Das stark ausgewitterte Quadermauerwerk der Kirchtürme der Basilika St. Michael in Altenstadt musste stabilisiert werden. Bevor es jedoch verpresst werden konnte, galt es, die grobporige Oberfläche der Kalktuffsteine vor dem grauen Injektionsmörtel zu schützen. Man entschied sich, Versuche mit flüssiger Latexfolie durchzuführen.
Bisher wird Latex als flüssige Folie nur zur allgemeinen Reinigung von Wandflächen oder im Rahmen der Brandschadenssanierung eingesetzt. Auch zur schonenden Reinigung von Wandmalereien und Fresken kann Latexfolie verwendet werden. Entsprechende Versuche an verschiedenen Objekten wurden im Dezember 2012 auf den „Werkstattgesprächen“ des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD) vorgestellt und veröffentlicht. An den Türmen der romanischen Basilika St. Michael in Altenstadt bei Schongau hat sich ein weiteres Anwendungsgebiet ergeben: Das ein Meter dicke, zweischalige Mauerwerk der Kirchtürme aus Kalktuffquadern war tiefgründig ausgewittert. Im Zuge der statischen Ertüchtigung sollte es mit einem modifizierten Injektionsmörtel verpresst werden. Dieser „Schaummörtel“ ist vom Institut für Baustoffkunde in Weimar entwickelt worden.
Latex setzte sich in den Poren fest
Ein Problem ergab sich bei der flächigen Abdichtung des Mauerwerks aus großporigem Kalktuff und den meist sehr schmalen Pressfugen. Das Ausfließen des grauen Zementmörtels auf das helle gelblich-ockerfarbene Gestein musste unbedingt verhindert werden. Ursprünglich sah man vor, die Fugen, ähnlich wie im Bootsbau, mit Werg zu kalfatern, also einzeln abzudichten. Diese Lösung wäre aber technisch und zeitlich kaum umsetzbar gewesen.

Daher entschied man, eine Latexfolie einzusetzen, um die großen Poren des Kalktuffs sowie die schmalen Fugen flächig zu verschließen. In Vorversuchen brachte man auf kleinen Probeflächen am Nordturm zunächst eine normale Reinigungsfolie auf und zog sie nach 24 Stunden Reaktionszeit wieder ab.
Es zeigte sich aber, dass die Latexfolie zu dünnflüssig war und kapillar sehr tief in den porösen Kalktuff eindrang. Partiell ließ sie sich außerdem nur sehr schwer wieder abziehen. Also stellte die herstellende Firma Scheib die Latexpaste durch Dispersionszusatz viskoser ein und man trug sie an einigen Probeflächen etwas dicker auf das Mauerwerk auf. Dies hatte zur Folge, dass sich die Trocknungszeiten leicht verlängerten. Die Folie ließ sich nun aber problemlos abziehen. Um sie während der Trocknung zu schützen, musste an den beschichteten Außenwänden ein Witterungsschutz angebracht werden. Dazu hängte man die Flächen an den jeweiligen Gerüstlagen mit Planen ab.
Autor: Wolfgang Schneider
Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 1. 2015

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