Die Anforderungen an energetisches Modernisieren werden immer komplexer. Nach einer Untersuchung des Instituts für Bauforschung e. V. treten Fehler sowohl in der Planungs- (34 Prozent) als auch in der Ausführungsphase (66 Prozent) auf – mit teils weitreichenden Folgen. Die Autorinnen des folgenden Beitrags plädieren daher dringend dafür, Maßnahmen zur Qualitätssicherung und -kontrolle systematisch in den gesamten Bauprozess zu integrieren.
Bei einer energetischen Modernisierung wird heute nicht mehr nur das Erreichen eines Mindeststandards erwartet, sondern ein hocheffizientes Gebäude. Vollzogen hat sich diese Entwicklung auf dem Hintergrund stetig steigender Energiekosten sowie klimatischer und ressourcentechnischer Notwendigkeiten, Energie möglichst effizient zu nutzen. Daher gewinnt die Entwicklung und Umsetzung qualitativ hochwertiger und nachhaltiger Konzepte zur energetischen Sanierung zunehmend an Bedeutung. Die Modernisierungsmaßnahmen zielen insbesondere darauf, ein Gebäude „zukunftssicher“ zu machen, das heißt die Energieeffizienz deutlich anzuheben, die Anforderungen an modernes und behagliches Wohnen zu erreichen und bei Mietobjekten die Vermietbarkeit zu verbessern. Doch je höher die Zielsetzung im Hinblick auf den energetischen Standard ist, desto höher sind die spezifischen Anforderungen an die Konstruktion, die Gebäudetechnik, die thermische Bauphysik usw. Dadurch werden die Leistungen aller am Bau Beteiligten immer aufwendiger, komplexer und anspruchsvoller. Die vereinbarte „Qualität eines Bauwerkes“ sicherzustellen, ist vor diesem Hintergrund in der Praxis nicht unproblematisch. Erfahrungen aus der Bau- und Sachverständigenpraxis zeigen, dass es bei energetischen Modernisierungsmaßnahmen vielfach zu Mängeln oder sogar Schäden kommt.
Bei der Planung wird oft am falschen Ende gespart
Schäden beim energieeffizienten Modernisieren sind nicht nur auf klassische Ausführungsfehler zurückzuführen. In vielen Fällen haben sie ihren Ursprung bereits in der Vorplanung oder Planung, unter anderem da häufig aus Kosten- oder Zeitgründen auf eine detaillierte Planung und die Durchführung notwendiger Berechnungen verzichtet wird. Solche Unterlassungen, Fehleinschätzungen oder fehlerhaften Berechnungen bergen ein immenses Schadenpotenzial, zumal Fehler nicht selten erst nach längerer Zeit festgestellt werden und nachhaltige Folgen für Gebäude und Nutzer haben können.
Studie ermittelte typische Fehler und zeigt Lösungen
Vom Institut für Bauforschung e. V. wurde in Kooperation mit dem Bauherren- Schutzbund e. V. (BSB) und der AIA AG ein Gemeinschaftsprojekt realisiert [1]. Dabei dienten die umfangreichen Datenbanken der AIA AG und Dokumentationen zu Bauqualitätskontrollen des BSB als Grundlage und Datenbasis. Durch die Analyse ausgewählter Schadenfälle sollten die Bedeutsamkeit des Themas objektiv dargestellt und alle am Bau Beteiligten für dieses Thema sensibilisiert werden. Die Auswertung relevanter Schadenfälle beim energieeffizienten Modernisieren verfolgte drei Ziele:
- typische Bauteile identifizieren, an denen Mängel und Schäden auftreten,
- anhand der Schadensummen ausgewählter Schadenfälle das Ausmaß ermitteln und
- aus diesen Ergebnissen Lösungen ableiten, die für ein schadenfreies Modernisieren zielführend sind.
Die Ergebnisse wurden in einer Studie dokumentiert. Danach sind die Schäden in rund 66 Prozent der untersuchten Schadenfälle auf eine nicht fachgerechte Ausführung der Baumaßnahmen zurückzuführen, 34 Prozent resultieren aus einer unzureichenden oder fehlenden Planung der Maßnahmen.
Ausführungsfehler betreffen zu 46 Prozent die Wärmedämmung
Bei den Ausführungsfehlern liegt der Schwerpunkt mit 46 Prozent in der Ausführung der Wärmedämmung. Typische Mängel sind hier zum Beispiel Fehlstellen, Hohlräume, Befestigungen und Einbau unterschiedlicher Dämmstärken in einer Dämmebene. 30 Prozent der Fehler sind auf eine fehlerhaft ausgeführte luftdichte Ebene zurückzuführen, und zwar insbesondere auf mangelhaft ausgeführte Anschlüsse an flankierenden Bauteilen. Rund 25 Prozent der ermittelten Fehler resultiert aus fehlerhaft ausgeführter Haustechnik, wobei hier die Verwendung ungeeigneter Materialien in der Anlagentechnik den Schwerpunkt der Mängel bildet.
Die häufigsten Planungsfehler betreffen die Wärmedämmung
Bei Fehlern im Rahmen des Planungsprozesses liegt der Schwerpunkt mit 64 Prozent der untersuchten Mängel und Schäden im Bereich von fehlerhafter Planung der Wärmedämmung. 18 Prozent resultieren aus mangelhaft konzipierter Haustechnik, wobei haustechnische Anlagen oft fehlerhaft dimensioniert oder der Einsatz erneuerbarer Energien nicht fachgerecht geplant wurde.

Bei Bauteilanschlüssen liegt ein Schadenschwerpunkt
Zu den typischen Bauteilen, an denen Fehler im Rahmen des energetischen Modernisierens festgestellt wurden, zählen Außenwand- und Dachkonstruktionen sowie die Anlagentechnik. Bei diesen Bauteilen treten Fehler insbesondere bei der Wärmedämmung und der luftdichten Ebene auf. Schwerpunktmäßig betroffen sind bei der Wärmedämmung insbesondere die Bauteilanschlüsse, -abschlüsse und -übergänge, der Wechsel der Schichtdicke oder der Wärmeleitfähigkeit (Wärmeleitgruppe), der Wechsel des Wärmedämmprodukts sowie Durchdringungen der Wärmedämmung. Bei der luftdichten Ebene liegen die Fehler schwerpunktmäßig ebenfalls bei den Bauteilanschlüssen, -abschlüssen und -übergängen, den Durchdringungen der luftdichten Ebene und nicht kompatiblen Materialkombinationen. Von Letzterem sind vor allem die Klebeverbindungen betroffen.
Schadenfolgen können gravierend sein
Im Rahmen von energieeffizienten Modernisierungsmaßnahmen ist es unerlässlich, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, dass jeder Fehler, vor allem im komplexen Bereich der Wärmedämmung und Luftdichtheit, weitreichende Folgen haben kann. Diese sind zum Beispiel:
- Der (Primär-)Energiebedarf und die CO2-Emissionen erhöhen sich.
- Die Energiekosten steigen durch den Mehrverbrauch an Energie.
- Mängelfolgeschäden mit zusätzlichen Schadenbeseitigungskosten können auftreten, zum Beispiel durch Feuchte oder Schimmel.
- Die Fördervoraussetzungen werden nicht erreicht. Daraus können der Verlust von Fördermitteln und entsprechende Schadenersatzansprüche folgen.
- ist unter anderem wegen der Nichterreichung vereinbarter Behaglichkeits- und Komfortkriterien gemindert.
Autorinnen: Janet Simon und Heike Böhmer
Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND Ausgabe 3-2014

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