Die Initiative Kreislaufwirtschaft Bau hat ihren 14. Monitoring-Bericht zum Aufkommen und Verbleib mineralischer Bau- und Abbruchabfälle veröffentlicht: Von den insgesamt rund 208 Mio. Tonnen mineralischen Bauabfällen im Jahr 2022 wurden demnach 188 Mio. Tonnen einer umweltverträglichen Verwertung zugeführt.
Der effiziente Umgang mit Ressourcen ist in den vergangenen Jahren zunehmend in den Mittelpunkt der politischen Debatten gerückt. So definiert die Europäische Union im Rahmen ihrer Taxonomie den Übergang in eine Circular Economy als eines von sechs zentralen Nachhaltigkeitszielen. Dem Bausektor kommt dabei eine herausgehobene Verantwortung zu: Mehr als die Hälfte des deutschlandweiten Abfallaufkommens besteht aus mineralischen Bauabfällen, davon entfallen 58,7 Prozent auf Boden und Steine.
Die Ergebnisse des 14. Monitoring-Bericht für das Jahr 2022 basieren auf den amtlichen Daten des Statistischen Bundesamts. Die Verwertungsquote von 90 Prozent setzt sich wie folgt zusammen: Während Bodenaushub nur zu knapp 87 Prozent verwertet werden konnte, liegt die Quote der körnigen mineralischen Bauabfälle, wie Bauschutt und Straßenaufbruch, bei knapp 96 Prozent. Durch die zu RC-Baustoffen aufbereiteten körnigen mineralischen Abfälle konnten 13,3 Prozent des Bedarfs an primären Gesteinskörnungen ersetzt werden, mit Berücksichtigung der industriellen Nebenprodukte liegt die Substitutionsquote bei 17,9 Prozent. „Der Bausektor macht vor, wie Circular Economy funktionieren kann. Die Betriebe vermeiden die Deponierung, bereiten die Abfälle zu RC-Baustoffen auf und setzten sie dann erneut in Bauvorhaben ein. So werden natürliche Ressourcen geschont“, sagt Dr. Berthold Schäfer, Sprecher der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau, zu der sich die maßgeblichen Verbände der Baustoffindustrie, der Bauwirtschaft und der Entsorgungswirtschaft zur Initiative Kreislaufwirtschaft Bau bereits in den 1990er Jahren zusammengeschlossen haben.
Die beteiligten Verbände sind mit diesem Ergebnis zufrieden. Da die Potenziale der mineralischen Bauabfälle in Bezug auf die stoffliche Substitution heute nahezu ausgeschöpft sind, reagieren die beteiligten Verbände allerdings mit Unverständnis auf die vom Bundeskabinett beschlossenen politischen Zielsetzungen im Rahmen der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, die Substitutionsquote zukünftig verdoppeln zu wollen. „Die Substitutionsquote hängt vom Gesamtbedarf an Gesteinskörnungen und dem Abfallaufkommen ab. Wir können nicht mehr als 100 Prozent der Abfälle verwerten. Da der Bedarf für Wohnungen, Infrastrukturen oder Energiewende deutlich größer ist als das Abfallaufkommen, kann die Substitutionsquote nicht beliebig gesteigert werden. Da zukünftig zudem mehr saniert und weniger neu gebaut werden soll, ist trotz aller Bemühungen zukünftig eher mit einem Rückgang der Substitutionsquote zu rechnen“ führt Schäfer aus. Die Substitutionsquote sei daher nicht der richtige Maßstab für die Bewertung der Circular Economy-Erfolge im Bausektor.
Initiative Kreislaufwirtschaft Bau kritisiert Mantelverordnung
Der nun vorliegende 14. Monitoring-Bericht mit den Daten des Jahres 2022 stellt den letzten Bericht der Initiative dar, der auf dem Rechtsrahmen der LAGA (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall) fußt. Der nächste Bericht wird mit den Daten 2024 erstmalig auf dem Rechtsrahmen der bundeseinheitlichen Mantelverordnung basieren. Die Mantelverordnung ist seit August 2023 in Kraft und zeichnet sich nach Ansicht der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau durch nicht harmonisierte Grenzwerte zu angrenzenden Rechtsbereichen, mehr Bürokratie und höhere Kosten aus. Die Deponierung könne dadurch zunehmen und die Verwertungsquote sinken, so die Initiative. „Ambitionierte Ziele im Bereich Circular Economy sind richtig, müssen aber realistisch an Aufkommen, rechtlichen Hürden und dem absehbaren Bedarf ausgerichtet sein“, fordert Schäfer. Die Monitoring-Berichte „Mineralische Bauabfälle“ stehen auf der Website der Initiative kostenlos zur Verfügung.
