Lehm stellt vor allem in der Fachwerk- und Denkmalsanierung ein wegen seiner bauphysikalischen Eigenschaften und wohngesunden Attribute geeignetes Material dar, um Außenwände raumseitig zu dämmen. Der folgende Artikel stellt hier für zwei unterschiedliche Systeme und deren Anwendung vor.
Fachwerkhäuser sind ortsbildprägend und zeugen von der Geschichte einer Stadt oder eines Dorfes (Abb. 1). Allerdings erfüllen sie im ursprünglichen Zustand in der Regel nicht den heutzutage geforderten Mindestwärmeschutz. Da ihre gefachte Fassade als baukulturelles Vermächtnis erhalten bleiben soll, ist das einzige Mittel ihn zu erreichen, eine innenseitig angebrachte Dämmung. Diese stellt jedoch bauphysikalisch eine große Herausforderung dar, die im Zusammenspiel von Planer und Fachhandwerker mit geeigneten Baustoffen zu lösen ist, denn durch sie soll nicht nur der erforderliche U-Wert der Energieeinsparverordnung (EnEv) für Fachwerkbauten mit Sichtfachwerk von mindestens 0,84 W/(m² ∙ K) erreicht werden, sondern sie soll auch so wenig Wohnraum wie möglich beanspruchen.
Geschlossene Putzschicht aufbringen, um Luftzug zu verhindern
Zu Beginn müssen mögliche Ausschlusskriterien für eine Innendämmung behoben werden. Zu diesen gehören unter anderem eine Salzbelastung des Mauerwerks, aufsteigende Feuchtigkeit, sperrende Altanstriche auf der Außen- und Innenseite oder Hohlräume, die bei einbindenden Decken vorliegen können. Auch ein konstruktiver Wetterschutz durch Dachüberstände, die Gebäudehöhe, die freistehende oder zum Wetter giebelständige Lage des Gebäudes, der Zustand der Fugen zwischen Fachwerk und Gefachen müssen bei der Planung der Innendämmung berücksichtigt werden.
Bestandsbauten sind häufig nicht winddicht, und Fugen zwischen Ständerwerk und Gefachen sowie nicht ausreichend verfüllte Holznagellöcher bieten Angriffspunkte für Luftdurchzug. Die Innenseite der Fachwerkwand wird deshalb zuerst mit einer geschlossenen Putzschicht aus Lehmunterputz verputzt. Um auf den Holzbalken einen festen Putz zu gewährleisten, ist dort zuvor ein Schilfrohrgewebe aufzubringen. Sobald die Putzschicht getrocknet ist und alle konstruktiven Arbeiten an der Außenwand abgeschlossen sind, kann mit der Dämmung begonnen werden.<
Dämmung darf Diffusionsfähigkeit der Wand nicht beeinflussen
Für die innenseitige Dämmung der Außenwände mit Lehmbaustoffen eignen sich drei verschiedene Systeme, die sich deutlich voneinander unterscheiden und sich dadurch für eine Vielzahl von Bauobjekten eignen. Hierbei handelt es sich um die Innendämmung mit Holzfaserdämmplatten, den Einbau einer geschütteten Leichtlehm- Innenschale und die Dämmung mit einer Innenschale aus Leichtlehmsteinen. Zwei dieser Systeme werden nachstehend näher beleuchtet.
Wichtig ist in jedem Fall, dass die Diffusionsfähigkeit und Homogenität der gedämmten Wand nicht beeinflusst wird. Beim Anbringen einer innenseitigen Dämmung ist deshalb stets der gesamte Wandaufbau mit seiner Bausubstanz zu beachten. Welches Dämmsystem ideal ist, entscheidet sich aufgrund vieler verschiedener Kriterien. Darunter fallen unter anderem mögliche Baudenkmal-Auflagen, die Wandbeschaffenheit (Schlagregendichtigkeit) und die Anforderungen an den Dämmwert.
Dämmen mit Holzfaserdämmplatten und Lehmputz
Holzfaserdämmplatten eignen sich vor allem, wenn ebene Flächen gedämmt werden sollen. Diese Art der Dämmung erreicht bereits bei einer Stärke von vier Zentimetern einen U-Wert von circa 0,67 W/(m² ∙ K) und unterschreitet somit den Mindestwärmeschutz von 0,84 W/(m² ∙ K) für Fachwerkbauten mit Sichtfachwerk.
Holzfaserdämmplatten gibt es in Dicken von 4, 6, 8 und 10 Zentimetern, die nur als abgestimmte und bauphysikalisch berechnete Systeme eingesetzt werden sollten. Die dickeren Varianten sind deshalb nur in Verbindung mit einer Wandheizung zu verwenden.
Zu Beginn muss eine Ausgleichsschicht aus Lehmunterputz auf die Wand aufgebracht werden. Dies kann bereits mit der vor Wind schützenden Innenabdeckung erfolgen, die für das Aufbringen der Platten sorgfältig und in ausreichender Schichtdicke vorgenommen wird. Pro Arbeitsgang darf die Auftragsstärke drei Zentimeter nicht überschreiten und muss an der dünnsten Stelle mindestens einen Zentimeter messen. Sollten zum Erstellen einer ebenen Fläche dickere Putzschichten notwendig sein, müssen die Schichten vor Auftrag einer neuen Lage vollständig getrocknet sein.
Anschließend wird auf Wand und Platte jeweils eine dünne Lehmschicht aus Lehmunterputz aufgetragen. Daraufhin wird die lehmbehandelte Seite der Platte fest und vollflächig an die Wand angedrückt, um ihre kapillare Leitfähigkeit komplett zu gewährleisten. Denn die Kapillarität ist ein entscheidender Faktor für die Funktionsfähigkeit dieser offenen Systeme, da Fachwerkhäuser in der Regel einer höheren Schlagregenbelastung ausgesetzt sind und deshalb eine kapillare Austrocknung auch nach innen für den Wandaufbau sehr wichtig ist. Holzfaserdämmplatten nutzen die kapillare Leitfähigkeit sowie die hygroskopischen Eigenschaften der Holzfaser für den Feuchtetransport, um Kondensatbildung vorzubeugen und bestehenden Bauteilen ein hohes Trocknungspotenzial einzuräumen.
Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAN D , Ausgabe 01. 2013
Autor: Jörg Mayer
