Meist sind es nur optische Mängel, die beim Eigentümer zu dem Wunsch führen, eine Fassadensanierung durchzuführen. Doch um fachgerecht sanieren zu können, ist es notwendig, die Prozesse zu verstehen, die zu den Mängeln geführt haben. Je nach Fassadentyp sind dabei unterschiedliche Schadensprozesse vorherrschend.
Wird ein Gebäude errichtet, kann davon ausgegangen werden, dass die verwendeten Baustoffe frei von Salzen und anderen Schadstoffen sind. Daher können sie aufgrund der für sie typischen mechanischen Eigenschaften miteinander kombiniert werden, ohne dass mit größeren Problemen zu rechnen ist. Handelt es sich jedoch um ein älteres Gebäude, bei dem schon unterschiedliche Schädigungsmechanismen eingesetzt haben, ist die Ausgangssituation für eine Sanierung eine andere.
Dies lässt sich am Beispiel eines Bauwerks aus der Zeit der Jahrhundertwende erläutern, das ohne horizontale oder vertikale Abdichtungen errichtet wurde.
Von der Theorie, ein Gebäude zu analysieren
Gerade frisch gebaut, wurde das Gebäude vermutlich mit einem Kalkputz versehen. Über die Jahre drang Feuchtigkeit in das ungeschützte, erdberührte Mauerwerk ein und wurde kapillar, mitsamt dem enthaltenen Salz, in den Sockelbereich und gegebenenfalls in höher gelegene Fassadenbereiche transportiert. In den ersten Jahren und Jahrzenten führte dies zu keinen bedeutenden Schäden, da der Kalkputz die Feuchtigkeit abtransportieren konnte und die Salzanreicherungen erst langsam anstiegen.
Heute, nach 100 Jahren, sind jedoch erhebliche Salzanreicherungen in den Baustoffen festzustellen. Sie haben dazu geführt, dass der originale Kalkputz, der für den Umgang mit solchen Salzmengen nicht ausgelegt war, seine Schutzfunktion nicht mehr erfüllen kann. Im Rahmen einer Fassadeninstandsetzung wäre hier nun unter anderem die Ursache des Problems, das Eindringen von Feuchtigkeit in den Baukörper, für die Zukunft zu unterbinden. Dieses ist durch eine nachträgliche Bauwerksabdichtung für den erdberührten Bereich sowie eine Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit möglich.
Die Salzbelastung des Baustoffes lässt sich mit vertretbarem Aufwand nicht lösen. Entsalzungsmaßnahmen sind aufwendig und lassen zudem nur Erfolge im oberflächennahen Bereich erwarten. Dies ist bei einem über Jahrzehnte durchfeuchteten Mauerwerk kaum ausreichend.
Somit erscheint die Verwendung des originalen Baustoffs, eines Kalkmörtels, zum Verputzen nicht mehr sinnvoll, da Kalkputze keine ausreichende Beständigkeit gegenüber hohen Salzkonzentrationen aufweisen. Es muss ein alternatives Putzsystem gefunden und dimensioniert werden. Hierfür ist es notwendig, mit entsprechenden Untersuchungen genaue Kenntnis über die Salzfracht, das heißt die Salzmenge und -art des vorhandenen Mauerwerks, zu ermitteln. Diese Werte müssen gemäß ihrer Schadensrelevanz eingestuft werden. Hilfen für die praktische Umsetzung sowie die Beurteilung der Ergebnisse finden sich im Merkblatt 4-6-05 Beurteilungen von Mauerwerk – Mauerwerksdiagnostik der WTA. Das Merkblatt beinhaltet zudem Angaben zu möglichen weiteren neben der Salzbelastung wesentlichen Kennwerten, die für eine zielgerichtete Fassadeninstandsetzung eine Rolle spielen können.
Die Abstimmung auf das jeweilige Gebäude ist unerlässlich, da an vielen Fassaden unterschiedliche Materialien wie Putz, Ziegel, Naturstein, Beton, Holz sowie andere Baustoffe miteinander kombiniert sind. Um sich dem Thema jedoch in einem ersten Schritt allgemein zu nähern, ist es sinnvoll, die wesentlichen Fassadentypen zu kategorisieren und getrennt voneinander hinsichtlich möglicher Instandsetzungsschritte zu betrachten.
