Der Fensterbankanschluss fordert insbesondere bei großen Dämmstoffdicken oder bei feuchteempfindlichen Dämmstoffen ein hohes Maß an Ausführungsgenauigkeit, da sonst Folgeschäden durch Wassereintrag entstehen können. Der Beitrag zeigt, welche Punkte man beachten muss, um diese zu vermeiden.
Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) bestehen in der Regel aus einem Dämmstoff, der an einen Wandbildner geklebt beziehungsweise geklebt und gedübelt und zusätzlich durch eine armierte Putzlage vor Witterungseinflüssen geschützt wird [1]. Sie sind als gutmütige Bauart bekannt, die so manche „Interpretation in der Ausführung“ verzeihen. Doch mit zunehmender Dämmstoffdicke und der hohen Spezialisierung der eingesetzten Materialien und Zubehör-Produkte nimmt die Fehlertoleranz eines WDV-Systems rasant ab. Die Folge sind unter anderem sichtbare
Schäden an WDVS-Fassaden. Insbesondere an Übergängen wie beispielsweise Fenstern, Türen und Balkonen ist besondere Sorgfalt gefragt.
Fensterbänke anschließen
Der Anschluss des WDVS an Fensterbänke muss schlagregen- und winddicht erfolgen [2]. Diese zunächst einfach klingende Forderung birgt viele Schwierigkeiten, die im Bauablauf nicht immer einfach zu lösen sind. Die nachstehende Auflistung gibt die wesentlichen Voraussetzungen wieder, um den wind- und schlagregendichten Anschluss an Fensterbänke zu gewährleisten:
- Angrenzende Bauteile (zum Beispiel Fenster, Türen, feuchteunempfindliche Attikabohle und weitere) müssen vor Beginn der Dämmmaßnahmen montiert sein, die Anschlussmöglichkeiten zu horizontalen Abdeckungen (zum Beispiel Fensterbänke) müssen gegeben sein
- Die Fensterbänke müssen für sich schlagregendicht sein
- Die Länge der Fensterbänke muss auf das gewünschte „lichte Maß“ der Fenster abgestimmt sein (Die Fensterbänke dürfen nicht zu lang, oder zu kurz sein; die Kante der horizontalen Auflagefläche des Bordprofils muss nach Fertigstellung vollständig eingeputzt sein)
- Die erforderliche Auflagefläche des Fugendichtbands muss gewährleistet sein (es empfehlen sich Bordprofile mit mindestens 20 Millimetern Auflagefläche)
- Die Dehnfähigkeit der Fensterbänke muss ungehindert gewährleistet werden, ohne Kräfte auf die Putzschichten des WDVS zu übertragen Die eingesetzten Fensterbankhalter (alle 60 Zentimeter, ab mehr als 150 Millimeter Ausladung) sollten thermisch getrennt sein und das Einschwimmen der Dämmplatten nicht behindern
- Rollladenführungsschienen müssen auf die Fensterbänke entwässern
- Rollladenführungsschienen müssen ebenfalls für sich Schlagregendicht montiert sein
- Fugendichtbänder sind gewöhnlichen Anputzleisten grundsätzlich vorzuziehen
- Die Fugenbreite bedingt das Fugendichtband (Einsatz der richtigen Dimension/Type)
- Fugendichtbänder werden auf Schlagregendichtheit geprüft (in der Regel bis 600 Pa), diese Werte gelten allerdings nur bei Einhaltung der vollen Auflagefläche (15 Millimeter) und der geprüften Fugenbreite (5 bis 12 Millimeter)
- Bei einer Verwendung von Anputzleisten muss auf die erforderliche Bewegungsaufnahme (Richtung der Ausdehnung der Fensterbänke) geachtet werden

Werden oben genannten Punkte beachtet, steht einem schlagregen- und winddichten Anschluss des WDV-Systems an andere Bauteile nichts im Wege. Der Fachhandwerker hat demnach viele Punkte zu beachten, die jedoch in der Regel das Vorgewerk (Fensterbauer/Metallbauer) betreffen. Bedenken hinsichtlich der wind- und schlagregendichten Ausführung sollten insbesondere bei fehlerafter Planung und/oder Vorleistung beim Bauherren angemeldet werden. Nicht selten werden unvorteilhafte Bestandssituationen lapidar übergangen, wie zum Beispiel beim Einbau der Fensterbänke als Spenglerlösung (siehe Abbildung), die mangels Dehnfähigkeit alle Kräfte auf die Putzschicht des WDVS übertragen. Die Folge sind Risse mit nicht selten einhergehenden Putzschichtverlusten bis hin zum Systemversagen.
Fensterbänke nachträglich einbauen
Der nachträgliche Einbau von Fensterbänken [3] ist bei der Fülle der Anforderungen an die Schlagregensicherheit insbesondere aber bei großen Dämmstoffdicken oder bei Störungen im Bauablauf eine sinnvolle Alternative, die jedoch ein Umdenken bei der Planung und Verarbeitung fordert. So ist für den nachträglichen Einbau eine zweite Dichtebene auszuführen, die in der Regel durch Produkte ergänzt wird, die dem Fachhandwerker nicht zwingend geläufig sind. Die einfachste Art der Erstellung einer zweiten Dichtebene (die erste stellt die Fensterbank her), ist das Verkleben sogenannter „Dichtbahnen“ mit dafür geeigneten Klebern aus der Kartusche.

