Bei der Generalsanierung der Universität Innsbruck entwickelte ATP architekten ingenieure, Innsbruck, eigens für den Turm der Bauingenieure ein öffen- und beschattbares Senkklappfenster, das besonderen architektonischen, atmosphärischen und technischen Anforderungen gewachsen ist.
Hintergrund ist die exponierte Lage des Gebäudes in Nähe des Flughafens sowie die in Innsbruck häufige, langanhaltende Sonneneinstrahlung bei gleichzeitig starker Thermik durch Föhnsturm und Schönwetter. Gemeinsam mit dem Fassadenplaner GBD Mosbacher und dem Passivhausinstitut Innsbruck/Darmstadt kreierte ATP nach bewährtem Senkklapp-System mit am Markt gängigen Elementen ein Fenster, das trotz äußerer Einflüsse gleichmäßige natürliche Belüftung und Beschattung gewährleistet. In aufwendigen Simulationen wurde die Einhaltung aller Normen und Richtlinien wie Schall, sommerliche Überwärmung und so weiter für dieses Fenster- und Lüftungskonzepts nachgewiesen.
Die Fensterlüftung wird über die Senkklappfenster motorisch gesteuert. Kombiniert ist dieses System mit Überströmöffnungen in die Gangzonen und einer mechanischen Lüftung des Gebäudekerns. Zusammen bilden alle Bestandteile ein natürliches Belüftungssystem. Ein digitales, voll automatisiertes Gebäudeleitsystem übernimmt die Steuerung und Evaluierung der natürlichen Lüftung. In Sommernächten wird das Gebäude so automatisch gekühlt. Die Überstromöffnungen in den Bürotüren gewährleisten, dass die frische Luft von außen in das gesamte Gebäude gelangt. Im Kern und den massiven monolithischen Böden des Gebäudes wird Kälte gespeichert, unterstützt durch freiliegende Speichermassen (31 cm STB-Decke mit Verbundestrich, freiliegender Stahlbetonkern). Die warme Abluft, die anfällt, wird mechanisch abgesaugt, wenn über die Fassade in den Kern Frischluft gelangt.
Die Fenster sind zusätzlich mit Verbundfenstern versehen, die einen Sonnenschutz beinhalten. Für Reinigungszwecke sind die Verbundscheiben aufklappbar.
Durch diesen Fenstertyp erhielt man ein sehr dichtes, kompaktes Low-Tech-Gebäude, dessen nach außen liegende Räumlichkeiten natürlich belüftet sind und das laut der EnerPHit-Anforderung „Sanierung Passivhausstandard“ erreicht. Das Senkklappfenster generiert eine außenbündige, kompakte Fassade. Durch das Zusammenspiel von Verbundfenster und 3S-Wärmeschutzverglasung erhält das gesamte Fensterpaket (Glas plus Rahmen) einen U-Wert von 0,79 W/m²K.
Es ist eine raumweise Belüftung und Kühlung möglich. Da das Fenster nach außen ausstellt und sich einige Zentimeter absenkt, kann die Luft unten einströmen, den Raum belüften und über den Spalt an der Oberseite die warme Luft wieder nach außen drücken. Auch bei Regen ist eine eingeschränkte Belüftung gewährleistet.
Das Fenster enthält außerdem nach außen eine zusätzliche Scheibe, in der geschützt vor Wind und Föhn der Sonnenschutz läuft und die für die Reinigung gesondert geöffnet werden kann. Indem diese Scheibe als Klappflügel auf die 3-Scheibenverglasung aufgesetzt ist, erreicht man annähernd thermische Qualitäten wie bei einer Vierfach-Verglasung. Der Sonnenschutz ist auch bei vollständig geöffnetem Fenster voll funktionsfähig.
Optik und Struktur der Fassade
Die Fenster sind Teil der flächenbündigen Fensterbänder, die die Fassade horizontal strukturieren. Diese werden durch vertikal durchlaufende, lisenenartige Bänder geteilt. So entstehen nach jeweils vier Fensteröffnungen Module, die jeweils zwei fixverglaste, nicht-öffenbare und zwei öffenbare Fenstertypen enthalten. Je nach Gegebenheiten im Innenraum sind diese Typen unregelmäßig angeordnet, wodurch sich bei der Betrachtung von außen die strenge Fassade leicht zu bewegen scheint. Mit der kleinteiligen Fensterrasterung in Kombination mit jeweils einer großen fixverglasten Scheibe pro Modul wirkt die kompakte, breitgelagerte Kubatur des Hochhauses ruhig und strukturiert. Die dadurch ermöglichte Spiegelung der umgebenden Gebirgslandschaft und der Nachbargebäude am Campus verleiht der Fassade eine besondere ästhetische Note.
