Viele Kirchengemeinden in Deutschland stehen vor großen Herausforderungen. Die Besucherzahlen bei Gottesdiensten sinken, während finanzielle Mittel knapper werden. Zugleich sind viele der Gebäude sanierungsbedürftig. So erging es auch der Melanchtonkirche im Hannoveraner Stadtteil Bult. Sie wurde zwischen Februar 2012 und Mai 2013 erfolgreich energetisch saniert und das Gemeindezentrum in den Kirchenbau integriert.
Man entschied, um einen Teil des Gebäudebestands der Gemeinde veräußern zu können, das bislang in einem separaten Gebäude untergebrachte Gemeindezentrum mit Pfarrbüro in die Kirche zu integrieren. Den ausgelobten Wettbewerb entschied das Bochumer Büro dreibundarchitekten ballerstedt, helms, koblank für sich.
Den Raum verkleinert, mehr Licht geschaffen
„Priorität hatte für uns, den bestehenden Baukörper nicht anzutasten“, erklärt Projektleiter Jan Hintemann. „Die Gemeindemitglieder sollten nach dem Umbau weiterhin ihre – zumindest äußerlich – gewohnte Kirche vorfinden.“ Auch sollten durch einen Verzicht auf Neubauten außerhalb der Kubatur Flächen und Ressourcen gespart werden. So beschränkten sich die Planer auf eine Neuorganisation des Innenraums.
Das neue Kirchenschiff orientiert sich nun vom West- zum Ostteil des Gebäudes, die Seitenschiffe im Norden und Süden wurden abgeteilt. Statt vormals rund 400 finden nun maximal rund 230 Besucher einen Sitzplatz. Im Nordteil befinden sich die Küche sowie der darüber liegende Gruppenraum. Im Südteil liegen nun das Gemeindebüro und darüber das Amtszimmer des Pastors. „Um hierfür mehr Platz zu schaffen, haben wir die drei bestehenden Emporen entfernt und deutlich höher neu eingezogen“, sagt Hintemann. Ein weiterer Gruppenraum liegt im Untergeschoss der Kirche, der nun natürlich belichtet werden kann. Dafür wurde an einer Gebäudeseite das Gelände zugunsten von Fenstern abgetragen. Der Raum kann nun für verschiedene Angebote der Gemeinde genutzt werden.
Die äußere Architektur beibehalten, den Innenraum umgestaltet

Etwa die Deckenverschalung: „Die ist aus sibirischer Lärche und sehr präzise gefertigt. Darüber befand sich allerdings nur noch eine Kokosmatte und dann kam schon das Kupfer des Daches“, erläutert Hintemann. Die Sichtverschalung wurde behutsam entfernt, das Dach nach Stand der Technik gedämmt und dann die Schalung in leicht veränderter Form wieder eingebaut.
Auch bei der Schaffung neuer Lichtverhältnisse sollte die vorhandene Architektur nicht beeinträchtigt werden. Die alten Buntglasfenster wurden durch moderne, transparente Fenster ersetzt.
Ausgewählte Buntglasfenster erhielten ihren neuen Platz in den beiden Windfängen sowie eingefasst in eine filigrane Stahl-Rahmenkonstruktion hinter dem erweiterten Westfenster. Zusätzlich wurde eine neue Dachöffnung eingebracht, die den Altar ins Licht rückt. Der bestehende Bodenbelag aus Dielen und Schiefer musste jedoch einem neuen Boden aus Anröchter Dolomit weichen, der schon im Altarbereich gelegt worden war.
„Atmungsaktiv“ gedämmt

Für die Wärmedämmung entschloss man sich, die rund 900 Quadratmeter mit „TecTem Insulation Board Indoor“ von Knauf Aquapaneel in einer Stärke von 100 Millimetern zu verkleiden. Diese Dicke war zuvor bei einer Wärmedurchgangsuntersuchung als ideale Stärke für die Dämmung ermittelt worden. Die verwendeten Dämmplatten weisen mit einer Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,045 W/(m ∙ K) gute thermische Kennwerte auf.
Die aus vulkanischem Glas (sogenanntem Perlit) hergestellten Platten haben die Eigenschaft, auftretendes Kondenswasser aufzunehmen und zeitverzögert wieder abzugeben. Dadurch werden mögliche Feuchtespitzen im Raumklima abgepuffert. Das System ist durchgängig diffusionsoffen, kapillaraktiv und durch einen hohen ph-Wert weitgehend unempfindlich gegen Schimmelpilzbefall.
Neuer Raum in alten Mauern
Das Ergebnis der Umbauarbeiten wurde im Juni 2013 der staunenden Gemeinde präsentiert. Äußerlich unverändert, ist der Innenraum durch den gewählten Putz heller und einladender geworden. Die neuen Emporen bieten zusätzlichen Raum für Besucher. Gruppenräume und Pfarrbüro können innerhalb des Baus erreicht werden. Die Mittel der Gemeinde waren jedoch zunächst erschöpft: Die neue Bestuhlung bestand zunächst noch aus bunt gemischten Spenden.