Experimenteller Aufbau mit drei Würfeln auf blauen Ständern in einem Laborraum.
Versuchsaufbau der Leibniz Universität Hannover: links der Versuchskörper mit EPS-Dämmung, in der Mitte der mit Bauter-Farbe und rechts der mit neutraler Farbe (Quelle: VDPM)

Gebäude + Energie 2026-01-22T06:16:42.731Z Energetisch wirkungslose „Energiesparfarben“

Aktuell taucht vermehrt Werbung für „wärmedämmende Farbe“ oder „energiesparende Anstriche“ auf. Beispielhafte Untersuchungen des Instituts für Bauphysik der Leibniz Universität Hannover im Auftrag des Verbands für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V. (VDPM) und des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e. V. (VdL) haben nun ergeben: Diese Beschichtungen sind energetisch wirkungslos.

Beispielhaft hat das Institut die Farbe „Bauter Nano-Dämmung“ von der Firma Bauter Deutschland GmbH (Berlin) untersucht. Nach Angaben von Bauter besteht die Farbe aus kleinen vakuumierten Polymer-Mikrokugeln mit einem Durchmesser von 0,0004 bis 0,005 Millimetern, welche die Wärmestrahlung reflektieren und so die Wärme im Gebäudeinneren halten sollen. Es wird mit einer Wärmeleitfähigkeit von Lambda λ = 0,0000877 W/(m·K) geworben, bestätigt durch ein Zertifikat des polnischen TÜV Rheinland (TÜV Rheinland Polska Sp. z o.o. vom 12.06.2024).

Unrealistischer λ-Wert

„Selbst Hochleistungsdämmstoffe wie Vakuumisolationspaneele (VIP) erreichen nur λ-Werte von 0,002 bis 0,006 W/(m·K)“, betont Dr. Ing. Ayman Bishara, Professor für Bauphysik an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Holzminden. „Der von Bauter angegebene Wert von 0,0000877 W/(m·K) unterschreitet diesen Bereich um den Faktor 30 bis 60 und liegt damit nahezu auf dem Niveau eines Vakuums, das als einziges physikalisches System eine annähernd verschwindende Wärmeleitung aufweist. Für eine Beschichtung aus organischen Bindemitteln, Pigmenten und Additiven ist ein solcher Wert grundsätzlich nicht erreichbar.“ Kritisiert wird zudem, das Fehlen normgerechter Prüfunterlagen und unabhängiger Laborergebnisse in den Herstellerangaben.

Keine messbare wärmedämmende Wirkung

An der Universität Hannover wurden bei den Untersuchungen des thermischen Verhaltens der Bauter Nano-Dämmung drei identische würfelförmige Versuchskörper in einer Klimakammer unter gleichen Bedingungen getestet:

  • einer mit der „Bauter Nano-Dämmung“
  • einer mit herkömmlicher Fassadenfarbe
  • einer mit herkömmlicher Wärmedämmung (EPS 032, Dicke 20 Zentimeter)

Als Bewertungsgröße der Wärmedämmwirkung wurden an allen Versuchskörpern die elektrischen Energiemengen gemessen, die für die Beheizung und Aufrechterhaltung der gleichen Innenlufttemperaturen benötigt wurden. Die Innenlufttemperatur wurde konstant auf +40°C gehalten, während die Außentemperaturen in einer Klimakammer auf +5°C, +10°C und +15°C eingestellt wurden. Der Energieverbrauch zur Aufrechterhaltung der Innenlufttemperatur wurde gemessen.

Das Ergebnis war eindeutig: Die „Bauter Nano-Dämmung“ verhält sich wie der Probekörper „Neutrale Farbe“ und zeigt keine messbare wärmedämmende Wirkung. Der Versuchskörper mit EPS 032 zeigte die mit großem Abstand beste Wärmedämmwirkung und den geringsten Energieverbrauch.

„Innovative Produkte müssen sich an objektiven Prüfstandards messen lassen“, betont Antje Hannig, Geschäftsführerin des VDPM. „Die Ergebnisse helfen, Klarheit im Markt zu schaffen, unseriöse Dämmversprechen zu entlarven und nicht begründete Zuschüsse als Einzelmaßnahmen oder als Komplettsanierung beim BAFA oder bei der KfW zu verhindern.“ VDPM und VdL haben ein gemeinsames Positionspapier zum Thema veröffentlicht. Es steht auf den Webseiten der Verbände zum Download zur Verfügung. Weitere Informationen und Download Positionspapier >>>

zuletzt editiert am 22. Januar 2026