Ein Konferenzraum mit mehreren Kameras und Teilnehmern, die einer Präsentation folgen.
Insgesamt verfolgten 102 Teilnehmende die Schimmelpilzkonferenz vor Ort, weitere 45 nutzten das Angebot per Livestream. (Quelle: RM Medien / Berlin Event Foto)

Schimmelpilze 2025-04-17T07:18:03.754Z Fachwissen gegen mikrobiellen Schaden

Die 14. Berliner Schimmelpilzkonferenz, die am 27. März 2025 im Holiday Inn Berlin Airport Conference Center stattfand, bot Sachverständigen und Handwerkern aktuelle Erkenntnisse, technische Hilfen und juristische Einordnung – praxisnah, fachlich fundiert und interdisziplinär gedacht.

Schimmelpilzbefall ist weit mehr als ein kosmetisches Problem: Er gefährdet die Gesundheit der Nutzer, beschädigt die Bausubstanz und führt regelmäßig zu rechtlichen Auseinandersetzungen. Gleichzeitig bleibt die Sanierung komplex – weil jede Schadenssituation individuell zu bewerten ist. Mit rund 127 Teilnehmenden vor Ort sowie weiteren 67 Fachleuten im Livestream zeigte die Berliner Schimmelpilzkonferenz erneut, wie wichtig angesichts dieser Komplexität der fachübergreifende Austausch beim Thema Schimmelpilz ist – von der Diagnostik über die Bewertung bis zur nachhaltigen Sanierung.  

Diagnostik im Wandel: Was moderne Analyseverfahren leisten 

Dr. Oliver Röhl, Leiter der mikrobiologischen Abteilung der GBA Group, verglich molekulare und morphologische Analysemethoden zur Bewertung von Schimmel in Baustoffproben. Sein Fazit: Die molekulare Diagnostik bietet bei der Speziesbestimmung deutliche Vorteile in puncto Genauigkeit und Schnelligkeit – ersetzt aber nicht die bewährte Fachkenntnis bei der Probeninterpretation. 

Ein Redner hält einen Vortrag auf der Berliner Schimmelpilzkonferenz 2025.
Mit einem Fachvortrag und der Leitung des Workshops am Folgetag brachte sich Dr. Christoph Trautmann gleich doppelt in die Veranstaltung ein. (Quelle: RM Rudolf Müller Mediengruppe / Andrea Papkalla-Geisweid)

Eine wichtige Ergänzung kam von Dr. Christoph Trautmann, Geschäftsführer der Umweltmykologie GmbH. Er beleuchtete die dynamische Entwicklung mikrobieller Gemeinschaften bei Feuchtigkeitseintrag – mit besonderem Fokus auf die sich ändernde Artenzusammensetzung unter schwankenden klimatischen Bedingungen. Für die Praxis bedeutet das: Die zeitliche Komponente von Feuchteschäden ist entscheidend für eine fundierte Beurteilung und sollte bei der Auswahl der Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden. 

Schimmel nach Sanierung: Wenn gute Absicht zum Problem wird 

Ein zentrales Thema für die Praxis brachte Robert Kussauer, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, auf den Punkt: die zunehmenden Schimmelschäden nach energetischer Sanierung. Sein Appell an Planer und Ausführende: „Wer Luftdichtheit schafft, muss auch Lüftung sichern.“ Nur durch eine integrale Planung von Dämmen, Dichten und Lüften lasse sich das Risiko mikrobieller Schäden wirklich minimieren. 

Konkrete Hilfestellung zur Schadenerkennung lieferte Dipl.-Ing. Kai Schulz, der innovative Verfahren mit kurzwelligem Licht und Fluoreszenztechniken vorstellte. Gerade in der forensischen Bauwerksdiagnostik bieten diese Methoden eine wirksame Ergänzung zu klassischen Sichtprüfungen und ermöglichen eine nicht-invasive Schadensdetektion, insbesondere bei verdeckten Stellen. 

Schadensbeseitigung und rechtlicher Rahmen 

Wie empfindlich die Sanierung auf Fehler reagieren kann, zeigte Karin E. Götz am Beispiel von Schäden nach Überschwemmungen. Ihr Praxisbezug war deutlich: Unvollständige Trocknung, unkoordinierte Maßnahmen und der Einsatz ungeeigneter Mittel führen häufig zu Folgeproblemen – und letztlich zur Eskalation. 

Rechtliche Fallstricke rund um Schimmelschäden im (vermieteten) Eigentum erläuterte Rechtsanwalt Jochen Kern. Er machte deutlich, dass das Haftungsrisiko für Eigentümer, Verwalter und Dienstleister hoch ist – vor allem, wenn Sanierungspflichten nicht vollständig oder fristgerecht umgesetzt werden. Sein Rat: Dokumentation, Kommunikation und klare Rollenverteilung sind der beste Schutz vor Streit. 

Einen aktuellen Überblick zum Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts gab Dr. Charlotte Herrnstadt, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige. Im Mittelpunkt: die neuen Anforderungen an Abschottung und Schutzmaßnahmen bei der Sanierung – insbesondere in sensiblen Nutzungsbereichen. Ziel sei es, durch konsequente Abgrenzung kontaminierter Bereiche das Risiko einer Verschleppung zu minimieren. 

Workshop mit Praxisbezug: Schimmel sichtbar machen 

Erstmals wurde das Programm der Konferenz um einen optionalen Workshop am Folgetag ergänzt: „Feuchtigkeitsschäden auf die Spur kommen – ganz praktisch!“. In Präsenz lernten die Teilnehmenden Methoden der Probenahme bei Feuchtigkeitsschäden, kombiniert mit praxisnahen Übungen vor Ort. Dieses neue Format wurde sehr positiv aufgenommen – als Vertiefung und Ergänzung des Theorieprogramms. 

Die 14. Berliner Schimmelpilzkonferenz hat gezeigt: Schimmelpilzbefall ist und bleibt ein komplexes interdisziplinäres Thema, das technisches Verständnis, mikrobiologisches Wissen und rechtliches Fingerspitzengefühl erfordert. Sachverständige und Handwerker erhielten konkrete Werkzeuge, fundierte Einschätzungen und wertvolle Impulse für ihren Berufsalltag – mit einem klaren Fokus auf Prävention und Qualität. Wer auch 2026 dabei sein möchte, sollte sich bereits den Termin für die 15. Berliner Schimmelpilzkonferenz vormerken: 17. März 2026. 

Andrea Papkalla-Geisweid

zuletzt editiert am 17. April 2025
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