Bei der Instandsetzung des sogenannten Rohstoffbunkers im Areal des UNESCO-Weltkulturerbes Völklinger Hütte wurde für diese Anlage erstmals konsequent eine denkmalgerechte Betonrestaurierung geplant und umgesetzt. Damit wurden Forderungen erfüllt, wie sie seit einigen Jahren insbesondere seitens der Denkmalpflege erhoben werden, die Betoninstandsetzung an denkmalwerter Bausubstanz in vergleichbarer Weise zu betreiben, wie es bei der Restaurierung von Mauerwerksbauten und Baudenk- mälern aus Naturstein der Fall ist.
Die Restaurierungskonzeption für den Rohstoffbunker der Völklinger Hütte wurde gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege erarbeitet. Ihre wesentlichen Prinzipien sind:
1. Örtliche Schadstellen werden möglichst nicht erweitert, so dass die Originalflächen nur minimal abgegriffen werden.
2 . Eine flächendeckende Untergrundvorbereitung der Oberflächen erfolgt nicht, da dies alle hier vorhandenen „Zeitzeugen“ unwiederbringlich zerstören würde.
3. Korrodierte Bewehrung wird nur mit kleinstmöglichem Gerät freigelegt. Großflächiges Öffnen der historischen Oberfläche mittels grobem Pressluftoder Elektrowerkzeug unterbleibt.
4. Vorhandene Betonschalen, abgelöst durch korrodierende Bewehrung, werden möglichst erhalten und an gleicher Stelle wieder eingebaut.
5 . Die vorhandene Oberflächenstruktur des Originals ist zu dokumentieren und originalgetreu wiederherzustellen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Schalungsstruktur, Breite der Schalbretter, Schalungsstöße, Fehlstellen und Lunker an der Oberfläche.
6. Standardisierte PCC-Mörtel werden nicht verwendet, da sie weder in Farbton und Kornverteilung noch Bindemittel dem Original entsprechen können. Die Rezeptur des Originalbetons ist zu ermitteln und der Reparaturmörtel und -beton dieser Zusammensetzung anzupassen.
7. Der Farbton des Reparaturmörtels wird möglichst durch entsprechende Auswahl von Zementen und Zuschlägen nachgestellt. Soweit möglich wird auf die Zugabe von Farbpigmenten verzichtet.
8. Der Farbton des Restaurierungsbetons wird dem unverwitterten Altbeton angepasst, nicht dem stark verfärbten und oft inkrustierten Beton der Oberfläche.
9. Eine flächendeckende Überarbeitung mit zementgebundenen Spachtelschichten erfolgt nicht.
10. Muss aus Gründen der Erhaltung oder Wiederherstellung der Standsicherheit ein Spritzmörtel oder Spritzbeton eingesetzt werden, geschieht dies mit Material entsprechend den Regeln der Technik (DIN 18551 und DIN EN 14487). Die eigentliche Oberfläche wird jedoch mit einem Material gemäß Ziff. 6 dieser Aufstellung reprofiliert.
11 . Ist eine lasierende Oberflächenbehandlung vorgesehen, muss diese differenziert nach den Verwitterungszuständen der unterschiedlichen Bauwerksbereiche hergestellt werden. Wenn möglich, sollen Pigmentierungen verwendet werden, die dem Original entsprechen. 12. Auf wasserabweisende Behandlung nur einzelner Teilbereiche wird verzichtet, da diese in völlig anderer Weise altern und nachverschmutzen wie der Originalbeton. Nur im begründeten Einzelfall kann eine flächendeckende hydrophobierende Behandlung des Bauwerks erwogen werden.
13. Wegen der nicht flächendeckend aufgebrachten Schutzschichten, seien es zementgebundene Dünnputzlagen oder Oberflächenbeschichtungen, ist eine regelmäßige Wartung des Bauwerks nach Abschluss der Arbeiten unerlässlich.
Die hohen Belastungen spiegeln sich in den Schäden wider
Mit einer Gesamtlänge von rund 80 Metern und einer Höhe von maximal 16 Metern war der Rohstoffbunker ausgelegt, die kontinuierliche Beschickung der Hochofenanlagen zu gewährleisten. Fast das gesamte Tragwerk wurde aus Stahlbeton errichtet, meist mit brettgeschalter Oberfläche. Eine einheitlich ebene Ansichtsfläche bildet den Hauptteil der zu bearbeitenden Betonbereiche. Sie bilden die Oberfläche der Schütttrichter, die auf massiven Stahlbetonstützen stehen. Entlang der Betonfassade führten zahlreiche Kabeltrassen, die nur zum Teil im Zuge der Betriebsstilllegung entfernt worden waren.
Wegen ihres starken Korrosionsgrades hätten diese Kabelbühnen zwar demontiert, aber nicht wieder eingebaut werden können. Daher wurde auf eine Demontage verzichtet. Die Instandsetzung reicht deshalb nur bis an die Kabelbündel heran. Die dynamischen Belastungen durch die Befüllungs- und Entladungsvorgänge während des Betriebs der Anlage führten zu erheblichen Rissbildungen und im östlichen Bauwerksteil zu durchschlagenden Abrissen. Sie machten gesonderte Sicherungs- und Instandsetzungsmaßnahmen erforderlich.
Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 2.2012
Autor: Martin Sauder
