Die Quote für Sanierungen im deutschen Gebäudebestand liegt aktuell bei nur 0,83 Prozent. Dies hat eine neue Marktdatenstudie der B+L Marktdaten Bonn im Auftrag des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle e.V. (BuVEG) ergeben.
Damit wird die bisherige Annahme von Politik und Branche, die Quote für energetische Sanierungen liege bei einem Prozent, noch nach unten korrigiert. Eine erschreckende Entwicklung, schließlich wäre selbst ein Prozent unzureichend. Bereits 2022 lag die ermittelte Sanierungsquote bei 0,88 Prozent, die Quote ist also noch einmal gesunken. Der BuVEG sieht daher dringenden Handlungsbedarf. Rund 30 Prozent aller Wohngebäude befänden sich in einem energetisch unzureichenden Zustand und verbrauchten circa 50 Prozent der Energie, so Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des BuVEG: „Wenn in Deutschland weiter in diesem Schneckentempo energetisch saniert wird, dann brauchen wir noch annähernd 100 Jahre, um den Gebäudebestand zur Klimaneutralität zu führen.“
Die geringe und absteigende Sanierungstätigkeit sei alarmierend. „Hinzu kommt, dass die vor Kurzem erfolgte Absage der Bundesregierung an die sogenannten Minimum Energy Performance Standards der EU ein weiterer herber Rückschritt für die Einsparziele im Gebäudesektor ist“, so Hinrichs weiter. „Alle Maßnahmen am Gebäude müssen endlich gleichberechtigt von der Politik behandelt werden. Wir appellieren an die Bundesregierung, nun schleunigst einen neuen Masterplan für die energetische Sanierung des Gebäudebestands in Deutschland vorzulegen. Dadurch erhält auch die Baubranche die Möglichkeit, infolge der Reduzierung des Neubaus freigewordene Kapazitäten umzuschichten.”
Die erhobenen Marktdaten von B+L sind in die Sanierungsmaßnahmen Fassade, Dach und Fenster unterteilt. Für Dächer ermittelte das Bonner Institut eine Sanierungsquote von 0,90 Prozent, für Fenster von 1,37 Prozent, für Fassaden von 0,62 Prozent. Die Gesamtsanierungsquote von 0,83 Prozent gilt für jede Form von Sanierungen an Gebäuden in den Bereichen Dach, Fassade und Fenster. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Quote für umfassende energetische Sanierungen noch einmal rund 20 Prozent unter der ermittelten Gesamtsanierungsquote liegt.
Auf Grundlage der angenommenen Sanierungsquote von einem Prozent hatte die Politik eine Verdopplung der Quote anvisiert, um die Klimaziele erreichen zu können. Gemäß des ITG/FIW-Gutachterberichts von 2021 müsste ein umgehender Anstieg auf rund 1,9 Prozent erfolgen, also das 2,3 bis 2,5fache der derzeit. In absoluten Zahlen ausgedrückt: Von den 19 Millionen Wohngebäuden in Deutschland müssten jährlich circa 350.000 energetisch saniert werden. Weitere Informationen >>>
