Norbert_Schroeter
Norbert Schröter, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauchemie, eröffnete die Veranstaltung. (Abb.: Deutsche Bauchemie)

Bauwerkserhaltung 2013-11-13T00:00:00Z Fachtage: Sanieren nach Hochwasserschäden

Die Deutsche Bauchemie veranstaltet eine Reihe von Fachtagungen zur Sanierung von Hochwasserschäden. Bereits die Auftaktveranstaltung in Passau stieß beim Fachpublikum auf große Resonanz. Die Reihe wird im Dezember und Januar in Magdeburg und Dresden fortgesetzt.

Bei der ersten Fachtagung zur Gebäudesanierung nach Hochwasser waren mehr als 100 Sachverständige, Planer, Architekten und Vertreter von Behörden, Versicherungen und aus dem Handwerk gekommen, um sich umfassend über die wichtigsten Parameter der Sanierung von Gebäuden und Infrastruktureinrichtungen zu informieren. Die lebhafte Diskussion zwischen den einzelnen Vorträgern ergab, dass auch unter Sachverständigen und Fachplanern noch Unsicherheiten über einzelne Ausführungsmaßnahmen und -varianten bestehen. Mangels zeitgemäßer bauordnungsrechtlicher Rahmenbedingungen und normativer Vorgaben in diesem speziellen Bereich sei man häufig auf sich allein gestellt und deshalb für die Zusammenarbeit mit der Industrie dankbar, sagte Norbert Schröter, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauchemie. Deshalb sollten sich alle am Bau Beteiligten für einen klaren regulativen Hintergrund und konkretere Ausführungsempfehlungen bei Hochwassersanierungen politisch einsetzen.

Sven Illgen von der Köster Bauchemie AG skizzierte in seinem Eröffnungsvortrag die Bedeutung bauchemischer Produkte für die Gebäudesanierung nach Hochwasser. Technische Trocknung mit verschiedenen Verfahren sei für nachhaltige Wirkung und schnellen Baufortschritt in jedem Fall zwingend, befand Illgen. Eine anschließende Schadendokumentation bilde die beste Grundlage für ein Sanierungskonzept. Illgen beschrieb als praktisches Beispiel die Beseitigung von Verölungen in den Schritten Reinigung mit Ölemulgatoren, Entfernen mit Hochdruckreiniger, Absaugen des Schmutzwassers, Versiegelung mit Epoxidharz und Neuaufbau mit zementgebundenen Putzsystemen.

Arno Kohls, Saint-Gobain Weber GmbH,  präsentierte Innenabdichtungen und Verbundkonstruktionen als Sanierungs- und Vorbeugemaßnahmen bei Hochwasserschäden. Maßgebend sei hier das Merkblatt 4-6 des Wissenschaftlich Technischen Arbeitskreises (WTA). Kohls schilderte den technischen Aufbau der Innenabdichtung und beschrieb die Arbeitsschritte für das Verfahren. „Der Boden-Wandanschluss muss besonders sorgfältig und als wannenartige Konstruktion ausgeführt werden, die am Boden fortgeführt wird.“ Kohls griff in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung von Systemen auf, denn hier haftet der Hersteller für die Wirksamkeit der aufeinander angestimmten Produkte.

Mehr als 100 Teilnehmer beim Bauchemie Fachtag Passau
Der große Saal der IHK Niederbayern in Passau war beim Bauchemie Fachtag bis auf den letzten Platz gefüllt. (Abb.: Deutsche Bauchemie)

Mit dem Vortrag von Wolfgang Dehmel, PCI Augsburg GmbH, ging es in die Detaillösungen bei der Sanierung. Durchfeuchtungen durch Hochwasser und nachfolgend Ablösungen von keramischen Belägen waren sein Thema. Reparatur der partiellen Schädigungen und Neuverlegung Fliese auf Fliese schilderte er als geeignete Maßnahme für kleinere Flächen. „Bei größeren Schadensbildern sind ein kompletter Rückbau und Neuverlegung oft unvermeidlich.“ Findet der Neuaufbau auf feuchten Untergründen statt, so ist eine Verbundabdichtung oder der Einbau einer entkoppelnden Abdichtungsbahn vor der Fliesenverlegung möglich, erläuterte Dehmel.

Wie sich die Situation bei nicht-keramischen Bodenbelägen darstellt, erläuterte Günther Hermann von der Mapei GmbH. Er beschrieb zunächst die Einflüsse von Feuchtigkeit auf Bodenbelagsmaterialien und als Lösungsmöglichkeit  ̶  je nach  Schadensbild  ̶  Rückbau und Neuaufbau, Absperren oder, falls der Untergrund trocken und belegreif ist, den normalen Aufbau eines Fußbodensystems aus filmbildender Grundierung, Spachtelung und Belagskleber. Anschaulich wurde die Theorie an verschiedenen Baustellenbeispielen geschildert, thematische Klammer war dabei der schnelle Baufortschritt, der sich mit speziellen bauchemischen Produkten erreichen lässt.

Nachträgliche Bauwerksabdichtung außen und innen mit dem Schwerpunkt Keller und Sockel stand im Mittelpunkt der Ausführungen von Rainer Spirgatis von der Remmers Baustofftechnik GmbH. „Äußere Bauwerksabdichtung ist nicht immer durchführbar, daher kann zusätzlich oder ersatzweise eine mineralische Innenabdichtung notwendig werden“, sagte Spirgatis. Er schilderte Schadenkreislauf und Verfahren zur nachträglichen Sockelabdichtung mit bauchemischer Horizontalsperre und Details zum „oft vernachlässigten“ Spritzwasserschutz.

Dr. Constanze Messal vom Micor Sachverständigenbüro in Rostock beantwortete die Frage „Erst das Wasser, dann der Schimmel?“ Schnelligkeit und Gründlichkeit seien die wichtigsten Kriterien, die erfüllt werden müssen, wenn Schimmel nach Hochwasser vermieden werden soll. Da dies auf den Baustellen oft nicht realisierbar ist, gab sie den Teilnehmern zahlreiche Fakten und praktische Empfehlungen für Maßnahmen gegen Schimmelbefall an die Hand. Sie plädierte dabei klar für die Feinreinigung statt einer puren Desinfektion. Letztere diene als temporäre Maßnahme allenfalls der Reduzierung des weiteren Wachstums, beseitige aber nicht die Ursachen der Schimmelbildung.

Zum Abschluss erfuhren die Teilnehmer, unter welchen Umständen sich zerstörende Organismen nach dem Hochwasser im Holz entwickeln und die Konstruktion schädigen können. Referent Ekkehard Flohr, Ingenieurbüro Flohr GmbH, empfahl: „Um die Gefahr einer Holzschädigung zu minimieren oder zu beseitigen, sind nach Feuchteeinwirkungen Bauteilöffnungen und technische Trocknung sehr hilfreich. Ziel ist es, das Holz auf die ursprüngliche Holzausgleichfeuchte zu bringen, um den holzzerstörenden Organismen die Lebensgrundlage zu entziehen.“

Weitere Informationen zu den Fachtagen der Deutschen Bauchemie und die nächsten Termine finden Sie hier.

zuletzt editiert am 09. April 2021
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