Betonsanierung Metro Berlin
Im historischen U-Bahnhof Fehrbelliner Platz wurden umfangreiche Instandsetzungen der Betondecke ausgeführt. Bereits beim Ende der1960er-Jahre durchgeführten Umbau wurde der Eingangsbereich im Stil der Pop-Art gestaltet. (Abb.: Rita Jacobs)

Bauwerkserhaltung 2014-01-16T00:00:00Z Die letzte Metro

An der Decke der historischen U-Bahn-Station Fehrbelliner Platz in Berlin waren Rissbildungen und Abplatzungen aufgetreten. Da der Bahnhof unter Denkmalschutz steht, mussten die Abmessungen der stark profilierten Decke bei der Instandsetzung exakt wie im Originalbestand ausgeführt werden. Die Sanierung erfolgte mit Spritzbeton. Dabei konnten die Arbeiten nur nachts während der Betriebspause der U-Bahn ausgeführt werden.

Umfangreiche Beton-Sanierungsarbeiten wurden bis vor Kurzem am U-Bahnhof Fehrbelliner Platz ausgeführt. Wenn die Stadt sich schlafen legte und die letzte Bahn abgefahren war, übernahmen für wenige Stunden fünf Kolonnen der Firma Bodo Pilgrimowski Betonsanierung aus Neuseddin, einem Mitglied der Güteschutzgemeinschaft Betoninstandsetzung Berlin und Brandenburg, das Kommando. Denn bei Sonderuntersuchungen der Bausubstanz wurden erhebliche Schäden an der Decke festgestellt. An einigen Stellen waren bereits Rissbildungen und Betonablösungen aufgetreten. Es gab Hinweise auf Hohlräume, die eine Schollenbildung vermuten ließen. Bereits in der Vergangenheit wurden mehrfach größere Betonabplatzungen und Risse an der Decke beseitigt. Um die Tragfähigkeit und die uneingeschränkte Nutzung des Bahnhofs weiterhin zu gewährleisten, wurde daher eine Grundinstandsetzung der Bahnhofsdecke geplant. Sie sah vor, die gesamte Decke des unter Denkmalschutz stehenden Bahnsteigs, soweit statisch vertretbar, abzustemmen und nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten entsprechend dem vorhandenen Bild wieder aufzubauen. Für die Bauzeit wurde insgesamt ein Zeitraum von zwei Jahren veranschlagt.

Die Krümmung des Bahnhofs erforderte Maßarbeit

Die lange Bauzeit begründete sich aus den Gegebenheiten vor Ort: Bei der Decke des U-Bahnhofes Fehrbelliner Platz handelt es sich um eine stark profilierte Trägerbetondecke mit Kalkzementputz. An den Außenrändern befinden sich dreifach abgestufte Randunterzüge mit einer Gesamtbreite von etwa 90 Zentimetern. Die Mittelstützenachse prägt ein sechsfach abgestufter Mittelunterzug mit etwa 1,70 Meter Gesamtbreite. In den Stützenachsen sind quer zur Bahnachse Deckenspiegelfelder (ca. 2,20 m × 5,15 m bis 5,80 Meter) mit konvex und konkav ausgebildeten Untersichten angeordnet. Zwischen den Stützenachsen befinden sich etwa 0,90 m × 1,10 m große Kassettenfelder, die mit Haupt- und Nebenunterzügen eingerahmt sind.

Da der Bahnhof in einer Krümmung liegt, weisen sowohl die Deckenspiegelfelder als auch die einzelnen Kassettenfelder unterschiedliche Abmessungen auf. Sie mussten exakt wie im Originalbestand ausgeführt werden. Das ist speziell wegen der Einbauleuchten wichtig, die nach der Renovierung wieder in die Kassettenfelder eingesetzt werden sollten, erforderte jedoch bei der vorgesehenen Ausführung mit Spritzbeton umfangreiche Schalungen. Die Maße der jeweiligen Kassetten sowie der anliegenden Mittel-, Haupt- und Nebenträger wurden vor Beginn der Deckenarbeiten in Lage und Höhe exakt aufgemessen und dokumentiert.

Nur in der Nacht konnte gearbeitet werden

  Jede Nacht mussten vor Arbeitsbeginn umfangreiche Vorkehrungen getroffen werden, um sicherzustellen, dass die historischen Fliesen im Bahnhof nicht beschädigt wurden. Während der Sandstrahl- und Spritzbetonarbeiten wurde eine Entstaubungsanlage eingesetzt, die eine Staubentwicklung außerhalb der jeweiligen Arbeitsbereiche und vor allem eine Verschmutzung des Bahnhofs verhinderte. Sie musste täglich nach Arbeitsschluss wieder demontiert werden. Das Gleiche galt für die Schutzabdeckungen der elektrischen Einrichtungen auf dem Bahnsteig.

Hinzu kam, dass pro Nacht lediglich ein Zeitraum von knapp zweieinhalb Stunden zur Verfügung stand. Die Bauarbeiten auf dem Bahnhof konnten nur während der nächtlichen Betriebspausen nach Abschaltung des Fahrstroms zwischen circa ein Uhr und 3.30 Uhr durchgeführt werden. „Spätestens um 3.25 Uhr“, berichtet Firmenchef Pilgrimowski, „mussten wir das Gleis geräumt und sauber hinterlassen haben. Die Mitarbeiter arbeiteten im Laufschritt, um die knappe Zeit so gut zu nutzen wie es irgend ging.“

Dies ist eine Artikel aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 3.2012

zuletzt editiert am 09. April 2021
Newsletter