Das alte Bahnhofsgebäude in Bad Wurzach wurde im Rahmen einer Totalsanierung auf den Stand eines Effizienzhauses 100 gebracht. Die neuen Hausherren legten Wert darauf, die Zeugnisse alter Handwerkskunst am Gebäude profilierte Pfettenköpfe, Rundbogenfenster, historische Schindelfassade zu erhalten. Deshalb kam überwiegend Innendämmung zum Einsatz.
Das Bahnhofsgebäude in Bad Wurzach steht zwar nicht unter Denkmalschutz, für aber die Einwohner fast so etwas wie ein Wahrzeichen der Stadt. Um dieses nicht zu verändern, wurde bei der energetischen Optimierung der Innendämmung den Vorzug gegeben.
Seit Einstellung des Bahn-Personenverkehrs in den 60er Jahren nur noch für den Güterumschlag genutzt, diente der alte Bahnhof bis vor sechs Jahren als Lager und Wohnhaus im Besitz der Stadt Wurzach. Nach Auszug des letzten Mieters versuchte die Stadt ihn über mehrere Jahre vergeblich zu verkaufen. Ernsthafte Interessenten für die sanierungsbedürftige Altimmobilie, die mit Inkrafttreten der EnEV 09 energetisch hoffnungslos veraltet war, fand sie erst im Herbst 2010.
Ehrgeiziges Sanierungskonzept

Julian und Johannes Häfele, die neuen Besitzer, wollten das Gebäude mit Bordmitteln des väterlichen Baugeschäfts erhaltend sanieren. Nach der Sanierung sollten die beiden Wohnungen im Obergeschoss wieder vermietet werden, während Vater Wilhelm Häfele mit seinem "Baugeschäft H&M" die Schalterhalle beziehen sollte. Durch die Erweiterung des ehemaligen Güterschuppens entstanden weitere Geschäftsräume. Sie werden von Julian Häfele für das "Bau Info Zentrum BW", ein von ihm gegründetes Handwerker-Netzwerk mit einer Dauerausstellung genutzt.
Für die Energieoptimierung hatten die neuen Besitzer ehrgeizige Pläne. Das Sanierungskonzept, das sie der Stadt in den Kaufverhandlungen vorlegten, sah die Ertüchtigung der Altimmobilie zum Effizienzhaus 100 vor. Dies, obwohl die erhaltende Sanierung vor allem im Bereich der Außenwände keine einfache Lösung war.
Wilhelm Häfele erinnert sich: "Da das Gebäude mit seiner Holzschindel-Fassade einen hohen Sympathiewert genießt, kam für uns nur eine Sanierung mit Innendämmungen infrage."
Ihr Konzept für die Sanierung erstellten Vater und Söhne mit Unterstützung des Dämmstoffherstellers Linzmeier.
In Verwaltung und Bauamt ist man heute hocherfreut, dass das Gebäude erhalten und mit neuem Leben erfüllt werden sollte.
Sicheres System für Dach, Wand & Keller
Anfang November 2010 begannen die neuen Besitzer mit der Sanierung. Als erstes Gewerk wurde das Dach in Angriff genommen, das als einziger Teil der Gebäudehülle mit einer Außendämmung versehen werden sollte. Dank des schnell zu montierenden Systems konnte man für die Dachsanierung eine kurze Schönwetterphase im November nutzen. Luftdichtheitsfolie und Dämmung waren in nur einem Tag verlegt.
Bei der Dämmung der Außenwände fanden die Sanierer in den einzelnen Geschossen des alten Bahnhofs sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen vor. Doch das Dämmstoff-System ermöglichte schlanke Bauteilquerschnitte.

