken. Diese Thematik sollte noch genauer untersucht werden und insbesondere mit den Erfahrungen aus der Praxis verglichen werden.

Die beiden Holzbalkendecken, zum einen mit Schlacke-, zum anderen mit Lehmfüllung konnten erfolgreich getrocknet werden. Jedoch waren für die Trocknung der Lehmfüllung hohe Temperaturen bis 100 °C an der Unterseite der Decke erforderlich. Die Praktikabilität einer solchen Trocknungsweise ist im Einzelfall zu überprüfen. Geringere Temperaturen führen hier zu deutlich längeren Trocknungszeiten.

Die Trocknung der Dämmschicht der Leichtbauwände gelang, ohne dass sich die Dämmwolle gesetzt hätte. Jedoch wurden zwischen den beiden Lagen der doppelwandig ausgeführten Gipskartonplatten beim Abbau Schimmelpilzspuren festgestellt.

Die erfolgreiche Trocknung massiver Wände mit IR-Strahlungsheizplatten konnte für Leichtbetonwände, Hochlochziegelmauerwerke, Mauern mit Mauerziegeln sowie Gipswandbauplatten nachgewiesen werden. Auch die Trocknung von Leichtbetonwänden, Hochlochziegeln, Mauerziegeln und Gipswandbauplatten mit Folienzelten mit und ohne Trocknungsbohrungen funktionierte. Es sollte aber abgewogen werden, welche Trocknungstechnik einfacher, kostengünstiger und leiser ist. IR-Intervall-Strahlungsheizplatten führten zu ähnlichen Trocknungsergebnissen wie IR-Heizplatten mit konstanter Heizleistung. Dieses Verhalten sollte weiter im Hinblick auf Stromkostenersparnis durch Intervallheizung mit IR-Heizplatten wie auch bei intervallgeschalteter Lufttrocknung untersucht werden.

Die Trocknung einseitig gefliester Wände war mit IR-Strahlungsplatten erfolgreich. Die Trocknung von beidseitig gefliesten oder diffusionsdichten Wänden ist nicht möglich. Dies geht aus den Rechnersimulationen hervor.

Bei allen Versuchen gab es verbleibende Feuchte im Übergang Wand/Boden. Die Trocknungssysteme sollten für den Übergang Wand/Boden weiterentwickelt werden. Da die Trocknungsgeschwindigkeit bei den unterschiedlichen Wandtypen verschieden ist, sollte die zu erwartende Trocknungsdauer je Wandtyp und Material weiter erforscht werden. So könnte eine kürzere Trocknungsdauer bei bestimmten Wandtypen empfohlen werden.

Die Trocknungsdauer bei IR-Strahlungsheizungen ist abhängig von der Oberflächentemperatur. Eine Verkürzung der Trocknungsdauer könnte durch Festlegung optimaler nicht materialschädigender Oberflächentemperaturen erreicht werden.

Mit den „WUFI“-Rechnersimulationen konnten bei bekannten Start- und Randbedingungen die Feuchtetransportvorgänge sehr gut nachvollzogen werden. Damit könnte man zukünftig das Trocknungsverhalten und die Gesamttrocknungsdauer vorab an bekannten Steinen abschätzen.

Als Basis für die Optimierung der Technischen Bautrocknungen schlägt das Fraunhofer IBP folgende Schritte vor: rechnerische Parameterstudien und Validierungsmessungen zur Erforschung und Optimierung von Trocknungsdauer und Trocken-Algorithmen in Abhängigkeit von Temperatur, Trocknungs-, Heiz-Intervalldauer, in Abhängigkeit des Wandtyps, des Materials und von unterschiedlichen Wanddicken. Damit könnten Empfehlungen für die Durchführung von Trocknungen erarbeitet werden.

Ausführliche Informationen unter www.ibp.fraunhofer.de .

zuletzt editiert am 09. April 2021
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