Tr opfkantenprofil für „geneigte Flächen“ verwenden
Zum Erreichen größtmöglicher Präzision in der Umsetzung und für eine effiziente Verarbeitung empfiehlt sich der Einsatz eines Tropfkantenprofils für geneigte Flächen. Dieses Tropfkantenprofil weist einen Winkel von 95 Grad auf und ersetzt folglich den standardisierten Gewebeeckwinkel im Brüstungsbereich des Fensters.
Mit der Auskragung im Verlauf der Brüstungsebene sichert er die richtige Anwendung der zweiten Dichtebene und sorgt mit der Tropfkante für zwei wichtige Effekte:
- Das Tropfkantenprofil-GF stellt die eventuell erforderliche Gewerketrennung sicher
- Selbst bei hohem Winddruck kann kaum Wasser in den Zwischenraum zwischen Fensterbank und Abdichtungsebene gepresst werden
- das möglicherweise anfallende Kondenswasser der Metallfensterbank wird sicher vor die Fassade geleitet
In der Folge wird die Gefahr unschöner Schmutzfahnen unterhalb der Fensterbänke reduziert.
Die Vorteile für den nachträglichen Fensterbankeinbau sind zahlreich und sollen hier nur kurz zusammengestellt werden:
- kein aufwändiger Dämmplattenzuschnitt zu den Fensterbankendkappen
- Einsetzen eines Fugendichtbandes sehr einfach
- Einmessen der Fensterbänke auf der Baustelle möglich
- Keine Wartezeiten bei Störungen im Bauablauf (Lieferzeiten von Fensterbänken)
- Deutliche Reduzierung der Schallimmision durch die Verklebung mittels Kleberraupen (Regengeräusche werden weitestgehend unterbunden)
- Kein Antidröhnband/ -beschichtung erforderlich
- Kein Einsatz von Fensterbankhaltern erforderlich (thermisch optimiert)
- Keine Behinderung des Dämmplatteneinschwimmens durch Fensterbankhalter
Putzbündige Fenster anschließen
Auch bei dem modernen „putzbündigen“ Fenstereinbau gibt es neben den Problemen des seitlichen und des oberen Anschlusses das Problem der Wasserleitung bei unsachgemäßem Einbau im unteren Brüstungsbereich. Auch hier zeigt der Einsatz der zweiten Dichtebene in Verbindung mit dem Tropfkantenprofil für geneigte Flächen deutlich mehr Sicherheit, als bei der Ausführung ohne Dichtebene mit falsch dimensionierten oder deplatzierten Anputzleisten. Der fachgerechte Anschluss an putzbündige oder aus dem WDVS auskragenden Fenstern oder Metallrahmen erfordert planerische Umsicht und Geduld in der Ausführung.
Tropfkanten sind auch bei Holzbauweisen sinnvoll

Bei Holzbauweisen liefert das Tropfkantenprofil für geneigte Flächen noch einen weiteren Vorteil: Mineralische Mörtel sollten hier gar nicht zur Anwendung kommen.
Deshalb hat der Einsatz von Dichtbahnen unter der Fensterbank in der Holzbauindustrie eine lange Tradition.
Doch wie stellt der Putzer auf der Baustelle den fachgerechten Anschluss sicher? Oft wird unterhalb der Fensterbänke verputzt und nicht selten ein (an dieser Stelle völlig unsinniges) Fugendichtband eingesetzt. Was passiert dann mit den Kondensaten auf der Fensterbankunterseite? Sie tropfen auf die Dichtbahn und rollen dort bis zur Barriere aus Fugendichtband und Putz ab. Selbst bei penibelster Ausführung der Dichtbahn dringt in dieser Folge Wasser im Kantenbereich in die Holzkonstruktion ein. Das Ausmaß solcher Schädigungen ist leicht nachvollziehbar.
Mit dem Einsatz des Tropfkantenprofils für geneigte Flächen wird die Ausführung insbesondere im Gewerkeübergang abgesichert. In der Produktionskette kann das Profil am Dämmstoff mittels Klammern befestigt werden, die Dichtbahn wird noch in der Produktionshalle auf die vordere Tropfkante geführt. Der Fachhandwerker auf der Baustelle kann mit seinen Mörteln ohne besondere Vorkehrungen, ohne Einsatz eines Fugendichtbands und ohne Kellenschnitt an das Profil anputzen.
Autor: Florian Guder
Literatur:
[1] BFS-Merkblatt Nr. 21 – Technische Richtlinie für die Planung und Verarbeitung von Wärmedämm-Verbundsystemen, Stand Mai 2012, Hrsg.: Bundesauschuss Farbe und Sachwertschutz, Frankfurt/Main
[2] Richtlinie „Anschlüsse an Fenster und Rollläden bei Putz, Wärmedämm-Verbundsystem und Trockenbau“, Ausgabe 2010, Hrsg.: Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade, Baden Württemberg, u.a.
[3] Merkblatt „Empfehlungen für den Einbau/Ersatz von Metall-Fensterbänken (WDVS-Fassaden)“, Ausgabe Dezember 2011, Hrsg.: Gütegemeinschaft Wärmedämmung von Fassaden e.V. (GWF)