Im Erdgeschoss des Gebäudes bestehen die Außenwände aus 550 mm starkem Mauerwerk. Um den Wandquerschnitt nicht zu sehr "aufzublasen" und damit an Fläche und Licht in den Büroräumen zu verlieren, entschieden sich die Hausbesitzer für eine Innendämmung mit 66 mm starken Platten.
Raumseitig sind die Dämmplatten mit einer 6 mm starken Kalzium-Silikatschicht kaschiert, die durch ihre kapillare Leitfähigkeit Feuchte puffert und durch ihren pH-Wert schimmelresistent ist. Durch die Nut- und Feder-Verbindung bilden die Platten eine homogene Dämmschicht ohne Wärmebrücken, deren Aluminiumkaschierung auf der raumabgewandten Seite auch einen Schutz vor Elektrosmog bietet.
Wie bei jeder Innendämmung ist zu beachten, dass das Eindringen warmer, feuchter Luft zwischen Dämmstoff und Außenhülle zuverlässig vermieden wird. Außerdem darf es keine Hinterströmung von Bauteilanschlüssen geben. Dies erreicht man in der Regel mit einem vollflächig aufgetragenen Kleber oder einer Randwulstverklebung.
Das Verkleben mit dem Untergrund, das Einschieben der Federn, die Verschraubung und das abschließende Spachteln nehmen wenig Zeit in Anspruch. Die Montagezeit für das Erdgeschoss des Bahnhofsgebäudes betrug drei Tage.
Die alten Fensterbögen wurden bei der Sanierung durch passgenauen Zuschnitt der Dämmplatten erhalten. Da die Platten malerfertig sind, konnten sie nach Abschluss der Montage sofort mit einem Streichputz überzogen werden, der die Feuchtepufferung noch einmal verbesserte.
Einsparungen durch die Sanierung beim Bahnhof Bad Wurzach
Wandheizung für mehr Behaglichkeit
In Ober- und Dachgeschoss bestand die Außenwand aus einem 200 mm starken Mauerwerk, das außen bündig mit der Erdgeschosswand abschloss und mit Holzschindeln bekleidet war. Hier entschieden sich die neuen Besitzer für eine 120 mm starke Kerndämmung und für eine Hintermauerung mit 100 mm Kalksandstein. Die Außenwand erreicht nach der Dämmung einen U-Wert von 0,20 W/m² - K.
Die KS-Hintermauerung setzt auf der Erdgeschosswand auf und ist stellenweise nur 70 mm stark. So entstanden zurückspringende Felder, in die man eine Wandheizung einbaute. Verbleibende Niveauunterschiede glichen die Handwerker von H&M mit Putz aus. Im Anschluss wurde die ganze Wand mit einem Kalkputz verputzt. Bauphysikalisch eine interessante Lösung, mit der man die Wärmespeicherfähigkeit des Steins zur Erhöhung der Behaglichkeit nutzen kann, während die hocheffiziente Dämmung dahinter Transmissionsverluste minimiert.
Kellerdeckendämmung rundet System ab

Die Letzte der in Bad Wurzach ausgeführten Dämmmaßnahmen betraf die Decke zum ungedämmten Keller. Da der Keller nur als Lagerraum genutzt werden soll, kam eine beidseitig mit Alufolie kaschiere Dämmplatte zum Einsatz, die im Keller auch die Sichtoberfläche bildet.
Die PUR/PIR-Dämmplatte mit integrierter Dampfsperre stellt eine besonders einfache Art dar, Wärmebrücken zwischen beheiztem und unbeheiztem Raum zu unterbinden und für fußwarme Böden im darüber liegenden Geschoss zu sorgen.
In Bad Wurzach bildete die Kellerdeckendämmung den letzten Baustein zum Effizienzhaus 100. Ein Standard, den das alte Bahnhofsgebäude mit einem Primärenergiebedarf von 53,36 kWh/m²a (max. zulässiger Primärenergiebedarf = 68,48 kWh/m²a) vergleichsweise spielend erreichte.
Autor: Dr. Joachim Mohr, freier Redakteur und Fotograf, Inhaber eines Pressebüros, Tübingen
Die Dämmung
Die Dämmung wurde mit Materialien der Firma Linzmeier ausgeführt. Für die Dämmung des Dachs wurde ""Linitherm PAL N+F". Das Dämm-System "Linitherm PAL SIL" wurde im Erdgeschoss verwendet. Für die Dämmung des Ober- und Dachgeschosses wurde auf "Linitherm OGV" zurückgegriffen. Die Dämmung der Kellerdecke erfolgte mit "Linitherm PAK KD".
Weitere Informationen zu den Dämmsystemen finden Sie unter www.linzmeier.de